Montag, 31. Dezember 2012
Montag, 31. Dezember 2012
Ob du ein Rezept im Internet suchst oder einen Job: du bekommst ihn nicht. Du bekommst 1547 Rezepte mit Kastanienpuree oder 22 895 Jobs im Personalwesen.

Auch wenn das meiste „Blech“ ist von den Suchergebnissen, Vervielfältigungen pflastern seinen Weg und potenzieren die Suchergebnisse. Dasselbe Rezept, derselbe Job zigmal. Die Bewerbungen inzwischen auch elektronisch verfügbar, x-mal versandt, an eigens dafür vorbereitete Postfächer und Briefkästen, sortiert von E-Bewerbungs-Management-Spezialisten. Wenigstens hier führt das Verfahren also zu neuen Berufen und Stellen. Gigantische Datenmenge müssen verwaltet, gesteuert und sortiert werden.

Allein das hat deine Suchgewohnheiten mit Sicherheit verändert: Angesichts der Masse werden alle Ergebnisse vergleichbar, müssen verglichen werden. Und das macht man mit den gleichen Mitteln, mit denen man sucht: Nämlich mit Suchmaschinen. Und zwar mit Kriterien die du eingibst und Algoritmen, die andere eingeben. Vergleichbarkeit ist das, was dann entsteht. Was sich verändert, sind deine Rezeptionsgewohnheiten. Du suchst nicht mehr, du rasterst. Und bekommst nicht ein Suchergebnis sondern ein Ranking vergleichbarer Ergebnisse. Wie gesagt, werden alle Ergebnisse vergleichbar. Auch die, die nicht vergleichbar sind. Dies liegt an den Kriterien, die du eingeben musstest, um die Ergebnisse zu bekommen.

So kann man sich das sehr nüchtern verständlich machen. Aber man kann weniger nüchtern auch schlicht von systemimmanenter Blödheit sprechen. Was die Blödheit verhindern konnte, fiel leider schon den Suchroutinen zum Opfer.

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Sonntag, den 30.Dezember 2012
Ich will möglichst viel für mein Angebot bekommen und möglichst wenig für die Angebote anderer bezahlen. Das ist schon fast alles, was zum Thema Geld und Moral zu sagen ist. Eben habe ich mich noch beklagt, dass ich nur sehr schwer meinen gerechtfertigten Preis durchsetzen kann und jetzt blättere ich schon in den Niedrigpreis- und Sonderangeboten der anderen. Sicher: Durch Appelle an mein soziales Gewissen und mein Umweltbewusstsein, lässt sich da und dort was ausgleichen, doch wehe es fehlt der Aufdruck, dann greife ich ungerührt zum Billigsten. Schliesslich habe ich mich und die meinen zu ernähren.

Da schlagen nicht zwei Herzen in meiner Brust, nein, ich bin zwei, ich bin Konsument und Anbieter. Bin beides. Habe zwei verschiedene Interessen, Grundlage aller Konflikte zwischen Moral und Geld, Geist und Materiellem, sogar Gut und Böse.

Auflösbar und lösbar ist der Konflikt nicht. Nicht durch die Diktatur der Moral, die nur die Verlogenheit der Schattenwirtschaft blühen lässt. Nicht durch eine gigantische Allmende, auf der wir uns wie im Paradies tummeln und nur einen Bogen ums Apfelbäumchen machen. Nicht durch die Herrschaft des „gesunden“ Eigeninteresses, deren „unsichtbare Hand“, ob nun der von Adam Smith oder anderer, uns in die Tasche greift, während wir noch am Menschenbild basteln.

Beide, der Homo Öconomicus wie der „wertgebundene“ Mensch scheitern allesamt am
Status quo, können allenfalls das Verhältnis zueinander neu arrangieren.

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Sonntag, 2. Dezember 2012
Vor Beliebigkeit wird gewarnt, meist seitens der Kirchen. Die Gefahr ist aber garnicht, dass alles möglich und beliebig ist. Den leicht vorwurfsvollen Ton kann man sich und uns sparen. Beliebig ist nur Illusion, alles sei beliebig. Die Auswahl sei grenzenlos.

