Mittwoch, 20. April 2011
Mittwoch, 20. April 2011
Die Einzigartigkeit des Augenblicks, empfinde ich als Resonanz auf meine Einzigartigkeit. Ich nehme diesen Moment als einzigartigen wahr.

Was anderes ist es, sich von anderen abzusetzen, auf Unterschiede zu halten. Ich tue das, um Beachtung zu bekommen.

Es ist ein Unterschied, ob ich etwas unternehme, um mir meine Einzigartigkeit vor Augen zu führen, z.B. eine Reise, eine Klettertour etc.. Oder um meinen Status zu befestigen. Dafür reicht kaufen, dafür muss ich nichts erleben. Ausser dem Gefühl, mir etwas kaufen zu können.

Die Angst, auch in seinem Streben nach Individualität nur eine Kopie zu sein, selbst Massenware, wird nicht dadurch abgebaut, dass ich auf Teufel-komm-raus den Cliff-Hanger oder den S-Bahn-Surfer mache oder mich in skurriles Outfit schmeisse. Was mir fehlt ist, das unmittelbare Erleben von Resonanz, jetzt in diesem Augenblick.

... link


Dienstag, 19. April 2011
Dienstag, 19. April 2011
Alleinstellungsmerkmal. Auch so ein Marketing-Ballon. Wunderbar, wie er vor einem aufsteigt. Dass es das überhaupt gibt, dass man es glaubt, ist das Wunder. Man soll also etwas haben, oder in dieser Kombination haben, was andere nicht haben. Oder an einem Ort, in einer Region nicht haben. Letzteres mag ja noch angehen. Manchmal gibts nur einen Bäcker am Ort. Meist dauert es nicht lange bis der zweite da ist. Unsere Form des Wirtschaftens beruht darauf, sich den Erfolg zum Kompass zu nehmen. In diesem Szenario davon auszugehen, dass mann längere Zeit mit seinem Erfolg allein bleiben könnte, ist systemwidrig. und gerade deswegen ein Wunder.

Der Traum von den gebratenen Tauben. Der Traum, befreit zu werden aus diesem Ghetto von Leistung und Lohn. Sonst bleibt nur, befreit zu werden durch Beziehungen oder durch Vermögen, also etwas, das schon vorher da war.
Nein, man muss auf andere zugehen, mit „allein“ und „Stellung“ hat das nichts zu tun. Manchen fällt das ja auch leicht, diese Orientierung am Bedarf, an der Anwendung. Was wiederum andere daran hassen, ist die Unsicherheit dabei, sogar das Selbstbild ist in vielen Fällen noch nicht fertig. Nicht umsonst hatte man sich schon im Mittelalter mit Zünften abgesichert. Alleinstellung ist ein „zünftiger“ Begriff. Etwas zu sein, jemand zu sein, und das im Zusammenhang mit dem was er tut, dem Beruf also, nicht minder. Wir sind IT-Fachmann, Psychologe, Goldschmied. Wir sinds auch, wenn wir schon lange nicht mehr im dem Beruf arbeiten.

Wenn sich unser Selbstbild nicht letztlich am Tun festmacht, bleibt nicht viel mehr als Weltanschauliches zur Ortung: Kreatur oder Revolutionär. Ersterer leitet sich ab vom Gesamtbild der Welt. Letzterer akzeptiert nicht, was ihm an Welt- und Selbstbild vorgegeben wird.
Natürlich sind das nur Grundraster, das weite Feld der Mauerblümchen bleibt dabei unbestellt. Die Frage, was ich werden soll, beruflich gemeint natürlich, hat in mir lange Jahre nur Ratlosigkeit ausgelöst. Ich war doch schon was.
Das ganze Szenario verdeutlicht, warum sich auch der Traum vom Alleinstellungsmerkmal so unausrottbar hält. Auch wenn er sich kapitalistisch und marktwirtschaftlich gibt. Marktwirtschaftlich ist, seine Angebote zu vergleichen. Der Raum dafür nennen wir Markt. Wenn wir ihn nicht haben, schaffen wir ihn uns. Und sei es in Form von Konkurrenz. Mit „allein“ hat das wenig zu tun.

