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Donnerstag, 10. Mai 2012
Donnerstag, 10. Mai 2012
kuehnesmallworld, 10:55h
„Kreislauf“
Wenn Dogmen fallen, wie das vom Wachstum, heisst das noch lange nicht, dass wir immun sind gegen neue. Zum Beispiel das Dogma vom Kreislauf. Natürlich ist Wiederverwertung gut. Noch besser sind Produkte, bei denen sich so viel wie möglich wiederverwerten lässt. Dass dies zu 100% möglich sei, nähert sich einem Glaubenssatz.
Besonders vital sind Dogmen, wenn sie von älteren gespeist werden. Das Dogma vom Kreislauf verträgt sich einfach so gut mit dem von der Regionalisierung, so gut dass es als Nationalisierung verstanden und gehört wird. Schon wird aus „Produkte aus der Region“ unversehens „Produkte aus Deutschland“. Dass der Apfel aus Deutschland ist, das Ei aus Deutschland ist dürfen wir immer öfter auf der Packung lesen.
Auch ökologisch ist das falsch, denn Hamburg ist von München viel weiter entfernt als Innsbruck. Und um den „Kreislauf“ und die „Transportkosten“ sollte es ja einmal ursprünglich gehen. Jetzt zeigt sich, dass „Kreislauf“ und „Region“ keinesfalls so eindeutig sind, wie sie scheinen. Statt der Wiederholung der Dogmen müsste also Aufklärung einsetzen. Was ist „Region“ und wenn ja für welche für welche Produkte? Die Region für Seide ist eine andere als die für Baumwolle. Die Region für Äpfel ist eine andere als die für Kaffee. Spätestens beim Kaffee biegen die weniger Glaubensfesten schon ab in Richtung Welthandel und maulen was vom Prinzip, um das es ginge. Die Glaubensfesten erzählen dir, was du brauchst und was nicht. Der Kreislauf ist nur nach innen ein Kreislauf, nach aussen ist er eine Grenze.
Es kommt noch dicker: Im ökologischen Denken ist garnicht „Kreislauf“ die oberste Maxime, sondern dass alles mit allem zusammenhängt. Ein Denken, das bisherige Grenzen übersteigt. Da schliesst Kreisläufe nicht aus, sondern begründet sie abhängig von Produkt und Erkenntnisstand.
Ökologisches Denken ist ein Denken in grösseren Überschaubarkeiten als vordem. So eine Ökologie macht Sinn, der gar nicht von der Kanzel der Glaubenssätze gepredigt werden muss. Ökologie macht Sinn weil sie fragt: Was ging dem Zustand voraus, den wir heute haben. Und was folgt aus dem, was wir heute tun?
Wenn Dogmen fallen, wie das vom Wachstum, heisst das noch lange nicht, dass wir immun sind gegen neue. Zum Beispiel das Dogma vom Kreislauf. Natürlich ist Wiederverwertung gut. Noch besser sind Produkte, bei denen sich so viel wie möglich wiederverwerten lässt. Dass dies zu 100% möglich sei, nähert sich einem Glaubenssatz.
Besonders vital sind Dogmen, wenn sie von älteren gespeist werden. Das Dogma vom Kreislauf verträgt sich einfach so gut mit dem von der Regionalisierung, so gut dass es als Nationalisierung verstanden und gehört wird. Schon wird aus „Produkte aus der Region“ unversehens „Produkte aus Deutschland“. Dass der Apfel aus Deutschland ist, das Ei aus Deutschland ist dürfen wir immer öfter auf der Packung lesen.
