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Montag, 28. Januar 2013
Montag, 28. Januar 2013
kuehnesmallworld, 18:20h
Ausbeute vom Wochende: Dieter Bohlen spricht vom Geld. Wenn er singt, höre er den Zähler klackern: 100, 200, 300 €uro ... bei 8000 €uro (oder waren es 80.000?) sage er sich, jetzt reiche es. An Aussagen wie dieser, an denen das angeblich Schockierende nur schockiert vor dem Hintergrund der verlogenen Schamhaftigkeit, mit der wir die Blösse der Kunst bedecken, wenn sie es mit Geld zu tun bekommt.
Harald Schmidt dagegen sagt, ich glaube sogar in dergleichen Zeitung, ihm reiche, was er bekommt. Er gehe seit 18 Jahren zur Arbeit ins Studio und käme nach der Arbeit wieder raus. Das sei ok so. Er dürfte auch nicht schlecht verdienen, aber bei ihm liegt der Schwerpunkt der Aussage auf der Arbeit. Zum Thema Werbung sagt er: Er habe ja schon für alles geworben. da gehe nicht mehr viel. So weit, so gut. Wenn er dann aber zu verstehen gibt, seine Sendung spräche vor allem ältere Herren an, dann steckt da schon mehr Wahrheit drin, als man erwarten kann. Schmidt hat jetzt als sein Sendeghetto also beim Bezahlsender gefunden, nicht mehr für jeden zugänglich, dafür aber dann mit einer gewissen Klarheit, Wahrheit und Rücksichtslosigkeit verbunden, die angesichts einer grösseren Zielgruppe nicht mehr zu erwarten ist. Übrigens antwortet er auf die Frage, ob es ihm denn passe, wenn seine Sendung nur inklusive eines käuflich zu erwerbenden Filmpakets mit vermarktet werde, das sei ihm wurscht, das sei Sache des Vertriebs. Er hat es also hinter die Kulissen geschoben. Ins Bezahlghetto.
Ganze Welten werden inzwischen in Ghettos verschoben. Kommerzielle Verhältnisse, Vergangenheiten, Kunst und so manch anderes tauchen dann in einiger Entfernung als Nostalgie-Welten wieder auf. Schön abgekapselt, in sich geschlossen und stimmig. Statt wie Marcel Proust in einen Madeleine-Gebäck zu beissen, um mit dem Geschmack plötzlich seine ganze Kindheits- und Jugendzeit auf der Zunge und vor Augen zu haben, tun es auf gesellschaftlich-sozialer Ebene Erinnerungs-Versatzstücke, die ganze Welten auferstehen lassen. Kaum werden wir bspw. des Hinterteils der Vespa ansichtig, steigen in uns Nostalgiegefühle auf. Und unterlegt von zeitgemässem Schlagersound die sogenannten und vermeintlichen 50ger Jahre, aus denen alles entfernt wurde, was nicht in ein Bild passt, das überhaupt erst als Gegenbild zur Gegenwart entstanden ist. In unzähligen Sendungen und Bildern, aus denen die Armut herausretuschiert wurde, aus denen der flehentliche Wunsch herausretuschiert wurde, die Zeit möge sich doch bitte endlich, endlich auch für einen selbst zum besseren wenden, aus denen die Unterdrückung und das Zurückgesetzt sein herausretuschiert wurde samt des Wunsches sich eines Tages auch ein Auto leisten zu können. Was übrig bleibt. privat wie gesellschaftlich, ist die gute alte Zeit, die in sich ruht und ein nicht verwackeltes Bild ergibt, weil aus ihr die Zeit selbst entfernt wurde. Dies ist die Quelle unzähliger Nostagiewelten, die täglich aufs neue enstehen. Erinnerungsghettos, in denen wir vergessen können, dass wir auch heute immer noch nicht zufrieden sind.
Aber auch die Unzufriedenheit, wurde längst schon zum Ghetto, die kritische Haltung erstarrt zur Pose, die einen an die grossen Erwartungen zu erinnern hat, mit der man einmal gestartet ist. Ein Gedanke, der wehtut, einen unzufrieden zurücklässt und sich nicht konservieren lässt, ganz einfach, weil Schmerz nicht adaptiert.
