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Freitag, 27. September 2013
Freitag, 27. September 2013
kuehnesmallworld, 13:19h
Wenn Worte nicht mehr zählen
dann hat sich das, was sie bedeuteten abgekoppelt von dem, was sie sagen. Bis zum genauen Gegenteil kann das gehen. Bis zur offenen Lüge.
Dann ist die Lüge allseits akzeptierter Offiziell-Sprech geworden. Einfach schon dadurch, dass die zweite Ebene, die Bedeutung des Gesagten verschwiegen wird. Das ist die aktuelle Lage.
Alles, was sich davon ausnimmt, wird als Widerstand verstanden.
Die Sprache ist geglättet, die Sprecher haben Kreide geschluckt, die Presse ist zur PResse geworden. Man macht in Widerspruch, macht in Kritik, aber es fehlt der Biss. Man hat der Sprache die Zähne gezogen und wundert sich jetzt, warum man nur noch Brei kriegt.
Das Pochen auf die Bedeutung des Gesagten für x und y macht Sprache wahr. Das fehlende Pochen auf die Bedeutung des Gesagten macht die Sprache zur Lüge. Nach dem Beharren darauf, was das Gesagte für x und y faktisch und ganz praktisch bedeutet, sind die Positionen bezogen und die Auseinandersetzung kann beginnen. Was bedeutet Standpunkt A, was bedeutet Standpunkt B?
Aber wir haben ja schon alles Anstössige herausredigiert. Dadurch wird schliesslich die gesamte Wahrnehmung der Welt, dito ihre "Benutzeroberfläche", zur Lüge.
Hoffähig wird die Lüge durch PR-Kampagnen, die alles und jedes abdecken und vereinnahmen. So sind Entschuldigungen heute an der Tagesordnung. Auf dringenden Rat der PR-Berater. Die Öffentlichkeit wird besänftigt. Das Wort Entschuldigung wird zur Lüge. Denn Entschuldigung ist ein Prozess. Es bedarf des Annnehmens. Ist keiner da, der die Entschuldigung annimmt, weil sie sich anonym an die Vielen wendet, bleibt es bei der Demutsgeste. Das Wesentliche der Entschuldigung, die Haltung, die die Entschuldigung zur Entschuldigung macht, die sie annehmbar oder ablehnbar macht, fehlt. Das ist kein Streit um Worte, man kann auch andere Worte verwenden, es ist ein Streit um die Bedeutung des Wortes.
Das Wörterbuch des Unmenschen (Sternberger) enthält heute viele geglättete, harmlose Worte, Entschuldigung ist eines von ihnen.
Beteiligung der Industrie an einer neues Energiepolitk heisst "Energiewende". Aber warum nennt man es dann nicht so? Dann liesse sich streiten.
Ältere heissen Senioren oder Silverager. Man preist ihre Erfahrung und demonstriert, dass man diese nicht braucht. Aber je höher der Preis für Erfahrung getrieben wird, desto manifester ist die Geiz-ist-geil-Mentalität. Wieso reden wir nicht über die Gehälter? Aber wir haben ja eine Bundeskanzlerin, die jede Menge Meinung hat zum Mindestlohn und nicht weiss, dass Menschen seit 10 Jahren in Leiharbeit stecken.
Bildung wird ein Top-Thema genannt. In Wirklichkeit finanzieren Staat und Arbeitsverwaltung Bildung zu Billigtarifen, für die Bildungsarbeiter gibt es eine Mindestlohnregelung. Warum reden wir nicht darüber, welche Bildung gemeint ist? Welche bezahlt wird und welche nicht.
Kommt es dann zum Streit, werden Positionen bezogen, die bis dahin nicht offen zur Sprache kamen, wird dieser nicht als Auseinandersetzung erlebt, sondern als Verrat. Was es verräterisch macht, ist der vorweggenommene, unausgesprochene Konsens. Lüge steht am Anfang, Verrat steht am Ende.
Freund Franzikus zieht seiner Kirche gerade ein paar Korsettstangen ein, er spricht in einem Interview vom Wochenende von
- Armut, die Bescheidenheit ist
- Liebe die Zuwendung ist
- Engagement, das unüberhörbar ist
Damit hat er diesen Worten, die verschwunden sind in den Interpretationen der Kirche, ihre Bedeutung wiedergegeben. Einen Teil der Bedeutung wenigstes.
