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Montag, 2. April 2012
Montag, 2. April 2012
kuehnesmallworld, 19:42h
ALTer und NachhALTigkeit
Nein, ethymologisch sans (bairisch) nicht verwandt: ALTer und NachhALTigkeit. Aber drei Buchstaben und eine Sinnverwandtschaft haben sie im Deutschen schon gemein:
Die Lebensdauer von Produkt und Mensch. Ob die etwas geinsam haben? Sprachlich jedenfalls tun wir so. Sprachlich beeinflusst die eine Vorstellung die andere, sickert in diese ein. Und den Brüdern Grimm zufolge steckt in ALTER ja „Welt“, eine Welt.
Aber sollte tatsächlich in unserer Vorstellung vom ALTEN die Vorstellung vom VerALTEN stecken, eine Vorstellung, die wir sonst lieber Produkten vorbehalten, dann nämlich wenn wir von „Lebenszyklen“ sprechen? Sprechen wir doch wegen dieser Nähe zum alten Eisen (der Industriegesellschaft) auch lieber vom Senioren. Dieser rückt dadurch jedenfalls, wenn auch nicht als Produzent, dann doch als Konsument ökonomisch ins Visier von Designern. Die Einbeziehung von Senioren in den Gestaltungsprozess (siehe vorigen Beitrag) ist eines der Hauptschauplätze aktueller Design-Ansätze, die sich um Einbeziehung unseres Alltags kümmern. Zu unhandlich, zu unpraktisch und zu wenig bedürfnisgerecht sind viele Produkte, die ja nach anderen, jugendaffinen Gesichtspunkten gestaltet und gestylt wurden.
Gut möglich, dass Produkte und Dienstleistungen, die für Alte gemacht werden eines Tages auch von Ihnen gemacht werden. So wie heute Junge Produkte für Junge machen. Zumindest für eine junge Welt.
Was heisst das für die LebensALTER, wenn wir nachhaltig Produkte entwickeln um diese länger und vielfältiger zu nutzen? Es heisst nicht notwendigerweise, dass sich das Produzieren ändert, aber dass sich der Fokus ändert, auf den hin etwas entwickelt wird, das heisst es schon.
Eine Produktion, die dem Hype „jugendlich, fortschrittlich“ folgt aber zunehmend nachhaltige, langlebige Produkte produziert, wird sich Fragen stellen lassen müssen, weil sie Widersprüche produziert. Und schon ist sie futsch, unsere schöne neue Welt von morgen: Ruckzuck gehört glattes gesichtsloses Design der Vergangenheit an. Design bekommt Falten. Falten sind Gebrauchspuren einer Haut, die nicht nur trocken geworden ist, wie Kosmetiker unermüdlich betonen, sondern auch ihre Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Die Haut von Landarbeitern sieht anders aus, als die von Lehrern. Nicht nur der individuelle Altersprozess, sondern auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen hinterlassen ihre Spuren auf der Haut.
Kaum ist das verkraftet, stehen wir vor dem nächsten Widerspruch in Form von Naturkosmetik- und Lebensmittelregalen im Öko-Supermarkt. Die jugendliche glatte Haut liegt voll im Trend der Naturkosmetik, länger halten aber sollen sich unsere konservierungsstofflosen Lebens- und Kosmetikprodukte auch, deswegen fällt die Verpackung auch zunehmend solide aus. So solide, dass sie Alte kaum aufkriegen. Der ökologische Anspruch, nicht verderben zu lassen, kollidiert mit dem Anspruch, nicht aufwendig zu verpacken, schon gar nicht so aufwendig, dass ganze Gruppen vom Gebrauch ausgeschlosssen werden. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich ökologische Ansprüche mit der Zeit verändern können, ist dies auch, war es doch vor Jahren angesagt, Verpackungen einzudämmen und am besten gleich im Laden zu lassen. Nur: Biolebensmittel gab es damals kaum.