Harald Schmidt dagegen sagt, ich glaube sogar in dergleichen Zeitung, ihm reiche, was er bekommt. Er gehe seit 18 Jahren zur Arbeit ins Studio und käme nach der Arbeit wieder raus. Das sei ok so. Er dürfte auch nicht schlecht verdienen, aber bei ihm liegt der Schwerpunkt der Aussage auf der Arbeit. Zum Thema Werbung sagt er: Er habe ja schon für alles geworben. da gehe nicht mehr viel. So weit, so gut. Wenn er dann aber zu verstehen gibt, seine Sendung spräche vor allem ältere Herren an, dann steckt da schon mehr Wahrheit drin, als man erwarten kann. Schmidt hat jetzt als sein Sendeghetto also beim Bezahlsender gefunden, nicht mehr für jeden zugänglich, dafür aber dann mit einer gewissen Klarheit, Wahrheit und Rücksichtslosigkeit verbunden, die angesichts einer grösseren Zielgruppe nicht mehr zu erwarten ist. Übrigens antwortet er auf die Frage, ob es ihm denn passe, wenn seine Sendung nur inklusive eines käuflich zu erwerbenden Filmpakets mit vermarktet werde, das sei ihm wurscht, das sei Sache des Vertriebs. Er hat es also hinter die Kulissen geschoben. Ins Bezahlghetto.
Ganze Welten werden inzwischen in Ghettos verschoben. Kommerzielle Verhältnisse, Vergangenheiten, Kunst und so manch anderes tauchen dann in einiger Entfernung als Nostalgie-Welten wieder auf. Schön abgekapselt, in sich geschlossen und stimmig. Statt wie Marcel Proust in einen Madeleine-Gebäck zu beissen, um mit dem Geschmack plötzlich seine ganze Kindheits- und Jugendzeit auf der Zunge und vor Augen zu haben, tun es auf gesellschaftlich-sozialer Ebene Erinnerungs-Versatzstücke, die ganze Welten auferstehen lassen. Kaum werden wir bspw. des Hinterteils der Vespa ansichtig, steigen in uns Nostalgiegefühle auf. Und unterlegt von zeitgemässem Schlagersound die sogenannten und vermeintlichen 50ger Jahre, aus denen alles entfernt wurde, was nicht in ein Bild passt, das überhaupt erst als Gegenbild zur Gegenwart entstanden ist. In unzähligen Sendungen und Bildern, aus denen die Armut herausretuschiert wurde, aus denen der flehentliche Wunsch herausretuschiert wurde, die Zeit möge sich doch bitte endlich, endlich auch für einen selbst zum besseren wenden, aus denen die Unterdrückung und das Zurückgesetzt sein herausretuschiert wurde samt des Wunsches sich eines Tages auch ein Auto leisten zu können. Was übrig bleibt. privat wie gesellschaftlich, ist die gute alte Zeit, die in sich ruht und ein nicht verwackeltes Bild ergibt, weil aus ihr die Zeit selbst entfernt wurde. Dies ist die Quelle unzähliger Nostagiewelten, die täglich aufs neue enstehen. Erinnerungsghettos, in denen wir vergessen können, dass wir auch heute immer noch nicht zufrieden sind.
Aber auch die Unzufriedenheit, wurde längst schon zum Ghetto, die kritische Haltung erstarrt zur Pose, die einen an die grossen Erwartungen zu erinnern hat, mit der man einmal gestartet ist. Ein Gedanke, der wehtut, einen unzufrieden zurücklässt und sich nicht konservieren lässt, ganz einfach, weil Schmerz nicht adaptiert.
