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Donnerstag, 14. April 2011
Donnerstag, 14. April 2011
kuehnesmallworld, 19:23h
Sie sind garnicht so selten, die Aufträge, bei denen es um den anspruchsvollen Kunden geht, darum geht, den Kunden zu finden, der Interesse am hochwertigen oder anspruchsvollen Objekt oder Dienstleistung hat. Wenn es um anspruchsvolles Design geht beispielsweise. Aber im Grunde gilt für viele Angebote und Dienstleistungen heutzutage: Wo ist der Kunde, der perspektivisch interessant ist?
Das Objekt, der Einzelauftrag, um den es eingangs meist (nur) geht, hat im besten Fall Türöffner-Funktion. Es ist klar, dass man nach einem solchen Türöffner-Auftrag anders sucht als nach einem Kunden, der einem einfach etwas abkauft, meist weil er es hier am günstigsten kriegt. Im Grunde sucht man nämlich nach Kunden, die suchen. Man sucht nach Dialog mit Kunden, die suchen. Und man findet sie auch nur im Dialog. Neben vielen bekannten Trends zur Standardisierung und Vermassung erzeugt die Digitalisierung nämlich auch ein bisher unbekanntes Mass an Differenzierung und Individualisierung.
Die Werbesprache kennt, was Verkauf und Motiv angeht, dafür meist nur das eher armselige Gegensatzpaar „Gebrauchswert - Mehrwert“. Es geht aber nicht um einen irgendwie im Dunkel der Persönlichkeit liegenden Mehrwert. Ginge es um ein Produkt von Alessi, Armani oder Versace, wäre jedem sofort klar, was Sache wäre. Sache wäre, sich mit diesem Produkt und Namen einzuklinken in eine bestimmte kulturelle Sphäre. Deswegen geht es um Namen und Marken. Sie sind das Mittel. Der Preis steht meist in keinem Verhältnis zum Gebrauchswert.
Wer mit Namen aus der Literatur oder Kunst oder Wissenschaft, wer mit dem Label „führend“, „avantgardistisch“ oder „innovativ“ arbeitet, macht nichts anderes. Er bietet Teilhabe an anspruchsvollem Genuss oder Lösung. Sein Ziel ist der kenntnis- und verständnisreiche Kunde. So seltsam es klingt, es geht um den „Kompetenzwert“. Klar, dass dies auch eine andere Suchstrategie erfordert. Das Marketing, das hier gebraucht wird, ist im Grunde ein Suchen.
Das Objekt, der Einzelauftrag, um den es eingangs meist (nur) geht, hat im besten Fall Türöffner-Funktion. Es ist klar, dass man nach einem solchen Türöffner-Auftrag anders sucht als nach einem Kunden, der einem einfach etwas abkauft, meist weil er es hier am günstigsten kriegt. Im Grunde sucht man nämlich nach Kunden, die suchen. Man sucht nach Dialog mit Kunden, die suchen. Und man findet sie auch nur im Dialog. Neben vielen bekannten Trends zur Standardisierung und Vermassung erzeugt die Digitalisierung nämlich auch ein bisher unbekanntes Mass an Differenzierung und Individualisierung.
Die Werbesprache kennt, was Verkauf und Motiv angeht, dafür meist nur das eher armselige Gegensatzpaar „Gebrauchswert - Mehrwert“. Es geht aber nicht um einen irgendwie im Dunkel der Persönlichkeit liegenden Mehrwert. Ginge es um ein Produkt von Alessi, Armani oder Versace, wäre jedem sofort klar, was Sache wäre. Sache wäre, sich mit diesem Produkt und Namen einzuklinken in eine bestimmte kulturelle Sphäre. Deswegen geht es um Namen und Marken. Sie sind das Mittel. Der Preis steht meist in keinem Verhältnis zum Gebrauchswert.
Wer mit Namen aus der Literatur oder Kunst oder Wissenschaft, wer mit dem Label „führend“, „avantgardistisch“ oder „innovativ“ arbeitet, macht nichts anderes. Er bietet Teilhabe an anspruchsvollem Genuss oder Lösung. Sein Ziel ist der kenntnis- und verständnisreiche Kunde. So seltsam es klingt, es geht um den „Kompetenzwert“. Klar, dass dies auch eine andere Suchstrategie erfordert. Das Marketing, das hier gebraucht wird, ist im Grunde ein Suchen.