Alter ist heute eine zunehmend ausgeschlossene Lebensform. Übertüncht wird das, indem Alter zur „Luxusresidenz“ umettikettiert wird. Aber vielleicht wollen Alte ja gar nicht „residieren“ sondern produzieren, beteiligt sein. Wir retten uns in die Vorstellung vom Luxusalter, weil wir Alte nicht am Produktionsprozess beteiligen wollen. Dass zum Beispiel ALTersheime ALTEN das Arbeiten, wenn nicht untersagen, dann doch wenigstens verunmöglichen, steht auch in keinem Lehrbuch. Dabei könnte in diesen Lehrbüchern stehen, wie ALTE Maschinen bedienen und Dienstleistungen anbieten, statt von diesen „abgehängt“ und ausgeschlossen zu werden.
Wenn wir ALT und NachhALTigkeit auch in keinen ethymologisch sicheren Zusammenhang bringen können, eins ist klar: Eine nachhaltiger wirtschaftende Gesellschaft wird sich nicht leisten, Alte auf Halde zu legen.
Nein, ethymologisch sans (bairisch) nicht verwandt: ALTer und NachhALTigkeit. Aber drei Buchstaben und eine Sinnverwandtschaft haben sie im Deutschen schon gemein:
Die Lebensdauer von Produkt und Mensch. Ob die etwas geinsam haben? Sprachlich jedenfalls tun wir so. Sprachlich beeinflusst die eine Vorstellung die andere, sickert in diese ein. Und den Brüdern Grimm zufolge steckt in ALTER ja „Welt“, eine Welt.
Aber sollte tatsächlich in unserer Vorstellung vom ALTEN die Vorstellung vom VerALTEN stecken, eine Vorstellung, die wir sonst lieber Produkten vorbehalten, dann nämlich wenn wir von „Lebenszyklen“ sprechen? Sprechen wir doch wegen dieser Nähe zum alten Eisen (der Industriegesellschaft) auch lieber vom Senioren. Dieser rückt dadurch jedenfalls, wenn auch nicht als Produzent, dann doch als Konsument ökonomisch ins Visier von Designern. Die Einbeziehung von Senioren in den Gestaltungsprozess (siehe vorigen Beitrag) ist eines der Hauptschauplätze aktueller Design-Ansätze, die sich um Einbeziehung unseres Alltags kümmern. Zu unhandlich, zu unpraktisch und zu wenig bedürfnisgerecht sind viele Produkte, die ja nach anderen, jugendaffinen Gesichtspunkten gestaltet und gestylt wurden.
Gut möglich, dass Produkte und Dienstleistungen, die für Alte gemacht werden eines Tages auch von Ihnen gemacht werden. So wie heute Junge Produkte für Junge machen. Zumindest für eine junge Welt.
Was heisst das für die LebensALTER, wenn wir nachhaltig Produkte entwickeln um diese länger und vielfältiger zu nutzen? Es heisst nicht notwendigerweise, dass sich das Produzieren ändert, aber dass sich der Fokus ändert, auf den hin etwas entwickelt wird, das heisst es schon.
Eine Produktion, die dem Hype „jugendlich, fortschrittlich“ folgt aber zunehmend nachhaltige, langlebige Produkte produziert, wird sich Fragen stellen lassen müssen, weil sie Widersprüche produziert. Und schon ist sie futsch, unsere schöne neue Welt von morgen: Ruckzuck gehört glattes gesichtsloses Design der Vergangenheit an. Design bekommt Falten. Falten sind Gebrauchspuren einer Haut, die nicht nur trocken geworden ist, wie Kosmetiker unermüdlich betonen, sondern auch ihre Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Die Haut von Landarbeitern sieht anders aus, als die von Lehrern. Nicht nur der individuelle Altersprozess, sondern auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen hinterlassen ihre Spuren auf der Haut.
Kaum ist das verkraftet, stehen wir vor dem nächsten Widerspruch in Form von Naturkosmetik- und Lebensmittelregalen im Öko-Supermarkt. Die jugendliche glatte Haut liegt voll im Trend der Naturkosmetik, länger halten aber sollen sich unsere konservierungsstofflosen Lebens- und Kosmetikprodukte auch, deswegen fällt die Verpackung auch zunehmend solide aus. So solide, dass sie Alte kaum aufkriegen. Der ökologische Anspruch, nicht verderben zu lassen, kollidiert mit dem Anspruch, nicht aufwendig zu verpacken, schon gar nicht so aufwendig, dass ganze Gruppen vom Gebrauch ausgeschlosssen werden. Ein schönes Beispiel dafür, wie sich ökologische Ansprüche mit der Zeit verändern können, ist dies auch, war es doch vor Jahren angesagt, Verpackungen einzudämmen und am besten gleich im Laden zu lassen. Nur: Biolebensmittel gab es damals kaum.