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Freitag, 25. Januar 2013
Freitag, 25. Januar 2013
kuehnesmallworld, 10:35h
Zu selbstverständlich, als dass es einem noch auffällt: Das Wort. So sind meine diversen Suchbewegungen in den letzten Wochen und Monaten zusammenzuführen. Zu ausschliesslich ist der Blick auf die Digitalisierung gerichtet. Zu fasziniert sind wir von den Algorithmus-Geheimrezepten, die dadurch, dass man ein Geheimnis um sie macht, den wolkigen Nimbus noch anstacheln. Kümmern wir uns konkret um die Konditionen der Platzierung, lesen wir Sätze wie diesen: „Der Title Tag sollte einen Teil des vorhandenen Textes wiedergeben, aber nicht Wort für Wort. Wichtig ist die Beschränkung auf drei bis vier Suchbegriffe pro Title.“ Zitiert nach www.netzmarketing.ch, ein Projekt der CTEK GmbH. Oder wir lesen die durchaus nachvollziehbare Äusserung: „Die Inhalte einer Webseite, und das umfasst alle vom Autor direkt beeinflussbaren Aspekte wie etwa die URL, stellen nach wie vor die Grundlage der Suchverfahren da. Allerdings haben die Informationen aus den Off-Page-Faktoren meist einen höheren Einfluss auf die Sortierung. Innerhalb der On-Page-Faktoren spielt der Inhalt des title-Tags die wichtigste Rolle. Wörter, die im title einer Seite vorkommen, bewerten alle Suchmaschinen sehr hoch. Daneben ist auch der Inhalt der HTML-Überschriften wie h1 oder h2 noch zu erwähnen; alle weiteren Stellen (Metatags, ALT-Attribut, etc.) im HTML-Code sind dagegen eher zu vernachlässigen und bringen kaum mehr Ranking-Punkte als ein Vorkommen im normalen sichtbaren Text einer Seite.“ Zitiert nach www.suchmaschinentricks.de/ranking/grundlagen, eine Website der Gipfelstolz GmbH, Passau. Natürlich haben wir den Alchimisten der Geheimrezepte damit noch nicht in den Kochtopf insbesondere der Verlinkung geschaut, in dem sie Ihre Mischungen und Mixturen zusammenrühren.
Trotzdem: Basis unseres Suchens und Findens in Netz und Suchmaschine sind Worte, Worte, abgebildet im Binärcode (siehe 10. Januar 2013). Das erklärt, warum zunehmend die Aufmerksamkeit wieder dem Wort, der Sprache, zugute kommt. Es gilt das zutreffende Suchwort zu finden, um Content-Monokulturen, Textwüsten und Wortwolken zu durchforsten. Er gilt das richtige Stichwort zu finden, um seine Lieblingssendung in der Mediathek zu finden. Es gilt, sich das richtige Wort für die Domain-Adresse sichern zu lassen. Worte, die Geld kosten, die gekauft und gehortet werden. Es führt kein Weg daran vorbei, sich des Wortes zu bedienen. Das befördert eine neue Fokussierung auf das Wort durch die permanente Notwendigkeit des Suchens. Auch werden damit die alten Grenzen, wie die zur „Hochkultur“ und den Hohepriestern des Wortes in Frage gestellt. Was immer man an den Worten im Einzelnen auszusetzen hat, es sind Worte.
Die digitale Verfügbarkeit des Wortes kratzt nicht nur an alten Autoritäten, sondern „autorisiert“ neue Mitspieler, die nicht unbedingt mehr einen weihevollen Ton anschlagen und Zugänglichkeit mit Verhunzung geschickt verbinden. 4you und das von mir favorisierte Bre4 sind solche Verhunzungen. Ihr Sinn erschliesst sich nur, wenn der Leser weiss, dass die Zahl 4 four auf Englisch und vier auf Deutsch heisst. Der Leser schaltet dabei hin und her zwischen Ziffer und Wort, zwischen verschiedenen Bedeutungsebenen und verschiedenen Sprachen auch. Per Transformierung und „downsizing“ kommt das Wort in den Mund und per „download“ in die Kultur. Eine Kultur, die basierend auch auf Religion, nicht von ungefähr „Schriftkultur“ und „Buchreligion“ gehiessen werden und schon vieles gesehen und gehört haben, was sie nicht umgebracht, nur verändert, hat.