Nix ist beliebig! Gar nix! Auch die Entscheidung, nicht zu wählen, sich auf die Eremitensäule zurückzuziehen. Die Entscheidung macht den Sinn. Im schlimmsten Fall auch die eingebildete Entscheidung. Der Sinn besteht darin, dass ich es bin, in dieser Situation mit dieser Vorgeschichte, der glaubt, eine Entscheidung getroffen zu haben.

Wenn dieses Bewusstsein dem Mensch verloren geht, wenn er seine Wahl für beliebig hält, dann wirds in der Tat gefährlich.

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Montag, 22. Oktober 2012
Die Informationsgesellschaft (ich übernehme den Begriff hier einmal) schlägt um in die Fama-Gesellschaft. Wir hocken zu dicht aufeinander im digitalen Netz, kriegen alles mit, wie in einer mittelalterlichen Stadt, in der die Verleumdung, der Klatsch eine Todsünde war, für die man an den Pranger kam. Uns dagegen fehlt nicht nur der Datenschutz auch der Moralkodex fehlt. Ganz oben auf der Hitliste steht das Ab-hören, das in Zeiten der Digitalisierung ein Ab-Saugen des digitalen Datenverkehrs ist. Selbstverständlich ohne den geringsten Zweifel. Man bedient sich ja „nur“ der Technik. Und was beim Content gang und gäbe ist, kann das denn bei andern Daten Sünde sein? Der Ab-Hörer bleibt in der Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit des Raumes. Aus Hören wird Ab-Hören. Das Angstpotential ist ungebändigt. Wir werden eine paranoide Gesellschaft. Fühlen uns permanent belauscht, organisieren vom Schreibtisch aus Firewalls. Die Firewalls reflektieren auch unsere Aktivität, werfen sie zurück auf uns, lähmen sie. Meine Beobachtung, dass immer weniger geantwortet und kommuniziert wird, ist, denke ich, kein Zufall. Das macht ja schon die Technik für uns.

Die Tatsache, dass wir aus der totalen Spitzelgesellschaft der Nazi-Diktatur und der kommunistischen Diktatur kommen (an dieser Stelle durchaus vergleichbar) kann sich als Erfahrung auch positiv bemerkbar machen. Der Spitzel und der informelle Mitarbeiter steckt den Angehörigen der Generation 40plus noch in den Knochen. Das Wissen darum war kommunikatives Basiswissen. Schon damals war die Frage: Richte ich mich bis ins Unterbewusste daran aus oder ignoriere ich die ideologische Lauscher und den mithörenden Feind um meiner Freiheit willen. Wer sich damals geweigert hat, sich in das paranoide Angstgefängnis einsperren zu lassen, hat auch heute noch gute Karten.

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Freitag, 21. September 2012
Spekulation ist auf Zeit angewiesen. Macht Zeit zu Geld. Lässt Vergangenheit und Zukunft erst zu Zeit gerinnen, die normierbar und investierbar ist. Dabei ist sie auch Substanz: Zeit verändert die Dinge, lässt sie verderben, reifen.

Wir brauchen Zeit
- um uns eine Geschichte zu erzählen,
- um uns Kausaltät zu erklären
- um das Neue in das Bestehende sinnvoll zu integrieren, damit das Gehirn Verbindungen und Lernprozesse schaffen und ausbalanzieren kann.

Haben wir Zeit sind wir Planende, lassen wir uns keine Zeit sind wir Getriebene, bloss Reagierende. Zeit erlaubt und fordert Sinn.

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Dienstag, 18.September 2012
Im Jahr 2000 implodierte der Neue Markt, die Internetblase platzte. Danach platzte 2008 die Immobilienblase in Amerika, die in Spanien 2012. Im Augenblick deutet sich das Platzen der Social Media Blase an, neu daran ist, dass diese Blase aus einer einzigen Firma besteht: Facebook. Vielleicht das erste schwarze Loch, das aus einem einzigen Unternehmen am Firmenfirmament implodiert. Nach der Spekulation gehts dann weiter "as usual" und statt des ambitionierten Himmelsstürmers breitet sich ein Barackenlager konkurrierender Teilanbieter in der Ebene aus.