Alter ist heute eine zunehmend ausgeschlossene Lebensform. Übertüncht wird das, indem Alter zur „Luxusresidenz“ umettikettiert wird. Aber vielleicht wollen Alte ja gar nicht „residieren“ sondern produzieren, beteiligt sein. Wir retten uns in die Vorstellung vom Luxusalter, weil wir Alte nicht am Produktionsprozess beteiligen wollen. Dass zum Beispiel ALTersheime ALTEN das Arbeiten, wenn nicht untersagen, dann doch wenigstens verunmöglichen, steht auch in keinem Lehrbuch. Dabei könnte in diesen Lehrbüchern stehen, wie ALTE Maschinen bedienen und Dienstleistungen anbieten, statt von diesen „abgehängt“ und ausgeschlossen zu werden.
Wenn wir ALT und NachhALTigkeit auch in keinen ethymologisch sicheren Zusammenhang bringen können, eins ist klar: Eine nachhaltiger wirtschaftende Gesellschaft wird sich nicht leisten, Alte auf Halde zu legen.
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Donnerstag, 29. März 2012
Donnerstag, 29. März 2012
kuehnesmallworld, 17:21h
Bildung und Design
Mitbestimmung, demokratische zumal, ist es also nicht zu nennen, was in dieser Form des Design geschieht. Dazu sind die Rechte nicht verankert, wie z.B. in Teilbereichen des Städte- und Wohnungsbaus. Auch fehlt das klar beschriebene Objekt, der definierte Gegenstand der Mitbestimmung samt den Mechanismen, die Einfluss und Macht regeln.
Macht hat der Konsument schon, aber es ist eine Macht, vergleichbar der „Abstimmung mit den Füssen“ über wirtschaftliche und politische Verhältnisse. Der Macht „nein“ zu sagen, steht die Macht entgegen, diese Verhältnisse einzurichten und aufrechtzuerhalten.
So wie der Staatsbürger durch Trägheit und Nicht-Anpassung (passiven) Widerstand leistet, so sinds beim Konsumenten viele vergleichsweise unbedeutende Kaufentscheidungen, die sich summieren zu grossen Summen, sinkenden Verkaufszahlen, möglicherweise sogar die Pleite. Der gerade aktuelle Fall Schlecker illustriert das. Das funktioniert aber nur zusammen mit einer entsprechenden Presse, in dem Fall einer schlechten. Es muss sich halt „herumsprechen“ (vgl. 21. 03. 2012).
Und hier zeigt sich auch, welche (neue) Rolle Designern und kleinen Design-Firmen zukommt: Sie erregen Aufsehen, bekommen eine entsprechende Fachpresse, die irgendwann auch mal im wöchentlichen „Käseblatt“ landen kann. In Zeiten des Internet geht sowas viel schneller. Gemeint sind nicht „Gefällt mir“-Seiten, die können nur Trendreaktionen auslösen, gerade das ist nicht gemeint. Gemeint ist, was den Verbraucher argumentativ erreicht. Wenn der erreicht ist, und das ist immer eine kleine, im Fall von Design sogar meist kaufkräftige Gruppe, dann kann die Entwicklung Wellen schlagen.
Vom Couturier über die Haute Couture über Pret a porter, die Modeboutique und schliesslich die Kaufhäuser laufen die Wellen, die schliesslich bspw. die Farben der Saison transportieren. Design bekommt also eine (abgeschwächte) öffentliche Wirkung.