Die neue Aufmerksamkeit für das Wort perforiert auch die Grenze zur anderen Seite, der zur Massenkultur und Unterprivilegierung hin. Hat man vor Jahren noch geglaubt, die Bildsprache ersetze die Schriftsprache, so ist heute ein Durcheinander und Nebeneinander von Schrift und Bild zu beobachten. Man stiert in die Bilderwelt des Smartphones und tippt sich die Finger wund. Ob tweets, messages oder mails, hier wird geschrieben. Der Alphabetisierung wird nicht mehr verschämt, sondern offen plakatiert das Wort geredet. Der Altmeister einer Alphabetisierung mit politisch-sozialem Anspruch, Paolo Freire, hat auch in der digitalen Gegenwart ein Auditorium. Die „Pädagogik der Unterdrückten“, für die er fast ausschliesslich bekannt ist, wandert ein in die technisierten Räume unserer Gesellschaft und wird zu einer „Pädagogik der Kommunikation“, die auch das Wort Alphabetisierung neu buchstabiert.:
„Freires Pädagogik ist eine Pädagogik der Kommunikation, denn durch die Kommunikation erfolgt eine Reflexion und damit Bewusstseinsbildung. Durch diese Bewusstseinsbildung ist es dem Menschen möglich, Autonomie zu erlangen. Die Aktualität dieser Konzepte zeigt sich schon durch neue Kommunikations-und Informationsmöglichkeiten, die den Menschen vor neue Herausforderungen stellen. So kann Freires Pädagogik wichtige Impulse liefern für die Medienpädagogik.“ (Michael Schwinger: Du kannst sogar Fotograf sein! Medienpädagogische Arbeit mit brasilianischen Straßenkindern. Frankfurt 2005).
Die Pädagogik der Unterdrückten hat Worte als Werkzeuge der Unterdrückung auf den Stundenplan gesetzt, die Pädagogik der Kommunikation setzt Worte als Werkzeuge der Verdummung und fehlender Reflexion auf die Agenda. Auf dieser steht dann bei uns nicht mehr allein die Alphabetisierung für MigrantInnen, sondern die Alphabetisierung der Teilnehmer an der digitalen Wirklichkeit und ihre Aufklärung über die informationelle Selbstbestimmung und Bürgerrecht.
„Es gibt kein wirkliches Wort, das nicht gleichzeitig Praxis wäre. Ein wirkliches Wort sagen heißt daher, die Welt verändern." (Paulo Freire: Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit. Reinbeck bei Hamburg, 1984, S. 71 zit. nach http://www.pfz.at, dem Paolo Freire Zentrum Österreich. Diese, unsere Worte der Praxis heute, sind zu finden. Das Publikum dafür ist anders zusammengesetzt, als das, welches frühere Alphabetisierungen besucht hat. Einerseits kritischen Blicks, aber doch machtlos, wenn es darum geht, die Worthülsen der Verdummung und Verödung auseinanderzunehmen. Davor schützt auch kein MBA. Die „Schlüsselwortmethode“ nach Paolo Freire, die Wahl von Worten mit hoher Bedeutung für unsere Lebenswelt, für unser Selbstwertgefühl, ist beiden Alphabetisierungen gemeinsam. (vgl. Svenja Opitz: Alphabetisierung nach Paulo Freire: Die Schlüsselwortmethode; Veröffentlichung Universität Leipzig, Herder Projekt). Apercu am Rande: Vorrang hat in beiden Fällen die ganzheitliche Methode des „Lesenlernens“ durch das ganze Wort, den Satz, die Aussage. Die Worte selbst sind allerdings sind oft andere. Einige Beispiele:
Die „Schlecker-Frau“ (17. Januar 2013) ist so ein Wort. Ein Wort in aller Munde, ein ambivalentes Wort, aber doch ein Wort, das Betroffenen einen Namen gibt. In „Schlecker-Frau steckt die Lebenswirklichkeit vieler Frauen, stecken die ihnen vorenthaltenen Aufstiegs und Bildungschancen, steckt die Arroganz der Arbeitsverwaltung. Das alles steckt in „Schlecker-Frau“, wenn sie sich der Wort-Hülse entledigt und anschaulich wird.