... link


Samstag, 16. April 2011
Samstag, 16. April 2011
Wie haben Sie mich gefunden? Das ist die erste Frage, wenn ich unvermutet vor einer Homepage auftauche. Da investiert so ziemlich jeder in seine Homepage, um im Netz unübersehbar zu sein und ist bass erstaunt, wenn er gefunden wird.

Suchmasken, Suchroutinen, Suchmaschinen. Metasuchmaschinen, Suchmaschinen für Suchmaschinen. Ich suche, aber was? Vor allem wo?. Das Wort „Informationsflut“ trifft es schon. Denn die Strukturen fehlen, die mir darüber Auskunft geben, wo ich suchen soll. Meist komme ich gerade mal bis zum nächsten Begriff. Hab ich den, kann ich recht zuverlässig etwas finden. Aber viel weiter komme ich nicht, wenn ich nicht Glück habe und in der Fundstelle findet sich auch ein weiterführender Hinweis oder Begriff. Denn: Innovationszyklen für neue Begriffe haben sich nun mal erheblich verkürzt.

Einerseits mehr des Gleichen und oft das Gleiche, und abgeschrieben gleich auch noch: Content zuhauf, Listen, Sammlungen, Portale, Diskussionsforen. Immer noch fehlt mir das Stich- und Schlagwort um das, wonach ich suche in den Lichtkegel meiner Bewusstseinsfunzel zu rücken. Beispiel: „Elektronisches Türschloss“, „elektronischer Türöffner“, „Sicherheitssystem“, kein Begriff hilft wirklich weiter. Der eine zu speziell, der andere anderweitig belegt. Irgendwo im Lichtschein der Begriffslaterne fand sich dann das eher unscheinbare „Zugangskontrollsysteme“, nach meinem Geschmack viel zu abstrakt, aber gerade das eröffnete dann in der Tat den Zugang dazu, wonach ich suchte. Genau genommen musste ich noch einen Begriff weiter zu „Hotelzugangskontrollsysteme“ (geht nicht einfacher, ist ein deutscher Begriff). Da fand ich dann auch die Sorte elektronischer Türöffner nach denen ich suchte (beileibe nicht nur für Hotels).

Früher hat man den Begriff harpuniert, aufgegespiesst. Ein Blick in ein Lexikon oder Fachlexikon und ich hätte ihn gehabt. Das ist vorbei. Es gibt zu viele, zu viele neue an zu vielen neuen Orten. Nein, es sind keine simplen Orte, es sind Begriffsbiotope. In diesen fristen noch weitgehend unbekannte Arten ein Eigenleben im Kreise anderer Biotopbewohner.

Aufhäufen, Anhäufen, Auflisten bringt nichts, macht aber Eindruck. Nichts findet man im Internet so oft wie Sammlungen und Auflistungen. Da hilft keine Harpune, das Verfahren der Wahl ist ein „Netz“, nicht zu breit, aber breit genug, um auch das, was links und rechts vom Begriff existiert aufzuwühlen. Schwarmfischen. Der Beifang geht zurück über Bord und ist mir was Neues und Interessantes ins Netz gegangen, gucke ich mir das näher an. Dann werde ich ja sehen, ob man sich des Begriffes schon von anderer Seite angenommen hat oder ob er für meine Zwecke geeignet ist. So gerate ich in neue Biotope und Gefilde. Das ist mehr „Sumpfpaddeln“ als Surfen. Im Ernst: Jetzt erfinde ich selbst noch einen Begriff: Ökologisches Suchen. Gemeint ist umweltbezogenes Suchen. Hat gerade noch gefehlt. Tja, das Begriffsdesign ist vom Feinsten.

Jedenfalls weiss ich jetzt genauer, wonach ich gesucht habe. Und das ist doch auch etwas. Entweder bin ich auf einen Trend gestossen oder auf ein Thema für Spezialisten oder auf die Nische exotischer Biotopsektierer. Ich bekomme das Umfeld, die Strukturen in den Blick. Kein Quatsch: So gehts! Vielleicht gibts dafür noch keine Suchmaschine, ich könnte eine erfinden. Namens QUATSCH. Begriffe mit Q gehen zur Zeit sehr gut.

... link