Meinungsbildung also auch hier, nicht nur im politischen, im wirtschaftlichen Bereich. Meinungsbildung auch durch eine Vielzahl an Meinung äussernden und Meinung hervorrufenden Publikationen (im Internet). Meinungsäusserungen transportieren Kriterien, an Hand derer eine Kaufentscheidung getroffen oder revidiert werden kann, die mich zu einem klugen, überlegten, bewussten Konsumenten macht. Das kann ein Produkt, das nur über den Preis geht, nicht. Dessen Käufer kann nur Preise vergleichen, wird also nicht in den Genuss des meinungsbildendenen „Mehrwerts“ kommen. Es ist doch erstaunlich wieviel Meinung und Argument auf eine Schokoladenpackung geht.
Meinungs-Bildung an allen Ecken und Enden, vom Öko-Kühlschrank bis zum Bio-Kaffee braucht den Kunden, der nicht nur Zahlen lesen kann, sondern den Konsumenten, der vergleicht, der abwägt, verwirft oder zustimmt. Aber das wichtigste: Dieser wird sich nicht nur seiner Marktmacht, sondern der Tatsache bewusst, dass die Entscheidung in seinem Kopf stattfindet. Das wichtigste ist: Selbstbewusstsein entsteht. Auch wenn diese Meinungsbildung noch nicht hineinschwappt in den politischen Raum, wie das bei Schlecker gerade passiert, wo es um die „Auffang“-, die Weiterbildungs-, die Vermittlungsgesellschaft geht.
Der Kunde ist halt nicht nur Kunde, sondern auch Arbeitender, der nicht rechtlos sein will, sowie Produzierender, der nicht von Billigheimern kahlgefressen werden will. Kommt es zu Konflikten, prallen die Interessen aufeinander, bildet sich Meinung. Aus Meinungsbildung aber kann Bildung werden, dann nämlich, wenn der Einzelne seiner Selbst zu bewusst geworden ist, um den Prozess des Wahrnehmens, Vergleichens und Abwägens wieder abzubrechen. Meinungsbildung ist ein (Schleich-) Weg zu einem Bildungs-Begriff, der den Vorteil hat nicht schon durch sich selbst eine Distanz herzustellen, die seine Aneignung verhindert.
Wir sind es gewohnt, den Konsumenten nur als Manipulationsobjekt zu denken. Das ist das Erbe unserer Geschichte als gegenüber der Wirtschaft abhängige Objekte. Wächst dagegen das Selbst- und Subjektbewusstsein, kann Meinungsbildung zu Bildung werden, die umfassend möglichst viele Gesichtspunkte einbezieht und selbstreflektiv, den eigenen Standort berücksichtigt.
Das ist an Schule viel wichtiger als der Wissenskanon: Selbstbewustsein, Subjektbildung.
Entweder lernt man in diesen Institutionen, dass andere die Macht haben, oder man lernt,
dass ein David einen Goliath schlagen kann: Mit einem guten Auge und zielgerichteten Handeln.
In der Zeit der deutschen Romantik sprach man von Herzensbildung, wenn man den nichtreglementierten, offiziösen „Bildungs-Weg“ benennen wollte. Heute, wo Informationen und Medien die Hauptrolle spielen, lässt sich von Meinungs-Bildung sprechen, um einen allgemein zugänglichen Bildungs-Weg zu bezeichnen.
Das Material für Bildung liegt auf der Strasse. Der Bildungsexperte muss helfen, dem Selbstbewusstsein auf die Beine zu helfen, so dass der Betreffende merkt, es mit Bildung zu tun zu haben.
Das tut er mit einer Sprache, die dem Einzelnen dies bewusst macht, eine Sprache die die Welt mit den Augen des einzelnen Subjekts sieht und nicht als blossen Gegenstand von Bildung und Erziehung. Fremdworte brauchts dazu nicht, die stehen schon auf der Schokoladenpackung.