Auch ökologisch ist das falsch, denn Hamburg ist von München viel weiter entfernt als Innsbruck. Und um den „Kreislauf“ und die „Transportkosten“ sollte es ja einmal ursprünglich gehen. Jetzt zeigt sich, dass „Kreislauf“ und „Region“ keinesfalls so eindeutig sind, wie sie scheinen. Statt der Wiederholung der Dogmen müsste also Aufklärung einsetzen. Was ist „Region“ und wenn ja für welche für welche Produkte? Die Region für Seide ist eine andere als die für Baumwolle. Die Region für Äpfel ist eine andere als die für Kaffee. Spätestens beim Kaffee biegen die weniger Glaubensfesten schon ab in Richtung Welthandel und maulen was vom Prinzip, um das es ginge. Die Glaubensfesten erzählen dir, was du brauchst und was nicht. Der Kreislauf ist nur nach innen ein Kreislauf, nach aussen ist er eine Grenze.
Es kommt noch dicker: Im ökologischen Denken ist garnicht „Kreislauf“ die oberste Maxime, sondern dass alles mit allem zusammenhängt. Ein Denken, das bisherige Grenzen übersteigt. Da schliesst Kreisläufe nicht aus, sondern begründet sie abhängig von Produkt und Erkenntnisstand.
Ökologisches Denken ist ein Denken in grösseren Überschaubarkeiten als vordem. So eine Ökologie macht Sinn, der gar nicht von der Kanzel der Glaubenssätze gepredigt werden muss. Ökologie macht Sinn weil sie fragt: Was ging dem Zustand voraus, den wir heute haben. Und was folgt aus dem, was wir heute tun?
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Mittwoch, 25. April 2012
Mittwoch, 25. April 2012
kuehnesmallworld, 09:38h
Stoppt den Zertifizierungswahn
Das private Pendant zur Zeugnis-Bürokratie ist der Zertifizierungswahn. Wäre doch gelacht, wenn sich am Nachweisterror nicht noch ordentlich verdienen liesse. Und an die ewige Prüferei sind die Leute ja sowieso gewöhnt.
Über Zertifizierungen aller Art etabliert sich ein ganzer (Weiter-) Bildungsmarkt, und zwar einer gegen Bares. Natürlich gibt es Bereiche in denen Zertifizierung begründet ist, insbesondere wenn sich die Prüfung durch den Konsumenten einer Kontrolle weitgehend entzieht, wie zum Beispiel bei der Kultivierung von Öko-Lebensmitteln. Auch gegen wenige aber klar erkennbare Prüfstempel, die bekunden, dass eine übergeordnete, nicht nur verbandsinterne Sondierung des Angebots stattgefunden hat, ist sinnvoll, Beispiel das Bio-Siegel. Aber wer heute eine Ökomesse besucht, der schleicht hallenweise an Zertifizierungsständen und -institutionen vorbei. In vielen Fällen bedeutet dies eine nachträgliche Privatisierung und Entwertung staatlich kontrollierter und damit primär nicht kommerziell ausgerichteter Zugänge. Diese sind sehr wohl legal, dürfen aber nicht an die Stelle der staatlichen Zeugnisse treten und vor allem dürfen sie eins nicht: neue Monopole begründen.
Der Staat hat hoheitlich das Münzwesen kontrolliert und den, der es ausübt. Früher kontrollierte er durch Zugehörigkeit zu Adel und Macht, heute kontrolliert er durch Prüfung und Ausbildung. Die Münze repräsentierte den Wert, und damit die Bewertung von Waren, Handwerk und Dienstleistungen in einem Hoheitsgebiet zum Ausdruck, definierte den Geltungsbereichh und legte den Masstab für den Handel mit anderen Staaten fest. Genau das ist heute die Funktion von Bildungs- und Ausbildungsstandards. Was ich können muss, ist wichtiger als das, was ich mir an Können zu Gute halte.
Auch wenn man kein Freund staatlicher Einmischung in alles und jedes ist, konkurrierende staatlich und privat betriebene Einrichtungen, bringen die Dinge meist am am besten voran, aber der Nachweis einer grundlegenden Befähigung muss in der Hand des Gemeinwesens bleiben. Hier geht es garnicht in erster Linie um die berühmten Scharlatane, die nisten sich in Grauzonen und Niemandsländern nur ein, es geht um die Währung, die Wert und Bewertung von Qualifikationen justiert. Also: Bildung so bunt wie möglich, Abschlüsse so generell wie möglich.
