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Freitag, 30. September 2011
Freitag, 30. September 2011
kuehnesmallworld, 17:18h
Es gibt sie noch, die guten Dinge: Demut, zum Beispiel. Öfters war von ihr in der letzten Zeit die Rede. Wie kommts, dass das Wort wieder in die Sprache kommt?, lange war es aus ihr verschwunden, in die Sakralsprache abgetaucht. Einen „Tag der grössten Demut“ beging Rupert Mordock als die Datenschutzdelikte seiner Presse publik wurden. Genauer: Der Ausdruck war „to eat humble pie“. Meint soviel wie: Das seiner Herkunft angemessene kleine Brötchen essen. Da ist in Demut die Erinnerung an die Herkunft drin. der uns im Deutschen so vertraute selbstfabrizierte Gesinnungsfaktor von Demut allerdings raus. Drin ist er dann wieder, wenn der Generalsekretär der FDP nach dem Berliner Wahl-Debakel mit einem Verlust von annähernd 6 Prozent empfiehlt, das Ergebnis „in Demut aufzunehmen“. Erinnerung an die Herkunft, die ja noch nicht so lange her ist, wär vielleicht besser.
Da ist die Sprache glattgelutscht bis zur Unkenntlichkeit mit lauter Anglizismen und jetzt dieses Wort mittelalterlicher Provinienz, das wie ein erratischer Block in der Landschaft herumsteht. Ein Stilbruch inmitten der modernen sprachdesignten Wörterlandschaft. Den Grund dürfen wir darin suchen, dass man das Unvergleichliche der Erfahrung unmissverständlich um Ausdruck bringen will. Dem verdanken wir also das Nostalgie-Wort Demut, das immerhin Grund zum Nachdenken gibt, auch daher, weil man es gar nicht so ohne Weiteres versteht. Und für das Desaster, was Anlass für die Rede gab, gibt es nun mal nichts Besseres als dies Wort aus der guten alten Zeit, als Sprache noch kopf- und handgemacht war und richtig wehtun konnte.
Da ist die Sprache glattgelutscht bis zur Unkenntlichkeit mit lauter Anglizismen und jetzt dieses Wort mittelalterlicher Provinienz, das wie ein erratischer Block in der Landschaft herumsteht. Ein Stilbruch inmitten der modernen sprachdesignten Wörterlandschaft. Den Grund dürfen wir darin suchen, dass man das Unvergleichliche der Erfahrung unmissverständlich um Ausdruck bringen will. Dem verdanken wir also das Nostalgie-Wort Demut, das immerhin Grund zum Nachdenken gibt, auch daher, weil man es gar nicht so ohne Weiteres versteht. Und für das Desaster, was Anlass für die Rede gab, gibt es nun mal nichts Besseres als dies Wort aus der guten alten Zeit, als Sprache noch kopf- und handgemacht war und richtig wehtun konnte.
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Dienstag, 31. Mai 2011
Dienstag, 31. Mai 2011
kuehnesmallworld, 23:06h
Nur auf eines gerichtet zu sein, heisst, nur von einem abhängig zu sein. Der Marketer, der Werber hat es dagegen meist mit verschiedenen Themen und Aufträgen zu tun. Der Markt ändert sich. Mit ihm die Aufträge. Und mit ihm der Job. Nicht alles auf einmal aber irgendwas ändert sich immer. Und das heisst, es ändert sich ständig was, was heisst es ändert sich viel. So viel, dass Auftrag und Auftragnehmer nach einigen Jahren garnicht wiederzuerkennen sind. Und was sich nicht ändert, ist das, warum du den Job machst.
Verschiedene Tätigkeiten, verschiedene Landschaften. Boden unter die Füsse bekommen. Wenn einer heute 20 Jahre (reichen schon) in einer Firma ist, die die Rahmenbedingung setzt, trocknet seine Vielseitigkeit ein. Steht nur noch auf dem Papier. Freiheit ist eben nichts Abstraktes. Freiheit heisst, mindestens 1 Entscheidung setzen zu können.
Was nichts anderes heisst, als zwischen 2 Entscheidungen wählen zu können. Sind das Entscheidungen zum Schein, Entscheidungen, die keine wirklichen sind, wie die zwischen Pest und Cholera. Da kann man sich und anderen noch so sehr einreden, wie sehr man sich auf die neue Herausforderung freut, aber kann das innere Gähnen kaum unterdrücken.
Freiheit ist eben kein abstrakter Wert. Man kann sich beklagen, darüber, dass man nicht genug verdient. Aber man braucht Freiheit dafür, es zu ändern. Das erste ist uns geläufig. Das zweite weniger.
Verschiedene Tätigkeiten, verschiedene Landschaften. Boden unter die Füsse bekommen. Wenn einer heute 20 Jahre (reichen schon) in einer Firma ist, die die Rahmenbedingung setzt, trocknet seine Vielseitigkeit ein. Steht nur noch auf dem Papier. Freiheit ist eben nichts Abstraktes. Freiheit heisst, mindestens 1 Entscheidung setzen zu können.
Was nichts anderes heisst, als zwischen 2 Entscheidungen wählen zu können. Sind das Entscheidungen zum Schein, Entscheidungen, die keine wirklichen sind, wie die zwischen Pest und Cholera. Da kann man sich und anderen noch so sehr einreden, wie sehr man sich auf die neue Herausforderung freut, aber kann das innere Gähnen kaum unterdrücken.