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Dienstag, 12. April 2011
Dienstag, 12. April 2011
kuehnesmallworld, 19:23h
Deshalb sind unsere Städte so langweilig: Wir erlauben ihnen nicht kleinteilig zu wachsen. Von ganz verschiedenen Anforderungen und Bedürfnissen her zu wachsen und zusammenzuwachsen. Stattdessen Stadtplanung und Masterplan, die dafür kaum Raum lassen. Seriengefertigte Fassaden, die das Muster immer und immer wieder wiederholen.
Noch die Strassenfronten der Gründerzeitviertel Ende des 19. Jahrhunderts sind ein Eldorado an Abwechsung gegen das, was danach kam. Das Ideal einer durchgestylten Umgebung braucht kein Mensch. Die Industrie, die Grossindustrie, braucht es vielleicht. Der Mensch braucht eine Nahumgebung und schafft sich eine. Allerhöchstens Nischen
findet er. Nichts wäre geholfen damit, den Fronten nette Designs vorzuhängen. Das ist kein Plädoyer für die Idylle, das ist eines für den Raum und für die Kleinteiligkeit. Wo sich Architekten und Stadtplaner auf den Dialog mit Bewohnern und ihren verschiedenen Bedürfnissen einlassen entsteht ja auch Interessantes und Neues. Trotzdem zuwenig. In Wahrheit geben wir Menschen keinen Raum. Wir haben Angst vor Undurchschaubarkeit, Unregierbarkeit, Unplanbarkeit. Und die verstecken wir hinter Grossplanungen.
Wir können keine Plätze. Das ist die andere Seite der Medaille. Kein Raum fürs Private - kein Raum fürs Öffentliche. Wir können Zwischenräume zwischen Wohn- und Arbeitsklötzen, aber keine Plätze. Ein Platz braucht Öffnung und Begrenzung. Ein Platz braucht Räume für unterschiedliche Bedürfnisse: Den Schwatz, den Platz an der Sonne oder im Schatten, das Treffen der Vielen, das Spielen der Kinder und und und. Wir wissen doch wie Plätze aussehen, die gewachsenen Städte machen es uns doch vor. Und wir sehen, welche Plätze angenommen werden und welche nicht.
Noch die Strassenfronten der Gründerzeitviertel Ende des 19. Jahrhunderts sind ein Eldorado an Abwechsung gegen das, was danach kam. Das Ideal einer durchgestylten Umgebung braucht kein Mensch. Die Industrie, die Grossindustrie, braucht es vielleicht. Der Mensch braucht eine Nahumgebung und schafft sich eine. Allerhöchstens Nischen
findet er. Nichts wäre geholfen damit, den Fronten nette Designs vorzuhängen. Das ist kein Plädoyer für die Idylle, das ist eines für den Raum und für die Kleinteiligkeit. Wo sich Architekten und Stadtplaner auf den Dialog mit Bewohnern und ihren verschiedenen Bedürfnissen einlassen entsteht ja auch Interessantes und Neues. Trotzdem zuwenig. In Wahrheit geben wir Menschen keinen Raum. Wir haben Angst vor Undurchschaubarkeit, Unregierbarkeit, Unplanbarkeit. Und die verstecken wir hinter Grossplanungen.
Wir können keine Plätze. Das ist die andere Seite der Medaille. Kein Raum fürs Private - kein Raum fürs Öffentliche. Wir können Zwischenräume zwischen Wohn- und Arbeitsklötzen, aber keine Plätze. Ein Platz braucht Öffnung und Begrenzung. Ein Platz braucht Räume für unterschiedliche Bedürfnisse: Den Schwatz, den Platz an der Sonne oder im Schatten, das Treffen der Vielen, das Spielen der Kinder und und und. Wir wissen doch wie Plätze aussehen, die gewachsenen Städte machen es uns doch vor. Und wir sehen, welche Plätze angenommen werden und welche nicht.