Alles andere kann ich als aufgeklärter Zeitgenosse und Kunde, der lesen, vergleichen und Gespräche führen kann, selbst erkunden. Da führt kein Weg zurück in die geistige Kleinstaaterei. Vom Absolventen einer Ausbildung, auch eines Studiums, erwarte ich die fachliche und persönliche Kompetenz, prüfen und beurteilen zu können, welche Weiterbildung fach. und sachgerecht ist. Punkt. Lässt es sich nicht vermitteln über den Tellerrand der Anschauung und Überzeugung hinaus, soll es bleiben, wo es ist, im esoterischen, glaubensüberzeugten Zirkel, es besteht den Praxistest nicht. Die Naturheilkunde besteht den Praxistest sehr wohl, nur alle ihrer Begründungen und Anschauungen, mit denen muss ich mich als Kunde schon selbst auseinandersettzen. Die Praxis entscheidet und ich muss als Kunde und Konsument endlich aufhören meine Prüfkompetenz an Zertifizierungsinstanzen zu deligieren. Da helfen auch keine Lebensmittelampeln und andere Mätzchen auf der Ware. Kann ich lesen oder nicht? Ampeln und Symbole gehören auf die Strasse, der schnellen und einfachen Erfassbarkeit halber. Will ich mir ein Bild von den Inhaltsstoffen und Qualifikationen machen, dann muss ich lesen, nachlesen und vergleichen. Wer den denkenden Konsumenten will, darf ihm nicht das Denken abnehmen. Will ich andere mit Namen beeindrucken oder mit meiner Fertigkeit und Fähigkeit überzeugen?
Es ist derselbe Staat, der die einen wegen fehlender Abschlüsse an der Grenze zu Hilfsarbeitern degradiert und die anderen an den Mautstellen zahlungspflichtiger Zusatzausbildungen abkassieren lässt. Der lieber selbst die Hand aufhält und von Gebühren und Abgaben profitiert, anstatt die Kontrollinstanz aufrechtzuerhalten, in Information und Aufklärung zu investieren und Zweitwährungen zu verhindern.
Noch eins: Zertifizierungsmanien verhindern, dass der Praxis der ihr zukommende Wert eingeräumt wird. Mit andern Worten: Zertifizierung trägt ihr Teil bei zum Veralten, so wie der TÜV fürs Verschrotten des Autos, nur dass wir keine Sachen und der Mensch keine schlichte Ressource ist auch keine Human Ressources. Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen sind Mindestlohnregelungen unterworfen denn durch die nach oben offene Skala der (Zusatz-) ausbildungen, machen sich die Bewerber selbst Konkurrenz. Noch nie waren so viele Ausgebildete im nationalen wie internationalen Masstab in so grosser Zahl arbeitslos wie heute. Wir müssen endlich aufwachen: Was den Arbeitsmarkt bestimmt ist der Markt, er nimmt auch Blinde und Lahme, wenn ihn die (Arbeits-) Kräfte verlassen, vorzugsweise aber die billigsten und dann ist plötzlich Qualifikation gar kein Argument mehr. Deswegen importieren wir Arbeitskräfte bei hoher interner Arbeitslosgkeit.
Auf dem Markt zählt vor allem die Praxis und der sollten wir das Feld überlassen. Wer ist am besten, wer kanns am besten, nicht: wer hat die besten Papiere. Die Differenzierung kommt von der Kombination des Wissens mit der Erfahrung. Hier entstehen unendlich viele Bedarfe und unendlich viele Qualifikationen. Das ist die Ressource, aus der eine Arbeitsgesellschaft schöpft.
Das private Pendant zur Zeugnis-Bürokratie ist der Zertifizierungswahn. Wäre doch gelacht, wenn sich am Nachweisterror nicht noch ordentlich verdienen liesse. Und an die ewige Prüferei sind die Leute ja sowieso gewöhnt.