Ein neues Schlüsselwort ist „Lebensleistungsrente“. Ein Zusatz erst einmal nur. Ein Zusatz zu „Rente“. Das Wort reicht nicht mehr, weil die Rente nicht reicht. Erklärungen, wortreiche und überflüssige zumal, wecken unser Misstrauen. Die Rente war der Inbegriff der Lebensleistung. Ein in der Sprache seit Jahrhunderten verwurzeltes Wort. Muss es ergänzt, verändert und neu zusammengesetzt werden, liegt der Verdacht nah, dass sich mehr ändert als das Wort. Auch der Verdacht ist zunächst nicht bewusst. Was man merkt, ist, dass man bei dem Wort ein „komisches Gefühl“ hat, ein Gefühl mehr verabreicht zu bekommen und weniger zu erhalten, ein Gefühl, als erhalte man ein Ersatzpräparat.
„Hartz“, ein Wort in aller Munde, hat das Wort „Sozialhilfe“ abgelöst, und wurde so gebräuchlich dass es bereits zum Tu-Wort wurde, „hartzen“. Eine Lebensweise ist draus geworden. Etwas Persönliches. Etwas, das den Namen eines Menschen trägt. Etwas zum Identifizieren. Das erinnert an Fussballstadien, Plätze, Schiffe, Tagungszentren, die den Namen eines Menschen tragen. Aus Verehrung, Erinnerung oder auch des Sponsoring wegen. Warum „hartzen“ wir, warum „riestern“ wir? An was erinnern wir uns, damit wir uns nicht erinnern müssen? Wir wissen nur zu gut: Von Zeit zu Zeit wird umbenannt.
Den „Asylanten“ hatte ich früher schon mal in der Mangel. Auch ein Schlüsselwort, aber nicht mehr brandaktuell. Energisch wurde im öffentlichen Sprachgebrauch ein anderes Wort durchgesetzt: Menschen mit „Migrationshintergrund“. Migrant hätte näher gelegen aber lautmalerisch zu sehr an Asylant erinnert. Und an Simulant. Oder an Praktikant. Mit dieser Endung haben wir keine gute Erfahrung. Sie entpersonalisiert. Endungen für Menschen enden meist geschlechtsspezifisch. Sie lauten z.B. auf „e“, „in“, „er“ „innen“. Da kommt es auf jeden Buchstaben an, „...ant“ wirkt entpersönlicht und damit negativ.
Das sind nur einige Beispiele, an denen wir unsere Lebenswirklichkeit durchbuchstabieren können. Entgegen oberflächlichen Bedeutungszuschreibungen, wie sie auch in der Politik gang und gäbe sind. Auf denen Politik nur allzugerne surft, wie den „Peacekeeper“ - Raketen von einst oder der „Lebensleistungsrente“ von heute. Für das Auseinandernehmen der Sprache in ihre Bestandteile (Gebrauch, Gefühl, Wortbedeutung, Wortschöpfung) empfiehlt sich das Wort „Dekonstruktion“, ein Wort aus der Begriffswelt der Technik und des Konstruierens. Und ein Wort auch aus der Philosophie, der Philosophie Jacques Derridas (1930 - 2004), dessen Philosophie oft am einzelnen Wort ansetzt und es fragwürdig macht. Hierzulande aber wird zuerst die Systemfrage gestellt, mit der Folge der Kapitulation vor demselben. Wer dagegen am Wort ansetzt, spricht ein Gegenüber an.
Auch hier wird mit Hilfe des Wortes eine Grenze überschritten, und zwar die zwischen Philosophie und Technik. Statt „Konstruktion“ läge uns im Grunde das Wort „Rekonstruktion“ näher. Es wirkt auch philosophischer, ihm läge aber die Vorstellung einer ursprünglichen Wortbedeutung zu Grunde. Die aber ändert sich mit der Zeit. Und genau diese Erkenntnis mobilisiert Gegenwehr gegen Verdummung und Manipulation.