- Armut hiess ja bis dahin: Kirchliche Ettikette, vom schwarzen Golf bis zum Bischofspalast.
- Liebe war, Normenvollzug an Schwachen und Abweichlern als "wahre" Liebe.
- Engagement war Apell.
Schon ist die Versuchung da, aus den Worten des Franz eine PR-Kampagne für die Kirche zu machen statt die Armseligkeit dieser Geste, das Unzureichende der Bemühung, die Allgegenwart des Übertönt-Seins stehen zu lassen damit wenigstens einzelne Worte wieder sagen, was sie bedeuten. Entgegen des Ettikettenschwindels, der an der Tagesordnung ist.
"Ettikettenschwindel", was für ein Wort, unserer Wahrnehmung meilenweit voraus!
Der Zugang zum Wort führt nur über das eigene Erleben, das Eingestehen einer Wirklichkeit, die vom Gesagten abweicht.
dann hat sich das, was sie bedeuteten abgekoppelt von dem, was sie sagen. Bis zum genauen Gegenteil kann das gehen. Bis zur offenen Lüge.
Dann ist die Lüge allseits akzeptierter Offiziell-Sprech geworden. Einfach schon dadurch, dass die zweite Ebene, die Bedeutung des Gesagten verschwiegen wird. Das ist die aktuelle Lage.
Alles, was sich davon ausnimmt, wird als Widerstand verstanden.
Die Sprache ist geglättet, die Sprecher haben Kreide geschluckt, die Presse ist zur PResse geworden. Man macht in Widerspruch, macht in Kritik, aber es fehlt der Biss. Man hat der Sprache die Zähne gezogen und wundert sich jetzt, warum man nur noch Brei kriegt.
Das Pochen auf die Bedeutung des Gesagten für x und y macht Sprache wahr. Das fehlende Pochen auf die Bedeutung des Gesagten macht die Sprache zur Lüge. Nach dem Beharren darauf, was das Gesagte für x und y faktisch und ganz praktisch bedeutet, sind die Positionen bezogen und die Auseinandersetzung kann beginnen. Was bedeutet Standpunkt A, was bedeutet Standpunkt B?
Aber wir haben ja schon alles Anstössige herausredigiert. Dadurch wird schliesslich die gesamte Wahrnehmung der Welt, dito ihre "Benutzeroberfläche", zur Lüge.
Hoffähig wird die Lüge durch PR-Kampagnen, die alles und jedes abdecken und vereinnahmen. So sind Entschuldigungen heute an der Tagesordnung. Auf dringenden Rat der PR-Berater. Die Öffentlichkeit wird besänftigt. Das Wort Entschuldigung wird zur Lüge. Denn Entschuldigung ist ein Prozess. Es bedarf des Annnehmens. Ist keiner da, der die Entschuldigung annimmt, weil sie sich anonym an die Vielen wendet, bleibt es bei der Demutsgeste. Das Wesentliche der Entschuldigung, die Haltung, die die Entschuldigung zur Entschuldigung macht, die sie annehmbar oder ablehnbar macht, fehlt. Das ist kein Streit um Worte, man kann auch andere Worte verwenden, es ist ein Streit um die Bedeutung des Wortes.
Das Wörterbuch des Unmenschen (Sternberger) enthält heute viele geglättete, harmlose Worte, Entschuldigung ist eines von ihnen.
Beteiligung der Industrie an einer neues Energiepolitk heisst "Energiewende". Aber warum nennt man es dann nicht so? Dann liesse sich streiten.
Ältere heissen Senioren oder Silverager. Man preist ihre Erfahrung und demonstriert, dass man diese nicht braucht. Aber je höher der Preis für Erfahrung getrieben wird, desto manifester ist die Geiz-ist-geil-Mentalität. Wieso reden wir nicht über die Gehälter? Aber wir haben ja eine Bundeskanzlerin, die jede Menge Meinung hat zum Mindestlohn und nicht weiss, dass Menschen seit 10 Jahren in Leiharbeit stecken.
Bildung wird ein Top-Thema genannt. In Wirklichkeit finanzieren Staat und Arbeitsverwaltung Bildung zu Billigtarifen, für die Bildungsarbeiter gibt es eine Mindestlohnregelung. Warum reden wir nicht darüber, welche Bildung gemeint ist? Welche bezahlt wird und welche nicht.