Über Zertifizierungen aller Art etabliert sich ein ganzer (Weiter-) Bildungsmarkt, und zwar einer gegen Bares. Natürlich gibt es Bereiche in denen Zertifizierung begründet ist, insbesondere wenn sich die Prüfung durch den Konsumenten einer Kontrolle weitgehend entzieht, wie zum Beispiel bei der Kultivierung von Öko-Lebensmitteln. Auch gegen wenige aber klar erkennbare Prüfstempel, die bekunden, dass eine übergeordnete, nicht nur verbandsinterne Sondierung des Angebots stattgefunden hat, ist sinnvoll, Beispiel das Bio-Siegel. Aber wer heute eine Ökomesse besucht, der schleicht hallenweise an Zertifizierungsständen und -institutionen vorbei. In vielen Fällen bedeutet dies eine nachträgliche Privatisierung und Entwertung staatlich kontrollierter und damit primär nicht kommerziell ausgerichteter Zugänge. Diese sind sehr wohl legal, dürfen aber nicht an die Stelle der staatlichen Zeugnisse treten und vor allem dürfen sie eins nicht: neue Monopole begründen.
Der Staat hat hoheitlich das Münzwesen kontrolliert und den, der es ausübt. Früher kontrollierte er durch Zugehörigkeit zu Adel und Macht, heute kontrolliert er durch Prüfung und Ausbildung. Die Münze repräsentierte den Wert, und damit die Bewertung von Waren, Handwerk und Dienstleistungen in einem Hoheitsgebiet zum Ausdruck, definierte den Geltungsbereichh und legte den Masstab für den Handel mit anderen Staaten fest. Genau das ist heute die Funktion von Bildungs- und Ausbildungsstandards. Was ich können muss, ist wichtiger als das, was ich mir an Können zu Gute halte.
Auch wenn man kein Freund staatlicher Einmischung in alles und jedes ist, konkurrierende staatlich und privat betriebene Einrichtungen, bringen die Dinge meist am am besten voran, aber der Nachweis einer grundlegenden Befähigung muss in der Hand des Gemeinwesens bleiben. Hier geht es garnicht in erster Linie um die berühmten Scharlatane, die nisten sich in Grauzonen und Niemandsländern nur ein, es geht um die Währung, die Wert und Bewertung von Qualifikationen justiert. Also: Bildung so bunt wie möglich, Abschlüsse so generell wie möglich.
Alles andere kann ich als aufgeklärter Zeitgenosse und Kunde, der lesen, vergleichen und Gespräche führen kann, selbst erkunden. Da führt kein Weg zurück in die geistige Kleinstaaterei. Vom Absolventen einer Ausbildung, auch eines Studiums, erwarte ich die fachliche und persönliche Kompetenz, prüfen und beurteilen zu können, welche Weiterbildung fach. und sachgerecht ist. Punkt. Lässt es sich nicht vermitteln über den Tellerrand der Anschauung und Überzeugung hinaus, soll es bleiben, wo es ist, im esoterischen, glaubensüberzeugten Zirkel, es besteht den Praxistest nicht. Die Naturheilkunde besteht den Praxistest sehr wohl, nur alle ihrer Begründungen und Anschauungen, mit denen muss ich mich als Kunde schon selbst auseinandersettzen. Die Praxis entscheidet und ich muss als Kunde und Konsument endlich aufhören meine Prüfkompetenz an Zertifizierungsinstanzen zu deligieren. Da helfen auch keine Lebensmittelampeln und andere Mätzchen auf der Ware. Kann ich lesen oder nicht? Ampeln und Symbole gehören auf die Strasse, der schnellen und einfachen Erfassbarkeit halber. Will ich mir ein Bild von den Inhaltsstoffen und Qualifikationen machen, dann muss ich lesen, nachlesen und vergleichen. Wer den denkenden Konsumenten will, darf ihm nicht das Denken abnehmen. Will ich andere mit Namen beeindrucken oder mit meiner Fertigkeit und Fähigkeit überzeugen?