Blasen kommen von der Spekulation. Spekulation ist das Rückrat des Kapitalismus. Auf diese Weise kann unvergleichlich viel Geld in kürzester Zeit organisiert werden. Lustig: Mit dem gleichen Fernrohr, durch das die Ankunft der spekulativ erwarteten Fracht aus den Kolonien erwartet wird, gerät auch die Erdkrümmung in den Blick. Die ganze Welt wird zur Blase, zum Erdball, zum Gegenstand der Spekulation. Das hat der Philosoph Sloterdijk fein beobachtet. Aber im sehnsüchtigen Blick in die Ferne steckt auch elementare, um nicht zu sagen verzweifelte Hoffnung. Eine Verzweiflung, in die wir uns selbst gebracht haben.

Sie erklärt, mit welcher Ausschliesslichkeit man der Spekulation folgte, derart unbedingt an den Erfolg glauben konnte. So unbedingt, dass es hinterher kaum oder garnicht erklärbar ist. Der Weg zum Erfolg war sonnenklar. Kein Zweifel. Ein Klima, in dem jedes Anzeichen zum Zeichen wurde, jeder Vogel die nahende Küste anzeigt. Ein Klima, in dem Information Teil der Spekulation wird und daraus seine Attraktivität bezieht. Das Zeitalter der ideologischen und wirtschaftlichen Blasen zieht auf. Es ist nicht die Hoffnung, die Kurs hält, sondern die Spekulation will Bestätigung, den Erfolg, das Wunder. Lustig: Kaum ist der ungeheuerbewachte Rand der Welt, über den die Wasser von der Scheibe stürzen, überschritten, wird das mittelalterliche Rad des Lebens vom ziel- und erfolgsorientierten Hamsterrad abgelöst. Das dreht sich endlos, wird von unserer Eigenbewegung am Laufen gehalten, speist auch die diversen Blasen, auch unseren Fortschrittsglauben und bringt uns der Verzweiflung näher. Glauben und Hoffnung gewinnen einen fanatischen Charakter, der durch die Unbedingtheit und „Alternativlosigkeit“ seines Handelns den Erfolg herbeizwingen will. In der Tat: Es geht immer rundherum, immer weiter, immer besser. So stürzen wir fortan nicht mehr vom Rand der Scheibe sondern werden in der Zentrifuge des eigenen Hamsterrades ermattet herumgeschleudert. Burn out.

Unter dem Eindruck der Spekulation nimmt nicht nur die Wirtschaft sondern das Leben und Erleben spekulativen Charakter an. Warten auf die Goldgrube. Das enervierende Alles-ist-möglich schlägt um in ein immer hektisches Auftürmen von Abraumhalden. Manisch-depressiv, heisst das Loch, in das man abwechselnd fällt und aus dem man eruptiv immer wieder herausgeschleudert wird. Das Unten- sein und Oben-auf-sein, wird zur zeitgenössischen Psycho-Symptomatik.Ausweg: Runter vom spekulativen Feldherrnhügel, dann kannst du deine larmoyante, pessimismusverliebte Kulturkritik, oder was das sein soll, ruhig stecken lassen.

Von den rutschigen Höhen der ideologischen Abraumhalden geht der Blick weit ins Land aber die Hoffnung bleibt auch dem, der auf der Erde bleibt. Aufbrechen, Veränderung, Fortschritt, Schritt für Schritt, ist auch in der Ebene beschränkter Horizonte möglich.

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Donnerstag, 10. Mai 2012
Donnerstag, 10. Mai 2012
„Kreislauf“

Wenn Dogmen fallen, wie das vom Wachstum, heisst das noch lange nicht, dass wir immun sind gegen neue. Zum Beispiel das Dogma vom Kreislauf. Natürlich ist Wiederverwertung gut. Noch besser sind Produkte, bei denen sich so viel wie möglich wiederverwerten lässt. Dass dies zu 100% möglich sei, nähert sich einem Glaubenssatz.