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Montag, 11. April 2011
Montag, 11. April 2011
kuehnesmallworld, 19:02h
Vienna calling! Beim Design fällt der Blick nicht zufällig eher auf unsere Nachbarn als auf uns.
Im Deutschen bleibt der Begriff Design gern an der Oberfläche. Wird getrennt von der Funktion. Der Designer kommt erst ganz am Schluss. Eine Kaffeemaschine funktioniere schliesslich auch ohne Design. Der Realität spricht das allerdings Hohn. Von Anfang an geht Gestaltung nämlich in die Produktion ein. Natürlich: Man könnte das Wasser ja auch zusammen mit dem Kaffee aufkochen. Macht man ja auch, aber nicht bei uns, sondern in arabischen Ländern. Ansonsten sieht eine Maschine für Filterkaffee anders aus als eine Espressomaschine, und die wiederum anders als eine die mit Kaffepads funktioniert.
Es ist daher naheliegender, von einer regelrechten „Kreativwirtschaft“ (Grafik, Design, Mode Architektur, Medien) zu sprechen, wie es Doris Rothauer in Ihrer Veröffentlichung „Kreativität und Kapital“ macht (http://www.dorisrothauer.at). Nicht weil Design immer und überall so anschaulich verbunden ist mit dem Produkt, sondern weil Kreativität volkswirtschaftlich eine wichtige Grösse ist.
Die ureigenste Provokation der Gestalt und des Designs liegt im Körperlichen. Jede fremde Gestalt ragt in unsere Welt. Ebenso unübersehbar ist unser Bemühen, den körperlichen Charakter der Begriffe zu entschärfen. Das ist ablesbar an der Inflation der Zusätze, vom „Desktop-Design“ bis zur „serviceorientierten Architektur“ (SOA), die es nur noch mit virtuellen Vorgängen zu tun haben, z. B. als „Bedienungsoberfläche“.
„Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit. Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.“ Schiller, Wallensteins Tod
Das musste jetzt her, hier an diese Stelle, ein sperriges Klassiker-Zitat. Inmitten all dieser geläufigen, angenehm im Mund liegenden Anglizismen, mit denen wir die Marketingsprache ablutschen wie Honigbonbons. Eine böse Stolperfalle für all diese hochglanzpolierten Vorstellungen und Begriffszusätze, mit denen das Design eingepasst wird in die Welt durchstylisierten „schönen“ Scheins. Design gehört aber zur Welt der Körper. Design beansprucht Raum. Design fordert sinnliche Reaktionen heraus, provoziert unsere Antworten und stösst sich hart an der „engen“ Welt und den anderen Objekten.
Blauer Himmel, niedliche Babies: Niemand würde vom Wolken-Design oder vom Kindchen-Design sprechen. In unseren Breiten werden weisse Wolken vor blauem Himmel und über grüner Landschaft als schön, weil sie günstige klimatische Verhältnisse signalisieren, und Babies als niedlich und schutzbedürftig, weil sie damit unserer Zuwendung sicher sein können, empfunden.
Denn bevor die Welt schön ist, muss sie erstmal sinnvoll sein. Und sei es durch mein Auge und in meinen Augen. Und da es zu grossen Teilen eine offensichtlich vom Menschen gemachte, geplante, entworfene Welt ist, muss ich in ihrer Gestalt ihren Sinn erkennen können. Nicht in ihrer Verkleidung, nicht in ihrer Harmonisierung und Stilisierung, aber nicht selten in ihrer Widersprüchlichkeit und unversöhnbaren Gegensätzlichkeit. Da ist sie wieder die Gegensätzlichkeit und Widersprüchlichkeit, an der so mir liegt (vgl. 06. 04. 2011).
Sehe ich die Gestalt, kann ich auch den Sinn sehen. Auch Sinn, der sich über das einzelne Objekt hinaus vermittelt. Für die Gestalt brauche ich Raum. Die Vienna Design Week bspw. verteilt ihre Ausstellungsorte über die Stadt, verzahnt sie teilweise mit traditionellen Gewerken und nutzt öffentliche wie private, also kommerzielle Ausstellungsorte (Läden) (http://www.viennadesignweek.at). Spätestens dann dürfen die existenten Widersprüche offensichtlich werden.
Vienna calling! Alles klar Herr Kommissar? Nur noch eine Frage: Wo ist der dritte Mann?