Diese Art Experte hat letztlich Zutrauen zum Urteilsvermögen der Menschen, auch wenn beschränkter Horizont das Urteil immer wieder verfälscht. Das ist bei ihm selbst nicht anders. Horizonterweiterung passiert nur, indem man sich bewegt. Bildung ist halt ein Prozess und hat provisorischen Charakter. Wie soll sich Meinung sonst bilden? Auf seinen Status, seine Macht, muss der Bildungsexperte nur pochen, wenn es um seine Stellung in der Instititution geht, die ihn bezahlt und andere verpflichtet, hinzugehen. In der täglichen Meinungsbildung ist er dagegen einer, der begleitet, soffliert, Begriffe und Tatbestände herausfiltert und extrahiert, die das Bewusstsein davon, hier bilde sich einer, fördert und unterstützt. Und zwar auch in der Auseinandersetzung mit Funktion, Form und Design. Heutzutage ist Design nicht eins unter vielen Themen, sondern eines derjenigen, bei denen Interessen und Widersprüche besonders sichtbar und sinnfällig aufeinander stossen. Wie bei einem anderen Thema, der Ernährung, ist es also zur Meinungsbildung besonders geeignet.
Mitbestimmung, demokratische zumal, ist es also nicht zu nennen, was in dieser Form des Design geschieht. Dazu sind die Rechte nicht verankert, wie z.B. in Teilbereichen des Städte- und Wohnungsbaus. Auch fehlt das klar beschriebene Objekt, der definierte Gegenstand der Mitbestimmung samt den Mechanismen, die Einfluss und Macht regeln.
Macht hat der Konsument schon, aber es ist eine Macht, vergleichbar der „Abstimmung mit den Füssen“ über wirtschaftliche und politische Verhältnisse. Der Macht „nein“ zu sagen, steht die Macht entgegen, diese Verhältnisse einzurichten und aufrechtzuerhalten.
So wie der Staatsbürger durch Trägheit und Nicht-Anpassung (passiven) Widerstand leistet, so sinds beim Konsumenten viele vergleichsweise unbedeutende Kaufentscheidungen, die sich summieren zu grossen Summen, sinkenden Verkaufszahlen, möglicherweise sogar die Pleite. Der gerade aktuelle Fall Schlecker illustriert das. Das funktioniert aber nur zusammen mit einer entsprechenden Presse, in dem Fall einer schlechten. Es muss sich halt „herumsprechen“ (vgl. 21. 03. 2012).
Und hier zeigt sich auch, welche (neue) Rolle Designern und kleinen Design-Firmen zukommt: Sie erregen Aufsehen, bekommen eine entsprechende Fachpresse, die irgendwann auch mal im wöchentlichen „Käseblatt“ landen kann. In Zeiten des Internet geht sowas viel schneller. Gemeint sind nicht „Gefällt mir“-Seiten, die können nur Trendreaktionen auslösen, gerade das ist nicht gemeint. Gemeint ist, was den Verbraucher argumentativ erreicht. Wenn der erreicht ist, und das ist immer eine kleine, im Fall von Design sogar meist kaufkräftige Gruppe, dann kann die Entwicklung Wellen schlagen.
Vom Couturier über die Haute Couture über Pret a porter, die Modeboutique und schliesslich die Kaufhäuser laufen die Wellen, die schliesslich bspw. die Farben der Saison transportieren. Design bekommt also eine (abgeschwächte) öffentliche Wirkung.
Meinungsbildung also auch hier, nicht nur im politischen, im wirtschaftlichen Bereich. Meinungsbildung auch durch eine Vielzahl an Meinung äussernden und Meinung hervorrufenden Publikationen (im Internet). Meinungsäusserungen transportieren Kriterien, an Hand derer eine Kaufentscheidung getroffen oder revidiert werden kann, die mich zu einem klugen, überlegten, bewussten Konsumenten macht. Das kann ein Produkt, das nur über den Preis geht, nicht. Dessen Käufer kann nur Preise vergleichen, wird also nicht in den Genuss des meinungsbildendenen „Mehrwerts“ kommen. Es ist doch erstaunlich wieviel Meinung und Argument auf eine Schokoladenpackung geht.
Meinungs-Bildung an allen Ecken und Enden, vom Öko-Kühlschrank bis zum Bio-Kaffee braucht den Kunden, der nicht nur Zahlen lesen kann, sondern den Konsumenten, der vergleicht, der abwägt, verwirft oder zustimmt. Aber das wichtigste: Dieser wird sich nicht nur seiner Marktmacht, sondern der Tatsache bewusst, dass die Entscheidung in seinem Kopf stattfindet. Das wichtigste ist: Selbstbewusstsein entsteht. Auch wenn diese Meinungsbildung noch nicht hineinschwappt in den politischen Raum, wie das bei Schlecker gerade passiert, wo es um die „Auffang“-, die Weiterbildungs-, die Vermittlungsgesellschaft geht.