Kommt es dann zum Streit, werden Positionen bezogen, die bis dahin nicht offen zur Sprache kamen, wird dieser nicht als Auseinandersetzung erlebt, sondern als Verrat. Was es verräterisch macht, ist der vorweggenommene, unausgesprochene Konsens. Lüge steht am Anfang, Verrat steht am Ende.
Freund Franzikus zieht seiner Kirche gerade ein paar Korsettstangen ein, er spricht in einem Interview vom Wochenende von
- Armut, die Bescheidenheit ist
- Liebe die Zuwendung ist
- Engagement, das unüberhörbar ist
Damit hat er diesen Worten, die verschwunden sind in den Interpretationen der Kirche, ihre Bedeutung wiedergegeben. Einen Teil der Bedeutung wenigstes.
- Armut hiess ja bis dahin: Kirchliche Ettikette, vom schwarzen Golf bis zum Bischofspalast.
- Liebe war, Normenvollzug an Schwachen und Abweichlern als "wahre" Liebe.
- Engagement war Apell.
Schon ist die Versuchung da, aus den Worten des Franz eine PR-Kampagne für die Kirche zu machen statt die Armseligkeit dieser Geste, das Unzureichende der Bemühung, die Allgegenwart des Übertönt-Seins stehen zu lassen damit wenigstens einzelne Worte wieder sagen, was sie bedeuten. Entgegen des Ettikettenschwindels, der an der Tagesordnung ist.
"Ettikettenschwindel", was für ein Wort, unserer Wahrnehmung meilenweit voraus!
Der Zugang zum Wort führt nur über das eigene Erleben, das Eingestehen einer Wirklichkeit, die vom Gesagten abweicht.
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Mittwoch, 28. August 2013
Mittwoch, 28. August 2013
kuehnesmallworld, 19:26h
Vernetzung. Vom Kopfklavier spricht Helge Schneider (Songs: Fitze, Fitze, Fatze oder Katzeklo), nämlich der Fähigkeit durch Koordination im Hirn, auf dem Küchentisch oder sonstwo auf imaginären Tasten zu spielen, zu improvisieren und zu komponieren.
Auch das Vernetzen von Kontakten, Entwicklungen und Geschäfts-Ideen geht im Kopf. Nur im Kopf. Der ist zwar rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia), aber der Blick geht jeweils nur in eine Richtung, entlang der Interessen und Absichten.
Alles andere ist Sammeln.
Auch das Vernetzen von Kontakten, Entwicklungen und Geschäfts-Ideen geht im Kopf. Nur im Kopf. Der ist zwar rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Francis Picabia), aber der Blick geht jeweils nur in eine Richtung, entlang der Interessen und Absichten.
Alles andere ist Sammeln.
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Mittwoch, 17. Juli 2013
Mittwoch, 17. Juli 2013
kuehnesmallworld, 16:37h
Die Ein-Ehe hat viele ein-uneheliche Bindestrich-Kinder, die Inzest-Ehe, die Geschwister-Ehe, die Gast-Ehe, die islamische Genuss- oder Zeit-Ehe, die christliche Josefs-Ehe und jetzt also auch die Homo-Ehe.
Keimzelle von unten soll sie sein, war aber vielmehr Baustein so gut wie aller Gesellschaftsverfassungen, dynastischer, zünftiger, klerikaler und bürgerlicher Prägung und damit vor allem Instrument der Reglementierung und Disziplinierung von oben. Das Alter wurde geregelt, wer mit wem wurde geregelt, wer wen versorgt und also zu heiraten hat, alles wurde geregelt um der Stabilisierung der Gesellschaft willen. In nicht nur mittelalterlichen Zeiten war Ehe und Familiengründung nur dem gestattet, der Arbeit und damit Besitz hatte, was zeitweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung von der Heirat ausschloss, mit dem Segen der Kirche versteht sich.
Ehe ist immer Vertrag, auch wenn Ehe nicht Vertrag heisst. Die säkular gewordene Welt kennt den ausdrücklichen Ehe-Vertrag, ein Vertrag bürgerlichen Rechts zwischen den beiden vertragschliessenden Parteien. Bevor du mir mir der Moral kommst, komm ich dir mit der Sprache. Das Wort sie sollen lassen stahn: Ehe.