Es ist derselbe Staat, der die einen wegen fehlender Abschlüsse an der Grenze zu Hilfsarbeitern degradiert und die anderen an den Mautstellen zahlungspflichtiger Zusatzausbildungen abkassieren lässt. Der lieber selbst die Hand aufhält und von Gebühren und Abgaben profitiert, anstatt die Kontrollinstanz aufrechtzuerhalten, in Information und Aufklärung zu investieren und Zweitwährungen zu verhindern.
Noch eins: Zertifizierungsmanien verhindern, dass der Praxis der ihr zukommende Wert eingeräumt wird. Mit andern Worten: Zertifizierung trägt ihr Teil bei zum Veralten, so wie der TÜV fürs Verschrotten des Autos, nur dass wir keine Sachen und der Mensch keine schlichte Ressource ist auch keine Human Ressources. Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen sind Mindestlohnregelungen unterworfen denn durch die nach oben offene Skala der (Zusatz-) ausbildungen, machen sich die Bewerber selbst Konkurrenz. Noch nie waren so viele Ausgebildete im nationalen wie internationalen Masstab in so grosser Zahl arbeitslos wie heute. Wir müssen endlich aufwachen: Was den Arbeitsmarkt bestimmt ist der Markt, er nimmt auch Blinde und Lahme, wenn ihn die (Arbeits-) Kräfte verlassen, vorzugsweise aber die billigsten und dann ist plötzlich Qualifikation gar kein Argument mehr. Deswegen importieren wir Arbeitskräfte bei hoher interner Arbeitslosgkeit.
Auf dem Markt zählt vor allem die Praxis und der sollten wir das Feld überlassen. Wer ist am besten, wer kanns am besten, nicht: wer hat die besten Papiere. Die Differenzierung kommt von der Kombination des Wissens mit der Erfahrung. Hier entstehen unendlich viele Bedarfe und unendlich viele Qualifikationen. Das ist die Ressource, aus der eine Arbeitsgesellschaft schöpft.
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Montag, 2. April 2012
Montag, 2. April 2012
kuehnesmallworld, 19:42h
ALTer und NachhALTigkeit
Nein, ethymologisch sans (bairisch) nicht verwandt: ALTer und NachhALTigkeit. Aber drei Buchstaben und eine Sinnverwandtschaft haben sie im Deutschen schon gemein:
Die Lebensdauer von Produkt und Mensch. Ob die etwas geinsam haben? Sprachlich jedenfalls tun wir so. Sprachlich beeinflusst die eine Vorstellung die andere, sickert in diese ein. Und den Brüdern Grimm zufolge steckt in ALTER ja „Welt“, eine Welt.
Aber sollte tatsächlich in unserer Vorstellung vom ALTEN die Vorstellung vom VerALTEN stecken, eine Vorstellung, die wir sonst lieber Produkten vorbehalten, dann nämlich wenn wir von „Lebenszyklen“ sprechen? Sprechen wir doch wegen dieser Nähe zum alten Eisen (der Industriegesellschaft) auch lieber vom Senioren. Dieser rückt dadurch jedenfalls, wenn auch nicht als Produzent, dann doch als Konsument ökonomisch ins Visier von Designern. Die Einbeziehung von Senioren in den Gestaltungsprozess (siehe vorigen Beitrag) ist eines der Hauptschauplätze aktueller Design-Ansätze, die sich um Einbeziehung unseres Alltags kümmern. Zu unhandlich, zu unpraktisch und zu wenig bedürfnisgerecht sind viele Produkte, die ja nach anderen, jugendaffinen Gesichtspunkten gestaltet und gestylt wurden.
Gut möglich, dass Produkte und Dienstleistungen, die für Alte gemacht werden eines Tages auch von Ihnen gemacht werden. So wie heute Junge Produkte für Junge machen. Zumindest für eine junge Welt.
