Donnerstag, 28. April 2011
Donnerstag, 28. April 2011
Marketing für so etwas Individuelles, wie Design und Schmuck, kann es das überhaupt geben? Bei Diskountern und Ketten ja, aber bei Einzelunternehmen?

Zum Marketing lässt sich der Verkaufstrainer Michael Hohmann in der Goldschmiede Zeitung 2011 wie folgt zitieren:
„Goldschmiede und Juweliere können von anderen Branchen lernen, wie man durch neues Denken und Handeln auch sehr schwierige Zeiten mit Erfolg meistert. Das belegt das Beispiel Touristik: In vergangenen Zeiten war der Umsatz in Reisebüros nicht zu vermeiden. Die Kunden kamen von selbst, und die Reisebüros brauchten nur ihre Dienstleistung zu „verteilen“. Dann kam das Internet und damit die Direktansprache der Kunden durch den Veranstalter. Die Folge: Kunden blieben aus. Umsätze gingen zurück. Erfolgreiche Reisebüros entschlossen sich, umzudenken und sich von der Reiseberatung hin zum fachlich versierten Reiseverkauf zu entwickeln. Dazu gehörte es, Kunden aktiv anzusprechen, auch über das Internet, über (erlaubtes) Telefonmarketing, attraktive Kundenevents und Zusatzverkäufe.“ (http://gz-online.de)

Man könnte achselzuckend denken: Ein Juwelier mehr oder weniger für die Betuchteren wird den Wirtschaftskohl auch nicht fett machen. Aber auch das sind Arbeitsplätze. Es sind Arbeitsplätze sogar im Handwerk. Mit jeder dieser Pretiosen fällt einem etwas viel Wertvolleres in die Hände: Ein einzigartiger und unersetzbarer Arbeitsplatz. Was für ein Fund! Das freut sich der Marketer gleich mit.

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Dienstag, 26. April 2011
Dienstag, 26. April 2011
Zum 25. Jahrestag von Tschernobyl und zum 2. Monatstag von Fukushima:

Kein gigantischer Knall, mit dem die Erde auseinander fliegt. Die Vorstellung vom mehrfachen Overkill hat uns in die Irre geführt. Eine geradezu heitere Vorstellung, verglichen mit der Wirklichkeit. Denn von der Atomkraft verstrahlt, sterben die meisten von uns um so langsamer: sie siechen dahin, sie zerfallen, von aussen von innen. Auch der Tod stirbt.

Die Sprache entspricht dem seltsamerweise. Es gibt keine Zeitpunkte mehr. Es gibt keine klaren Aussagen mehr. Man weiss nichts mehr genaues. Und das bei einer Technologie. bei der man es ganz genau wissen müsste. Erst 4 Wochen nach der Katastrophe fängt man an von Kernschmelze zu sprechen. Vier Wochen nach unserem Tod werden sie uns den Totenschein ausstellen, frühestens.

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Dienstag, 26. April 2011
Und was hat das alles mit Marketing zu tun? Alles und nichts. Alles lief bisher auf ein Flächenbomdardement hinaus. Dabei gibt es unzählige Wege, angesprochen, berührt zu werden. Aber es sind Wege. Gegenüber dem was war, hat sich der TV-Beschuss und die Hochglanzattacken schon deutlich reduziert. Die klassischen Werbe-Agenturen haben teuer genug bezahlt. Und die andern, die übrig sind, werden oft nicht genug bezahlt. Das tut keinem leid, wenn ein Grossmaul, das nur Penetranz, Lautstärke und Superlative konnte, auf die Fresse fliegt, aber es stimmt doch. Die Kanäle haben sich differenziert und sie werden es noch weiter tun. Überall werden wir Werbefetzen begegnen und wegklicken müssen aber nichts wird mehr sein wie früher.

Die Muster haben sich geändert. Wo Menschen hingehen. Wo sie anzutreffen sind. Die Anzahl der Orte hat sich geändert. Die Sätze haben sich geändert. Es ist nicht besser oder schlechter geworden sondern anders. Es ist dezentraler geworden. Heisst nicht, dass die Strippenzieher verschwunden sind. Gesehen hat man sie ja sowieso kaum. Heisst, dass jemand der an vielen Orten sein will und muss, notgedrungen mehr variieren muss. Und deswegen auch leiser. Megabeschallung bringt so nicht mehr viel.

Auf das Nachrichtenbombardement, entstanden mit den Privatsendern (alle fünf Minuten nicht Neues, dafür das Gleiche) folgte Wikileaks und you tube.
Das wirklich Neue ist aber das andere Muster. Das andere Muster der Wahrnehmungen, das andere Muster der Anwesenheiten, des Anzutreffen-seins.

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Donnerstag, 21. April 2011
Donnerstag, 21. April 2011
Resonanz hat es mit Ursache - Wirkung zu tun. Und ist ein Wort, dass ursprünglich die Stimme, den Klang meint. Nicht das nur optisch Nachweisbare.

Das optisch Fassbare unterliegt immer kürzeren Zeitsequenzen. Mein Lebensfilm zerfällt in Einzelbilder. Kommt dann hinzu, dass es nicht mehr nur ein Film, eine Aufnahme ist sondern viele an vielen Orten in vielen Rollen geht das Gefühl für die Selbstverständlichkeit des Kontinuums verloren.

Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, was ich gestern gefühlt und manchmal auch gedacht habe. Wenn schon vorstellen, dann aber kaum nachfühlen. Meine Gefühle sind zu stark an das Jetzt gebunden. Ich fühle jetzt. Jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt. Schon rattert die Zeitmaschine los.

Wir können uns nicht mehr vorstellen, wie es war, als wir gestern irrten, nicht nur anderer Meinung waren, sondern eine derart andere Vorstellung vom Leben hatten, dass dieses Selbst von gestern uns vorkommt wie ein anderer. Wir helfen uns mit „Lernprozess“ und „Bewusstseinsprozess“, aber was passiert ist, ist folgendes: Unser Selbstbild ist derart an die Zeit, die damalige, wie die heutige, gebunden, dass das eine mit dem anderen anscheinend nichts zu tun hat. So nachhaltig und unablässig hat das „jetzt“ die Verbindung unterbrochen.

Die Brücken, über die wir gehen, sind entweder verstandesmässiger Art: Wir erklären uns, was sich alles geändert habe, von dem wir ein Teil seien. Ergebnis ist gerade, dass wir uns nicht erinnern können.

Oder wir klammern uns an ein imaginäres Selbstbild, das keine Verbindung mehr zur Aussenwelt hat. Ergebnis ist, wir können uns nicht irren. Beides läuft auf dasselbe hinaus.

Zurück zur Resonnanz. Der Klang, der Nachklang, den etwas oder ich hinterlasse, unterliegt anderen Bedingungen und Gesetzen als das Bild und das Selbstbild. Sie ist weniger bestimmbar, weniger manipulierbar von mir, sie ist intuitiver und spricht andere Sensoren beim Gegenüber an. Die Resonnanz ist weniger „objektiv“ nachweisbar, aber beständiger und verlässlicher in der Wirkung. Was da wirkt, weiss ich selbst nicht ganz genau, genauer, ich weiss es nur zum kleinsten Teil. Um so sicherer kann ich sein, dass das, was die Resonnanz bewirkt, zum guten Teil ich selbst bin, auch wenn ich kein Bild davon habe. Deswegen macht Resonnanz auch glücklich.

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