Donnerstag, 8. März 2012
Donnerstag, 8. März 2012
Prof Raab, Coburg über Design-Fehlentwicklung in einem Vortrag auf der EuroMold 2011.

"So entstehen auf der einen Seite Produkte und Leistungszusammenhänge, die in ihrer Austausch- und Vergleichbarkeit kaum wahrgenommen werden, sich nicht positiv positionieren können und lediglich über ihren Preis wettbewerbsfähig sind, auf der anderen Seite funktionsangereicherte Lösungen von hoher und häufig sinnfreier Aufgabenvernetzung und Komplexität. Diese nahezu zwanghaft anmutenden Vorgehens- muster aufzugeben und sich einer Entwicklungsstrategie mit einem sich an dem unmittelbaren Bedürfnis- und Lebensumfeld des Benutzers und seiner Community" wäre erforderlich.
Aber wie? Durch Einbeziehung der Nutzer, Anwender, Betroffenen.

Wie auch immer die Begriffe heissen, Design orientiert sich zunehmend an einem Prozess der Mitwirkung ähnlich wie in der Stadt- oder Wohnungsarchitektur. So jedenfalls die Theorie.
Solange es nicht die Praxis wird, sondern die Ausnahme bleibt, liegt der wirkliche Vorteil dieser neuen Ansätze im Blick weg vom Produkt und damit vom gestylten Produkt und hin zu einer Gesamtarchitektur, zu einer Landschaft.

Alles Design - oder was? Der Begriff bekommt inflationäre Ausmasse, dabei bleibt doch jede Auseinandersetzung eine über Meinungen und Einstellungen, wenn sie sich nicht an der Form des Einzelobjekts festmacht:

- Form, die Bedürfnisse sichtbar macht
- Form, die stört, sich widersetzt
- Form, die fordert und herausfordert
- Form, die Anstoss gibt, auch Denkanstösse über sich hinaus

Weg von der Funktionalität, hin zur Anwendung, Weg von der ausschliesslich um das Produkt kreisenden Funktion, hin zum anpassbaren und veränderlichen Gebrauchswert. Die Mehrfachnutzung, die Umnutzung zu verschiedenen Zwecken ist das Ziel auch aus ökologischen Gründen. Wir wohnen ja auch nicht mehr nur in Wohnblöcken, sondern haben ein ganzes Bündel von Bedürfnissen ans Wohnen, vom Arbeitsraum bis zur Sonnenterasse, Bedürfnisse, die sich im Lauf der Zeit ändern.

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Freitag, 30. September 2011
Freitag, 30. September 2011
Es gibt sie noch, die guten Dinge: Demut, zum Beispiel. Öfters war von ihr in der letzten Zeit die Rede. Wie kommts, dass das Wort wieder in die Sprache kommt?, lange war es aus ihr verschwunden, in die Sakralsprache abgetaucht. Einen „Tag der grössten Demut“ beging Rupert Mordock als die Datenschutzdelikte seiner Presse publik wurden. Genauer: Der Ausdruck war „to eat humble pie“. Meint soviel wie: Das seiner Herkunft angemessene kleine Brötchen essen. Da ist in Demut die Erinnerung an die Herkunft drin. der uns im Deutschen so vertraute selbstfabrizierte Gesinnungsfaktor von Demut allerdings raus. Drin ist er dann wieder, wenn der Generalsekretär der FDP nach dem Berliner Wahl-Debakel mit einem Verlust von annähernd 6 Prozent empfiehlt, das Ergebnis „in Demut aufzunehmen“. Erinnerung an die Herkunft, die ja noch nicht so lange her ist, wär vielleicht besser.

Da ist die Sprache glattgelutscht bis zur Unkenntlichkeit mit lauter Anglizismen und jetzt dieses Wort mittelalterlicher Provinienz, das wie ein erratischer Block in der Landschaft herumsteht. Ein Stilbruch inmitten der modernen sprachdesignten Wörterlandschaft. Den Grund dürfen wir darin suchen, dass man das Unvergleichliche der Erfahrung unmissverständlich um Ausdruck bringen will. Dem verdanken wir also das Nostalgie-Wort Demut, das immerhin Grund zum Nachdenken gibt, auch daher, weil man es gar nicht so ohne Weiteres versteht. Und für das Desaster, was Anlass für die Rede gab, gibt es nun mal nichts Besseres als dies Wort aus der guten alten Zeit, als Sprache noch kopf- und handgemacht war und richtig wehtun konnte.

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Dienstag, 31. Mai 2011
Dienstag, 31. Mai 2011
Nur auf eines gerichtet zu sein, heisst, nur von einem abhängig zu sein. Der Marketer, der Werber hat es dagegen meist mit verschiedenen Themen und Aufträgen zu tun. Der Markt ändert sich. Mit ihm die Aufträge. Und mit ihm der Job. Nicht alles auf einmal aber irgendwas ändert sich immer. Und das heisst, es ändert sich ständig was, was heisst es ändert sich viel. So viel, dass Auftrag und Auftragnehmer nach einigen Jahren garnicht wiederzuerkennen sind. Und was sich nicht ändert, ist das, warum du den Job machst.

Verschiedene Tätigkeiten, verschiedene Landschaften. Boden unter die Füsse bekommen. Wenn einer heute 20 Jahre (reichen schon) in einer Firma ist, die die Rahmenbedingung setzt, trocknet seine Vielseitigkeit ein. Steht nur noch auf dem Papier. Freiheit ist eben nichts Abstraktes. Freiheit heisst, mindestens 1 Entscheidung setzen zu können.
Was nichts anderes heisst, als zwischen 2 Entscheidungen wählen zu können. Sind das Entscheidungen zum Schein, Entscheidungen, die keine wirklichen sind, wie die zwischen Pest und Cholera. Da kann man sich und anderen noch so sehr einreden, wie sehr man sich auf die neue Herausforderung freut, aber kann das innere Gähnen kaum unterdrücken.

Freiheit ist eben kein abstrakter Wert. Man kann sich beklagen, darüber, dass man nicht genug verdient. Aber man braucht Freiheit dafür, es zu ändern. Das erste ist uns geläufig. Das zweite weniger.

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