Wird das Wort verbogen, wird die Wahrheit gebeugt. Wo Moral ist, ist auch Doppelmoral, wo Ehe ist, sind die Bindestrich-Ehen. Aber so unterschiedlich die Hauptworte auch zusammengesetzt sind, es steckt immer noch Ehe drin. Erst wenn Vertrag nicht mehr drin steckt, wo Ehe draufsteht, hat die Lüge das Wort.
Nicht jedes Gemeinwesen braucht die Ein-Ehe, aber jedes Gemeinwesen braucht Gerechtigkeit. Und die braucht Sich-Verlassen-können. Gerechtigkeit heisst empfundene Vergleichbarkeit in einem Segment unseres Zusammenlebens. Ist die nicht gegeben werden die Verhältnisse als Machtverhältnisse und somit als Gewalt empfunden.
Die empfundene Gleichheit in der Liebe hat die empfundene Gleichheit der Lasten, der Arbeitsteilung zur Folge. Ihr folgt die Vorstellung von Gleichheit von Mann und Frau, dann die Gleichstellung im Beruf, es folgt die Gleichstellung im Steuerrecht, im Ehegattensplitting und die Gleichstellung bei der Adoption, von der Gleichheit vor Gott ganz zu schweigen.
Aber es gibt auch eine gegenläufige Bewegung: Die der Ausdifferenzierung. Beispiel: Koeducation. Teilweise werden Mädchen und Jungen wieder getrennt unterrichtet. Dann nämlich, wenn gleiche Bedingungen in Richtung Ungleichheit auszuschlagen drohen.
Das ist die Angst der Menschen: Dass sich hinter dem Streben nach Gerechtigkeit neue Ungleichheit und damit Ettikettenschwindel aufbaut. Der Widerstand ist deswegen so hartnäckig, weil die Ehe, wie immer man sie nennt, die einzige Beziehungsform ist, bei der die "Produktionsmittel" einzig in der Hand der Partner liegen. Treue ist hier Vertragstreue und Liebe ist Wahrheitsliebe.
Das Urteil über Ehe und Nicht-Ehe liegt in der Absicht, das Urteil über das, was Ehe-Bruch ist auch. Deshalb: Das Wort sie sollen lassen stahn, auf dass man sich dran stossen kann. Böse dran gestossen hat sich auch jener Super-Dogmatiker, der die Ehe vor der von ihm gutgeheissenen "christlichen" Ehe flugs zur Unzucht uminterpretierte, um den Bruch zu ermöglichen.
Warum soll es nicht zu schaffen sein, alte Ungleichheiten aus der Welt zu schaffen, ohne das Wort und mit ihm die Wahrheit? Sonst nehmen sich Extremisten und Populisten des Themas an. Die warten nur drauf. Weil sie sich den Widerstand zunutze machen wollen, der sie mehrheitsfähig machen soll.
Nach 2000 Jahre christlicher Ehe und christlichem Ehe-Bruch machen es sich Hochwürden zu einfach, Ehe einfach in Beziehung aufzulösen. Nicht jede Beziehung hat es nötig, auf Wahrheit und Gerechtigkeit zu pochen. Eine Christopher-Street-Day-Ästhetik des "Everything Goes" hilft da auch nicht weiter.
Die Menschen sind nicht blöd. Hinter trendigen Showeffekten lassen sich nämlich bequem noch weitere Anliegen durchgewinken, die schon länger auf der Agenda des Alles-ist machbar stehen: Die Gen-Manipulation, die Selektion, die Züchtung im Menschenpark. Big Brother hat einen mächtigen Kompagnon an seine Seite bekommen, Big Data. Damit wird der andere grosse Alptraum, der von unbegrenzter Kontrolle, wahrscheinlicher, dem die Einzelnen nichts mehr entgegenzusetzen haben, auch nicht ihre Beziehung, wie der Sozialist George Orwell hellsichtig erkannte.
Keimzelle von unten soll sie sein, war aber vielmehr Baustein so gut wie aller Gesellschaftsverfassungen, dynastischer, zünftiger, klerikaler und bürgerlicher Prägung und damit vor allem Instrument der Reglementierung und Disziplinierung von oben. Das Alter wurde geregelt, wer mit wem wurde geregelt, wer wen versorgt und also zu heiraten hat, alles wurde geregelt um der Stabilisierung der Gesellschaft willen. In nicht nur mittelalterlichen Zeiten war Ehe und Familiengründung nur dem gestattet, der Arbeit und damit Besitz hatte, was zeitweise mehr als die Hälfte der Bevölkerung von der Heirat ausschloss, mit dem Segen der Kirche versteht sich.