Im Deutschen bleibt der Begriff Design gern an der Oberfläche. Wird getrennt von der Funktion. Der Designer kommt erst ganz am Schluss. Eine Kaffeemaschine funktioniere schliesslich auch ohne Design. Der Realität spricht das allerdings Hohn. Von Anfang an geht Gestaltung nämlich in die Produktion ein. Natürlich: Man könnte das Wasser ja auch zusammen mit dem Kaffee aufkochen. Macht man ja auch, aber nicht bei uns, sondern in arabischen Ländern. Ansonsten sieht eine Maschine für Filterkaffee anders aus als eine Espressomaschine, und die wiederum anders als eine die mit Kaffepads funktioniert.
Es ist daher naheliegender, von einer regelrechten „Kreativwirtschaft“ (Grafik, Design, Mode Architektur, Medien) zu sprechen, wie es Doris Rothauer in Ihrer Veröffentlichung „Kreativität und Kapital“ macht (http://www.dorisrothauer.at). Nicht weil Design immer und überall so anschaulich verbunden ist mit dem Produkt, sondern weil Kreativität volkswirtschaftlich eine wichtige Grösse ist.
Die ureigenste Provokation der Gestalt und des Designs liegt im Körperlichen. Jede fremde Gestalt ragt in unsere Welt. Ebenso unübersehbar ist unser Bemühen, den körperlichen Charakter der Begriffe zu entschärfen. Das ist ablesbar an der Inflation der Zusätze, vom „Desktop-Design“ bis zur „serviceorientierten Architektur“ (SOA), die es nur noch mit virtuellen Vorgängen zu tun haben, z. B. als „Bedienungsoberfläche“.
„Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit. Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.“ Schiller, Wallensteins Tod
Das musste jetzt her, hier an diese Stelle, ein sperriges Klassiker-Zitat. Inmitten all dieser geläufigen, angenehm im Mund liegenden Anglizismen, mit denen wir die Marketingsprache ablutschen wie Honigbonbons. Eine böse Stolperfalle für all diese hochglanzpolierten Vorstellungen und Begriffszusätze, mit denen das Design eingepasst wird in die Welt durchstylisierten „schönen“ Scheins. Design gehört aber zur Welt der Körper. Design beansprucht Raum. Design fordert sinnliche Reaktionen heraus, provoziert unsere Antworten und stösst sich hart an der „engen“ Welt und den anderen Objekten.
Blauer Himmel, niedliche Babies: Niemand würde vom Wolken-Design oder vom Kindchen-Design sprechen. In unseren Breiten werden weisse Wolken vor blauem Himmel und über grüner Landschaft als schön, weil sie günstige klimatische Verhältnisse signalisieren, und Babies als niedlich und schutzbedürftig, weil sie damit unserer Zuwendung sicher sein können, empfunden.
Denn bevor die Welt schön ist, muss sie erstmal sinnvoll sein. Und sei es durch mein Auge und in meinen Augen. Und da es zu grossen Teilen eine offensichtlich vom Menschen gemachte, geplante, entworfene Welt ist, muss ich in ihrer Gestalt ihren Sinn erkennen können. Nicht in ihrer Verkleidung, nicht in ihrer Harmonisierung und Stilisierung, aber nicht selten in ihrer Widersprüchlichkeit und unversöhnbaren Gegensätzlichkeit. Da ist sie wieder die Gegensätzlichkeit und Widersprüchlichkeit, an der so mir liegt (vgl. 06. 04. 2011).
Sehe ich die Gestalt, kann ich auch den Sinn sehen. Auch Sinn, der sich über das einzelne Objekt hinaus vermittelt. Für die Gestalt brauche ich Raum. Die Vienna Design Week bspw. verteilt ihre Ausstellungsorte über die Stadt, verzahnt sie teilweise mit traditionellen Gewerken und nutzt öffentliche wie private, also kommerzielle Ausstellungsorte (Läden) (http://www.viennadesignweek.at). Spätestens dann dürfen die existenten Widersprüche offensichtlich werden.
Vienna calling! Alles klar Herr Kommissar? Nur noch eine Frage: Wo ist der dritte Mann?
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