Der Kunde ist halt nicht nur Kunde, sondern auch Arbeitender, der nicht rechtlos sein will, sowie Produzierender, der nicht von Billigheimern kahlgefressen werden will. Kommt es zu Konflikten, prallen die Interessen aufeinander, bildet sich Meinung. Aus Meinungsbildung aber kann Bildung werden, dann nämlich, wenn der Einzelne seiner Selbst zu bewusst geworden ist, um den Prozess des Wahrnehmens, Vergleichens und Abwägens wieder abzubrechen. Meinungsbildung ist ein (Schleich-) Weg zu einem Bildungs-Begriff, der den Vorteil hat nicht schon durch sich selbst eine Distanz herzustellen, die seine Aneignung verhindert.
Wir sind es gewohnt, den Konsumenten nur als Manipulationsobjekt zu denken. Das ist das Erbe unserer Geschichte als gegenüber der Wirtschaft abhängige Objekte. Wächst dagegen das Selbst- und Subjektbewusstsein, kann Meinungsbildung zu Bildung werden, die umfassend möglichst viele Gesichtspunkte einbezieht und selbstreflektiv, den eigenen Standort berücksichtigt.
Das ist an Schule viel wichtiger als der Wissenskanon: Selbstbewustsein, Subjektbildung.
Entweder lernt man in diesen Institutionen, dass andere die Macht haben, oder man lernt,
dass ein David einen Goliath schlagen kann: Mit einem guten Auge und zielgerichteten Handeln.
In der Zeit der deutschen Romantik sprach man von Herzensbildung, wenn man den nichtreglementierten, offiziösen „Bildungs-Weg“ benennen wollte. Heute, wo Informationen und Medien die Hauptrolle spielen, lässt sich von Meinungs-Bildung sprechen, um einen allgemein zugänglichen Bildungs-Weg zu bezeichnen.
Das Material für Bildung liegt auf der Strasse. Der Bildungsexperte muss helfen, dem Selbstbewusstsein auf die Beine zu helfen, so dass der Betreffende merkt, es mit Bildung zu tun zu haben.
Das tut er mit einer Sprache, die dem Einzelnen dies bewusst macht, eine Sprache die die Welt mit den Augen des einzelnen Subjekts sieht und nicht als blossen Gegenstand von Bildung und Erziehung. Fremdworte brauchts dazu nicht, die stehen schon auf der Schokoladenpackung.
Diese Art Experte hat letztlich Zutrauen zum Urteilsvermögen der Menschen, auch wenn beschränkter Horizont das Urteil immer wieder verfälscht. Das ist bei ihm selbst nicht anders. Horizonterweiterung passiert nur, indem man sich bewegt. Bildung ist halt ein Prozess und hat provisorischen Charakter. Wie soll sich Meinung sonst bilden? Auf seinen Status, seine Macht, muss der Bildungsexperte nur pochen, wenn es um seine Stellung in der Instititution geht, die ihn bezahlt und andere verpflichtet, hinzugehen. In der täglichen Meinungsbildung ist er dagegen einer, der begleitet, soffliert, Begriffe und Tatbestände herausfiltert und extrahiert, die das Bewusstsein davon, hier bilde sich einer, fördert und unterstützt. Und zwar auch in der Auseinandersetzung mit Funktion, Form und Design. Heutzutage ist Design nicht eins unter vielen Themen, sondern eines derjenigen, bei denen Interessen und Widersprüche besonders sichtbar und sinnfällig aufeinander stossen. Wie bei einem anderen Thema, der Ernährung, ist es also zur Meinungsbildung besonders geeignet.