Was heisst das für die LebensALTER, wenn wir nachhaltig Produkte entwickeln um diese länger und vielfältiger zu nutzen? Es heisst nicht notwendigerweise, dass sich das Produzieren ändert, aber dass sich der Fokus ändert, auf den hin etwas entwickelt wird, das heisst es schon.
Eine Produktion, die dem Hype „jugendlich, fortschrittlich“ folgt aber zunehmend nachhaltige, langlebige Produkte produziert, wird sich Fragen stellen lassen müssen, weil sie Widersprüche produziert. Und schon ist sie futsch, unsere schöne neue Welt von morgen: Ruckzuck gehört glattes gesichtsloses Design der Vergangenheit an. Design bekommt Falten. Falten sind Gebrauchspuren einer Haut, die nicht nur trocken geworden ist, wie Kosmetiker unermüdlich betonen, sondern auch ihre Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Die Haut von Landarbeitern sieht anders aus, als die von Lehrern. Nicht nur der individuelle Altersprozess, sondern auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen hinterlassen ihre Spuren auf der Haut.
Kaum ist das verkraftet, stehen wir vor dem nächsten Widerspruch in Form von Naturkosmetik- und Lebensmittelregalen im Öko-Supermarkt. Die jugendliche glatte Haut liegt voll im Trend der Naturkosmetik, länger halten aber sollen sich unsere konservierungsstofflosen Lebens- und Kosmetikprodukte auch, deswegen fällt die Verpackung auch zunehmend solide aus. So solide, dass sie Alte kaum aufkriegen. Der ökologische Anspruch, nicht verderben zu lassen, kollidiert mit dem Anspruch, nicht aufwendig zu verpacken, schon gar nicht so aufwendig, dass ganze Gruppen vom Gebrauch ausgeschlosssen werden. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich ökologische Ansprüche mit der Zeit verändern können, ist dies auch, war es doch vor Jahren angesagt, Verpackungen einzudämmen und am besten gleich im Laden zu lassen. Nur: Biolebensmittel gab es damals kaum.
Alter ist heute eine zunehmend ausgeschlossene Lebensform. Übertüncht wird das, indem Alter zur „Luxusresidenz“ umettikettiert wird. Aber vielleicht wollen Alte ja gar nicht „residieren“ sondern produzieren, beteiligt sein. Wir retten uns in die Vorstellung vom Luxusalter, weil wir Alte nicht am Produktionsprozess beteiligen wollen. Dass zum Beispiel ALTersheime ALTEN das Arbeiten, wenn nicht untersagen, dann doch wenigstens verunmöglichen, steht auch in keinem Lehrbuch. Dabei könnte in diesen Lehrbüchern stehen, wie ALTE Maschinen bedienen und Dienstleistungen anbieten, statt von diesen „abgehängt“ und ausgeschlossen zu werden.
Wenn wir ALT und NachhALTigkeit auch in keinen ethymologisch sicheren Zusammenhang bringen können, eins ist klar: Eine nachhaltiger wirtschaftende Gesellschaft wird sich nicht leisten, Alte auf Halde zu legen.
Nein, ethymologisch sans (bairisch) nicht verwandt: ALTer und NachhALTigkeit. Aber drei Buchstaben und eine Sinnverwandtschaft haben sie im Deutschen schon gemein:
Die Lebensdauer von Produkt und Mensch. Ob die etwas geinsam haben? Sprachlich jedenfalls tun wir so. Sprachlich beeinflusst die eine Vorstellung die andere, sickert in diese ein. Und den Brüdern Grimm zufolge steckt in ALTER ja „Welt“, eine Welt.