Besonders vital sind Dogmen, wenn sie von älteren gespeist werden. Das Dogma vom Kreislauf verträgt sich einfach so gut mit dem von der Regionalisierung, so gut dass es als Nationalisierung verstanden und gehört wird. Schon wird aus „Produkte aus der Region“ unversehens „Produkte aus Deutschland“. Dass der Apfel aus Deutschland ist, das Ei aus Deutschland ist dürfen wir immer öfter auf der Packung lesen.

Auch ökologisch ist das falsch, denn Hamburg ist von München viel weiter entfernt als Innsbruck. Und um den „Kreislauf“ und die „Transportkosten“ sollte es ja einmal ursprünglich gehen. Jetzt zeigt sich, dass „Kreislauf“ und „Region“ keinesfalls so eindeutig sind, wie sie scheinen. Statt der Wiederholung der Dogmen müsste also Aufklärung einsetzen. Was ist „Region“ und wenn ja für welche für welche Produkte? Die Region für Seide ist eine andere als die für Baumwolle. Die Region für Äpfel ist eine andere als die für Kaffee. Spätestens beim Kaffee biegen die weniger Glaubensfesten schon ab in Richtung Welthandel und maulen was vom Prinzip, um das es ginge. Die Glaubensfesten erzählen dir, was du brauchst und was nicht. Der Kreislauf ist nur nach innen ein Kreislauf, nach aussen ist er eine Grenze.

Es kommt noch dicker: Im ökologischen Denken ist garnicht „Kreislauf“ die oberste Maxime, sondern dass alles mit allem zusammenhängt. Ein Denken, das bisherige Grenzen übersteigt. Da schliesst Kreisläufe nicht aus, sondern begründet sie abhängig von Produkt und Erkenntnisstand.

Ökologisches Denken ist ein Denken in grösseren Überschaubarkeiten als vordem. So eine Ökologie macht Sinn, der gar nicht von der Kanzel der Glaubenssätze gepredigt werden muss. Ökologie macht Sinn weil sie fragt: Was ging dem Zustand voraus, den wir heute haben. Und was folgt aus dem, was wir heute tun?

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Mittwoch, 25. April 2012
Mittwoch, 25. April 2012
Stoppt den Zertifizierungswahn

Das private Pendant zur Zeugnis-Bürokratie ist der Zertifizierungswahn. Wäre doch gelacht, wenn sich am Nachweisterror nicht noch ordentlich verdienen liesse. Und an die ewige Prüferei sind die Leute ja sowieso gewöhnt.

Über Zertifizierungen aller Art etabliert sich ein ganzer (Weiter-) Bildungsmarkt, und zwar einer gegen Bares. Natürlich gibt es Bereiche in denen Zertifizierung begründet ist, insbesondere wenn sich die Prüfung durch den Konsumenten einer Kontrolle weitgehend entzieht, wie zum Beispiel bei der Kultivierung von Öko-Lebensmitteln. Auch gegen wenige aber klar erkennbare Prüfstempel, die bekunden, dass eine übergeordnete, nicht nur verbandsinterne Sondierung des Angebots stattgefunden hat, ist sinnvoll, Beispiel das Bio-Siegel. Aber wer heute eine Ökomesse besucht, der schleicht hallenweise an Zertifizierungsständen und -institutionen vorbei. In vielen Fällen bedeutet dies eine nachträgliche Privatisierung und Entwertung staatlich kontrollierter und damit primär nicht kommerziell ausgerichteter Zugänge. Diese sind sehr wohl legal, dürfen aber nicht an die Stelle der staatlichen Zeugnisse treten und vor allem dürfen sie eins nicht: neue Monopole begründen.

Der Staat hat hoheitlich das Münzwesen kontrolliert und den, der es ausübt. Früher kontrollierte er durch Zugehörigkeit zu Adel und Macht, heute kontrolliert er durch Prüfung und Ausbildung. Die Münze repräsentierte den Wert, und damit die Bewertung von Waren, Handwerk und Dienstleistungen in einem Hoheitsgebiet zum Ausdruck, definierte den Geltungsbereichh und legte den Masstab für den Handel mit anderen Staaten fest. Genau das ist heute die Funktion von Bildungs- und Ausbildungsstandards. Was ich können muss, ist wichtiger als das, was ich mir an Können zu Gute halte.