Ehe ist immer Vertrag, auch wenn Ehe nicht Vertrag heisst. Die säkular gewordene Welt kennt den ausdrücklichen Ehe-Vertrag, ein Vertrag bürgerlichen Rechts zwischen den beiden vertragschliessenden Parteien. Bevor du mir mir der Moral kommst, komm ich dir mit der Sprache. Das Wort sie sollen lassen stahn: Ehe.
Wird das Wort verbogen, wird die Wahrheit gebeugt. Wo Moral ist, ist auch Doppelmoral, wo Ehe ist, sind die Bindestrich-Ehen. Aber so unterschiedlich die Hauptworte auch zusammengesetzt sind, es steckt immer noch Ehe drin. Erst wenn Vertrag nicht mehr drin steckt, wo Ehe draufsteht, hat die Lüge das Wort.
Nicht jedes Gemeinwesen braucht die Ein-Ehe, aber jedes Gemeinwesen braucht Gerechtigkeit. Und die braucht Sich-Verlassen-können. Gerechtigkeit heisst empfundene Vergleichbarkeit in einem Segment unseres Zusammenlebens. Ist die nicht gegeben werden die Verhältnisse als Machtverhältnisse und somit als Gewalt empfunden.
Die empfundene Gleichheit in der Liebe hat die empfundene Gleichheit der Lasten, der Arbeitsteilung zur Folge. Ihr folgt die Vorstellung von Gleichheit von Mann und Frau, dann die Gleichstellung im Beruf, es folgt die Gleichstellung im Steuerrecht, im Ehegattensplitting und die Gleichstellung bei der Adoption, von der Gleichheit vor Gott ganz zu schweigen.
Aber es gibt auch eine gegenläufige Bewegung: Die der Ausdifferenzierung. Beispiel: Koeducation. Teilweise werden Mädchen und Jungen wieder getrennt unterrichtet. Dann nämlich, wenn gleiche Bedingungen in Richtung Ungleichheit auszuschlagen drohen.
Das ist die Angst der Menschen: Dass sich hinter dem Streben nach Gerechtigkeit neue Ungleichheit und damit Ettikettenschwindel aufbaut. Der Widerstand ist deswegen so hartnäckig, weil die Ehe, wie immer man sie nennt, die einzige Beziehungsform ist, bei der die "Produktionsmittel" einzig in der Hand der Partner liegen. Treue ist hier Vertragstreue und Liebe ist Wahrheitsliebe.
Das Urteil über Ehe und Nicht-Ehe liegt in der Absicht, das Urteil über das, was Ehe-Bruch ist auch. Deshalb: Das Wort sie sollen lassen stahn, auf dass man sich dran stossen kann. Böse dran gestossen hat sich auch jener Super-Dogmatiker, der die Ehe vor der von ihm gutgeheissenen "christlichen" Ehe flugs zur Unzucht uminterpretierte, um den Bruch zu ermöglichen.
Warum soll es nicht zu schaffen sein, alte Ungleichheiten aus der Welt zu schaffen, ohne das Wort und mit ihm die Wahrheit? Sonst nehmen sich Extremisten und Populisten des Themas an. Die warten nur drauf. Weil sie sich den Widerstand zunutze machen wollen, der sie mehrheitsfähig machen soll.
Nach 2000 Jahre christlicher Ehe und christlichem Ehe-Bruch machen es sich Hochwürden zu einfach, Ehe einfach in Beziehung aufzulösen. Nicht jede Beziehung hat es nötig, auf Wahrheit und Gerechtigkeit zu pochen. Eine Christopher-Street-Day-Ästhetik des "Everything Goes" hilft da auch nicht weiter.
Die Menschen sind nicht blöd. Hinter trendigen Showeffekten lassen sich nämlich bequem noch weitere Anliegen durchgewinken, die schon länger auf der Agenda des Alles-ist machbar stehen: Die Gen-Manipulation, die Selektion, die Züchtung im Menschenpark. Big Brother hat einen mächtigen Kompagnon an seine Seite bekommen, Big Data. Damit wird der andere grosse Alptraum, der von unbegrenzter Kontrolle, wahrscheinlicher, dem die Einzelnen nichts mehr entgegenzusetzen haben, auch nicht ihre Beziehung, wie der Sozialist George Orwell hellsichtig erkannte.
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