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Mittwoch, 21. März 2012
Mittwoch, 21. März 2012
kuehnesmallworld, 14:21h
Akquise für Designprodukte
Einbeziehung der Nutzer, Anwender, Betroffenen also in das Design-Konzept von Anfang an. Auch bereits in der Akquise? In der Akquise für Design-Konzepte und -projekte bei Firmen. Lässt sich auch im ersten Kontakt dieser (neue) Charakter des Designs deutlich machen?
Aber ja!
Indem man sich mit dem Entscheider (Produktmanager, Marketingleiter, Vertriebsleiter etc.sts. der Firma ins Bild setzt, ob und an welchen Fronten die Firma daran arbeitet, die Akzeptanz gegenüber ihren Produkten und Dienstleistungen zu erhöhen?
- ob neue Zielgruppen angesprochen werden sollen?
- ob sich die Resonnanz auf ihre Angebote verändert haben?
Werden rhetorische Fragen und Allgemeinplätze vermieden und nicht nur die Verkaufszahlen thematisiert ergeben sich aus diesem Ansatz Hinweise auf das Umfeld.
Wird zudem nicht die Lösung versprochen sondern vermittelt, einen kommunikativen Prozess anzustossen, der neue Gesichtspunkte ergibt.
Das Umfeld für Produkt und Dienstleistung sind Käufer und potentielle Interessenten. Die Vorstellung vom Umfeld zu erweitern, heisst die Aufmerksamkeit und/oder die Bedeutung zu erhöhen.
Akzeptanz und Widerspruch äussert sich bspw. im „Herumsprechens“. Herumsprechen passiert im Alltag, dreht sich um den Gesprächsgegenstand und den Nutzer, wie
- der Ärger, darüber, dass man die Käsepackung nicht aufkriegt
- die Freude darüber, dass sich Software und Gerät intuitiv gebrauchen lässt.
Das ist etwas anderes, als ein vom Werbe-Input angestossener Trend, über den sich sehr viel mehr, als dass etwas „in“ ist, nicht sagen lässt.
Schon im ersten Kontakt mit einem Firmenentscheider, beileibe nicht nur dem Fachentscheider Design, kann also bereits anklingen, was für den Entwicklungs- und Designprozess eine Rolle spielt.
Einbeziehung der Nutzer, Anwender, Betroffenen also in das Design-Konzept von Anfang an. Auch bereits in der Akquise? In der Akquise für Design-Konzepte und -projekte bei Firmen. Lässt sich auch im ersten Kontakt dieser (neue) Charakter des Designs deutlich machen?
Aber ja!
Indem man sich mit dem Entscheider (Produktmanager, Marketingleiter, Vertriebsleiter etc.sts. der Firma ins Bild setzt, ob und an welchen Fronten die Firma daran arbeitet, die Akzeptanz gegenüber ihren Produkten und Dienstleistungen zu erhöhen?
- ob neue Zielgruppen angesprochen werden sollen?
- ob sich die Resonnanz auf ihre Angebote verändert haben?
Werden rhetorische Fragen und Allgemeinplätze vermieden und nicht nur die Verkaufszahlen thematisiert ergeben sich aus diesem Ansatz Hinweise auf das Umfeld.
Wird zudem nicht die Lösung versprochen sondern vermittelt, einen kommunikativen Prozess anzustossen, der neue Gesichtspunkte ergibt.
Das Umfeld für Produkt und Dienstleistung sind Käufer und potentielle Interessenten. Die Vorstellung vom Umfeld zu erweitern, heisst die Aufmerksamkeit und/oder die Bedeutung zu erhöhen.
Akzeptanz und Widerspruch äussert sich bspw. im „Herumsprechens“. Herumsprechen passiert im Alltag, dreht sich um den Gesprächsgegenstand und den Nutzer, wie
- der Ärger, darüber, dass man die Käsepackung nicht aufkriegt
- die Freude darüber, dass sich Software und Gerät intuitiv gebrauchen lässt.
Das ist etwas anderes, als ein vom Werbe-Input angestossener Trend, über den sich sehr viel mehr, als dass etwas „in“ ist, nicht sagen lässt.
Schon im ersten Kontakt mit einem Firmenentscheider, beileibe nicht nur dem Fachentscheider Design, kann also bereits anklingen, was für den Entwicklungs- und Designprozess eine Rolle spielt.
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