Auch wenn man kein Freund staatlicher Einmischung in alles und jedes ist, konkurrierende staatlich und privat betriebene Einrichtungen, bringen die Dinge meist am am besten voran, aber der Nachweis einer grundlegenden Befähigung muss in der Hand des Gemeinwesens bleiben. Hier geht es garnicht in erster Linie um die berühmten Scharlatane, die nisten sich in Grauzonen und Niemandsländern nur ein, es geht um die Währung, die Wert und Bewertung von Qualifikationen justiert. Also: Bildung so bunt wie möglich, Abschlüsse so generell wie möglich.

Alles andere kann ich als aufgeklärter Zeitgenosse und Kunde, der lesen, vergleichen und Gespräche führen kann, selbst erkunden. Da führt kein Weg zurück in die geistige Kleinstaaterei. Vom Absolventen einer Ausbildung, auch eines Studiums, erwarte ich die fachliche und persönliche Kompetenz, prüfen und beurteilen zu können, welche Weiterbildung fach. und sachgerecht ist. Punkt. Lässt es sich nicht vermitteln über den Tellerrand der Anschauung und Überzeugung hinaus, soll es bleiben, wo es ist, im esoterischen, glaubensüberzeugten Zirkel, es besteht den Praxistest nicht. Die Naturheilkunde besteht den Praxistest sehr wohl, nur alle ihrer Begründungen und Anschauungen, mit denen muss ich mich als Kunde schon selbst auseinandersettzen. Die Praxis entscheidet und ich muss als Kunde und Konsument endlich aufhören meine Prüfkompetenz an Zertifizierungsinstanzen zu deligieren. Da helfen auch keine Lebensmittelampeln und andere Mätzchen auf der Ware. Kann ich lesen oder nicht? Ampeln und Symbole gehören auf die Strasse, der schnellen und einfachen Erfassbarkeit halber. Will ich mir ein Bild von den Inhaltsstoffen und Qualifikationen machen, dann muss ich lesen, nachlesen und vergleichen. Wer den denkenden Konsumenten will, darf ihm nicht das Denken abnehmen. Will ich andere mit Namen beeindrucken oder mit meiner Fertigkeit und Fähigkeit überzeugen?

Es ist derselbe Staat, der die einen wegen fehlender Abschlüsse an der Grenze zu Hilfsarbeitern degradiert und die anderen an den Mautstellen zahlungspflichtiger Zusatzausbildungen abkassieren lässt. Der lieber selbst die Hand aufhält und von Gebühren und Abgaben profitiert, anstatt die Kontrollinstanz aufrechtzuerhalten, in Information und Aufklärung zu investieren und Zweitwährungen zu verhindern.

Noch eins: Zertifizierungsmanien verhindern, dass der Praxis der ihr zukommende Wert eingeräumt wird. Mit andern Worten: Zertifizierung trägt ihr Teil bei zum Veralten, so wie der TÜV fürs Verschrotten des Autos, nur dass wir keine Sachen und der Mensch keine schlichte Ressource ist auch keine Human Ressources. Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen sind Mindestlohnregelungen unterworfen denn durch die nach oben offene Skala der (Zusatz-) ausbildungen, machen sich die Bewerber selbst Konkurrenz. Noch nie waren so viele Ausgebildete im nationalen wie internationalen Masstab in so grosser Zahl arbeitslos wie heute. Wir müssen endlich aufwachen: Was den Arbeitsmarkt bestimmt ist der Markt, er nimmt auch Blinde und Lahme, wenn ihn die (Arbeits-) Kräfte verlassen, vorzugsweise aber die billigsten und dann ist plötzlich Qualifikation gar kein Argument mehr. Deswegen importieren wir Arbeitskräfte bei hoher interner Arbeitslosgkeit.
Auf dem Markt zählt vor allem die Praxis und der sollten wir das Feld überlassen. Wer ist am besten, wer kanns am besten, nicht: wer hat die besten Papiere. Die Differenzierung kommt von der Kombination des Wissens mit der Erfahrung. Hier entstehen unendlich viele Bedarfe und unendlich viele Qualifikationen. Das ist die Ressource, aus der eine Arbeitsgesellschaft schöpft.

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