Aber sollte tatsächlich in unserer Vorstellung vom ALTEN die Vorstellung vom VerALTEN stecken, eine Vorstellung, die wir sonst lieber Produkten vorbehalten, dann nämlich wenn wir von „Lebenszyklen“ sprechen? Sprechen wir doch wegen dieser Nähe zum alten Eisen (der Industriegesellschaft) auch lieber vom Senioren. Dieser rückt dadurch jedenfalls, wenn auch nicht als Produzent, dann doch als Konsument ökonomisch ins Visier von Designern. Die Einbeziehung von Senioren in den Gestaltungsprozess (siehe vorigen Beitrag) ist eines der Hauptschauplätze aktueller Design-Ansätze, die sich um Einbeziehung unseres Alltags kümmern. Zu unhandlich, zu unpraktisch und zu wenig bedürfnisgerecht sind viele Produkte, die ja nach anderen, jugendaffinen Gesichtspunkten gestaltet und gestylt wurden.
Gut möglich, dass Produkte und Dienstleistungen, die für Alte gemacht werden eines Tages auch von Ihnen gemacht werden. So wie heute Junge Produkte für Junge machen. Zumindest für eine junge Welt.
Was heisst das für die LebensALTER, wenn wir nachhaltig Produkte entwickeln um diese länger und vielfältiger zu nutzen? Es heisst nicht notwendigerweise, dass sich das Produzieren ändert, aber dass sich der Fokus ändert, auf den hin etwas entwickelt wird, das heisst es schon.
Eine Produktion, die dem Hype „jugendlich, fortschrittlich“ folgt aber zunehmend nachhaltige, langlebige Produkte produziert, wird sich Fragen stellen lassen müssen, weil sie Widersprüche produziert. Und schon ist sie futsch, unsere schöne neue Welt von morgen: Ruckzuck gehört glattes gesichtsloses Design der Vergangenheit an. Design bekommt Falten. Falten sind Gebrauchspuren einer Haut, die nicht nur trocken geworden ist, wie Kosmetiker unermüdlich betonen, sondern auch ihre Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Die Haut von Landarbeitern sieht anders aus, als die von Lehrern. Nicht nur der individuelle Altersprozess, sondern auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen hinterlassen ihre Spuren auf der Haut.
Kaum ist das verkraftet, stehen wir vor dem nächsten Widerspruch in Form von Naturkosmetik- und Lebensmittelregalen im Öko-Supermarkt. Die jugendliche glatte Haut liegt voll im Trend der Naturkosmetik, länger halten aber sollen sich unsere konservierungsstofflosen Lebens- und Kosmetikprodukte auch, deswegen fällt die Verpackung auch zunehmend solide aus. So solide, dass sie Alte kaum aufkriegen. Der ökologische Anspruch, nicht verderben zu lassen, kollidiert mit dem Anspruch, nicht aufwendig zu verpacken, schon gar nicht so aufwendig, dass ganze Gruppen vom Gebrauch ausgeschlosssen werden. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich ökologische Ansprüche mit der Zeit verändern können, ist dies auch, war es doch vor Jahren angesagt, Verpackungen einzudämmen und am besten gleich im Laden zu lassen. Nur: Biolebensmittel gab es damals kaum.
Alter ist heute eine zunehmend ausgeschlossene Lebensform. Übertüncht wird das, indem Alter zur „Luxusresidenz“ umettikettiert wird. Aber vielleicht wollen Alte ja gar nicht „residieren“ sondern produzieren, beteiligt sein. Wir retten uns in die Vorstellung vom Luxusalter, weil wir Alte nicht am Produktionsprozess beteiligen wollen. Dass zum Beispiel ALTersheime ALTEN das Arbeiten, wenn nicht untersagen, dann doch wenigstens verunmöglichen, steht auch in keinem Lehrbuch. Dabei könnte in diesen Lehrbüchern stehen, wie ALTE Maschinen bedienen und Dienstleistungen anbieten, statt von diesen „abgehängt“ und ausgeschlossen zu werden.
Wenn wir ALT und NachhALTigkeit auch in keinen ethymologisch sicheren Zusammenhang bringen können, eins ist klar: Eine nachhaltiger wirtschaftende Gesellschaft wird sich nicht leisten, Alte auf Halde zu legen.
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