Freiheit ist eben kein abstrakter Wert. Man kann sich beklagen, darüber, dass man nicht genug verdient. Aber man braucht Freiheit dafür, es zu ändern. Das erste ist uns geläufig. Das zweite weniger.
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Dienstag, 24. Mai 2011
Dienstag, 24. Mai 2011
kuehnesmallworld, 22:14h
Die Distanz zum Alter überwindet man am besten kommerziell. Somit ist der Silver-Ager ein Subjekt mit Brieftasche und als solches umworbenes Objekt. Nichts führt soweit auf der Strasse der Emanzipation des Alters wie die eigenen Finanzen. Da kann ihm der versöhnliche Silberblick auf seine Existenz ruhig gestohlen bleiben.
Und der Marketer gibt ihm dazu noch folgendes auf den Weg: Mehr Aufmerksamkeit reicht nicht, du darfst dich nicht mehr abschieben lassen, du musst sagen, wo es lang geht. Weil wo du es weisst. Aber ist die Kompetenz des Marketers damit nicht weit überschritten? Irrtum. Wer kapiert hat wo die Marktmacht ist, kapiert auch, wo die Macht ist. Wer eines vom beiden trennt, schaufelt sich selbst sein Grab.
Er will also gefragt werden. Der Alte fordert es ein, gefragt zu werden. Er fordert einen anderen Umgang mit Schwächen und Behinderungen ein, weil er sie selbst erlebt, bei grösstenteils „klarer Birne“. Er fordert einen anderen Umgang mit Qualifikationen. Damit dieses Verschrotten von Menschen aufhört. Niemand weiss besser wie er, was bleibt an Qualifikation, Beurteilungskraft, auch wenn sich vieles ändert. Bis jetzt reden wir von Alten in Kategorien von Betreuung, so wie über Afrika in den Kategorien von Entbehrung.
Aber nun wird der Marketer ja regelrecht politisch! Braucht ihr den Marketer, damit euch einer sagt, dass 80% der Umturtelung der Jungen daran liegen, dass die Lohnforderungen der Jungen so apettitanregend niedrig sind? Muss man Marketer sein, um sagen zu können, dass die Arbeitswelt aus ähnlichem Grunde nach Frauen ruft, denn jung müssen sie schon sein? Muss man Marketer sein, um zu wissen, dass man ohne Jugendkult 80% seiner Trend und Hype-Produkte nicht absetzen könnte. Von der neuen Software, dem Versandartikel bis zur Eintrittskarte. Sollen Alte mehr zu sagen haben, muss anders Geld verdient werden. Nämlich nachhaltig. Wird anders Geld verdient, wird auch anders gearbeitet, nämlich auch nachhaltig. Wenn der schonende Umgang mit Ressourcen an erster Stelle steht, dann sind auch die Alten mit von der Partie. Dann ist alt zu sein ein Wert an sich muss sich nicht an die Erfahrung klammern um nötig zu sein und gebraucht zu werden (auch Alte können irren).
Und der Marketer gibt ihm dazu noch folgendes auf den Weg: Mehr Aufmerksamkeit reicht nicht, du darfst dich nicht mehr abschieben lassen, du musst sagen, wo es lang geht. Weil wo du es weisst. Aber ist die Kompetenz des Marketers damit nicht weit überschritten? Irrtum. Wer kapiert hat wo die Marktmacht ist, kapiert auch, wo die Macht ist. Wer eines vom beiden trennt, schaufelt sich selbst sein Grab.
Er will also gefragt werden. Der Alte fordert es ein, gefragt zu werden. Er fordert einen anderen Umgang mit Schwächen und Behinderungen ein, weil er sie selbst erlebt, bei grösstenteils „klarer Birne“. Er fordert einen anderen Umgang mit Qualifikationen. Damit dieses Verschrotten von Menschen aufhört. Niemand weiss besser wie er, was bleibt an Qualifikation, Beurteilungskraft, auch wenn sich vieles ändert. Bis jetzt reden wir von Alten in Kategorien von Betreuung, so wie über Afrika in den Kategorien von Entbehrung.
Aber nun wird der Marketer ja regelrecht politisch! Braucht ihr den Marketer, damit euch einer sagt, dass 80% der Umturtelung der Jungen daran liegen, dass die Lohnforderungen der Jungen so apettitanregend niedrig sind? Muss man Marketer sein, um sagen zu können, dass die Arbeitswelt aus ähnlichem Grunde nach Frauen ruft, denn jung müssen sie schon sein? Muss man Marketer sein, um zu wissen, dass man ohne Jugendkult 80% seiner Trend und Hype-Produkte nicht absetzen könnte. Von der neuen Software, dem Versandartikel bis zur Eintrittskarte. Sollen Alte mehr zu sagen haben, muss anders Geld verdient werden. Nämlich nachhaltig. Wird anders Geld verdient, wird auch anders gearbeitet, nämlich auch nachhaltig. Wenn der schonende Umgang mit Ressourcen an erster Stelle steht, dann sind auch die Alten mit von der Partie. Dann ist alt zu sein ein Wert an sich muss sich nicht an die Erfahrung klammern um nötig zu sein und gebraucht zu werden (auch Alte können irren).
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