Von verschiedenen Seiten landen wir beim Wort. Von der Seite der digitalen Entwicklung, von der Veränderung der Lebenswelt, von der Veränderung der Sprache her.
Wir landen beim Wort, weil uns buchstäblich die Verramschung und Verhunzung des Wortes in der Werbung, der Poltik und andernorts zum Halse heraushängt. Mit dem Wort ist ein Instrument zur Hand, Bedeutung und Sinn abzugleichen.
Trotzdem: Basis unseres Suchens und Findens in Netz und Suchmaschine sind Worte, Worte, abgebildet im Binärcode (siehe 10. Januar 2013). Das erklärt, warum zunehmend die Aufmerksamkeit wieder dem Wort, der Sprache, zugute kommt. Es gilt das zutreffende Suchwort zu finden, um Content-Monokulturen, Textwüsten und Wortwolken zu durchforsten. Er gilt das richtige Stichwort zu finden, um seine Lieblingssendung in der Mediathek zu finden. Es gilt, sich das richtige Wort für die Domain-Adresse sichern zu lassen. Worte, die Geld kosten, die gekauft und gehortet werden. Es führt kein Weg daran vorbei, sich des Wortes zu bedienen. Das befördert eine neue Fokussierung auf das Wort durch die permanente Notwendigkeit des Suchens. Auch werden damit die alten Grenzen, wie die zur „Hochkultur“ und den Hohepriestern des Wortes in Frage gestellt. Was immer man an den Worten im Einzelnen auszusetzen hat, es sind Worte.
Die digitale Verfügbarkeit des Wortes kratzt nicht nur an alten Autoritäten, sondern „autorisiert“ neue Mitspieler, die nicht unbedingt mehr einen weihevollen Ton anschlagen und Zugänglichkeit mit Verhunzung geschickt verbinden. 4you und das von mir favorisierte Bre4 sind solche Verhunzungen. Ihr Sinn erschliesst sich nur, wenn der Leser weiss, dass die Zahl 4 four auf Englisch und vier auf Deutsch heisst. Der Leser schaltet dabei hin und her zwischen Ziffer und Wort, zwischen verschiedenen Bedeutungsebenen und verschiedenen Sprachen auch. Per Transformierung und „downsizing“ kommt das Wort in den Mund und per „download“ in die Kultur. Eine Kultur, die basierend auch auf Religion, nicht von ungefähr „Schriftkultur“ und „Buchreligion“ gehiessen werden und schon vieles gesehen und gehört haben, was sie nicht umgebracht, nur verändert, hat.
Die neue Aufmerksamkeit für das Wort perforiert auch die Grenze zur anderen Seite, der zur Massenkultur und Unterprivilegierung hin. Hat man vor Jahren noch geglaubt, die Bildsprache ersetze die Schriftsprache, so ist heute ein Durcheinander und Nebeneinander von Schrift und Bild zu beobachten. Man stiert in die Bilderwelt des Smartphones und tippt sich die Finger wund. Ob tweets, messages oder mails, hier wird geschrieben. Der Alphabetisierung wird nicht mehr verschämt, sondern offen plakatiert das Wort geredet. Der Altmeister einer Alphabetisierung mit politisch-sozialem Anspruch, Paolo Freire, hat auch in der digitalen Gegenwart ein Auditorium. Die „Pädagogik der Unterdrückten“, für die er fast ausschliesslich bekannt ist, wandert ein in die technisierten Räume unserer Gesellschaft und wird zu einer „Pädagogik der Kommunikation“, die auch das Wort Alphabetisierung neu buchstabiert.:
„Freires Pädagogik ist eine Pädagogik der Kommunikation, denn durch die Kommunikation erfolgt eine Reflexion und damit Bewusstseinsbildung. Durch diese Bewusstseinsbildung ist es dem Menschen möglich, Autonomie zu erlangen. Die Aktualität dieser Konzepte zeigt sich schon durch neue Kommunikations-und Informationsmöglichkeiten, die den Menschen vor neue Herausforderungen stellen. So kann Freires Pädagogik wichtige Impulse liefern für die Medienpädagogik.“ (Michael Schwinger: Du kannst sogar Fotograf sein! Medienpädagogische Arbeit mit brasilianischen Straßenkindern. Frankfurt 2005).
Die Pädagogik der Unterdrückten hat Worte als Werkzeuge der Unterdrückung auf den Stundenplan gesetzt, die Pädagogik der Kommunikation setzt Worte als Werkzeuge der Verdummung und fehlender Reflexion auf die Agenda. Auf dieser steht dann bei uns nicht mehr allein die Alphabetisierung für MigrantInnen, sondern die Alphabetisierung der Teilnehmer an der digitalen Wirklichkeit und ihre Aufklärung über die informationelle Selbstbestimmung und Bürgerrecht.
„Es gibt kein wirkliches Wort, das nicht gleichzeitig Praxis wäre. Ein wirkliches Wort sagen heißt daher, die Welt verändern." (Paulo Freire: Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit. Reinbeck bei Hamburg, 1984, S. 71 zit. nach http://www.pfz.at, dem Paolo Freire Zentrum Österreich. Diese, unsere Worte der Praxis heute, sind zu finden. Das Publikum dafür ist anders zusammengesetzt, als das, welches frühere Alphabetisierungen besucht hat. Einerseits kritischen Blicks, aber doch machtlos, wenn es darum geht, die Worthülsen der Verdummung und Verödung auseinanderzunehmen. Davor schützt auch kein MBA. Die „Schlüsselwortmethode“ nach Paolo Freire, die Wahl von Worten mit hoher Bedeutung für unsere Lebenswelt, für unser Selbstwertgefühl, ist beiden Alphabetisierungen gemeinsam. (vgl. Svenja Opitz: Alphabetisierung nach Paulo Freire: Die Schlüsselwortmethode; Veröffentlichung Universität Leipzig, Herder Projekt). Apercu am Rande: Vorrang hat in beiden Fällen die ganzheitliche Methode des „Lesenlernens“ durch das ganze Wort, den Satz, die Aussage. Die Worte selbst sind allerdings sind oft andere. Einige Beispiele:
Die „Schlecker-Frau“ (17. Januar 2013) ist so ein Wort. Ein Wort in aller Munde, ein ambivalentes Wort, aber doch ein Wort, das Betroffenen einen Namen gibt. In „Schlecker-Frau steckt die Lebenswirklichkeit vieler Frauen, stecken die ihnen vorenthaltenen Aufstiegs und Bildungschancen, steckt die Arroganz der Arbeitsverwaltung. Das alles steckt in „Schlecker-Frau“, wenn sie sich der Wort-Hülse entledigt und anschaulich wird.
Ein neues Schlüsselwort ist „Lebensleistungsrente“. Ein Zusatz erst einmal nur. Ein Zusatz zu „Rente“. Das Wort reicht nicht mehr, weil die Rente nicht reicht. Erklärungen, wortreiche und überflüssige zumal, wecken unser Misstrauen. Die Rente war der Inbegriff der Lebensleistung. Ein in der Sprache seit Jahrhunderten verwurzeltes Wort. Muss es ergänzt, verändert und neu zusammengesetzt werden, liegt der Verdacht nah, dass sich mehr ändert als das Wort. Auch der Verdacht ist zunächst nicht bewusst. Was man merkt, ist, dass man bei dem Wort ein „komisches Gefühl“ hat, ein Gefühl mehr verabreicht zu bekommen und weniger zu erhalten, ein Gefühl, als erhalte man ein Ersatzpräparat.
„Hartz“, ein Wort in aller Munde, hat das Wort „Sozialhilfe“ abgelöst, und wurde so gebräuchlich dass es bereits zum Tu-Wort wurde, „hartzen“. Eine Lebensweise ist draus geworden. Etwas Persönliches. Etwas, das den Namen eines Menschen trägt. Etwas zum Identifizieren. Das erinnert an Fussballstadien, Plätze, Schiffe, Tagungszentren, die den Namen eines Menschen tragen. Aus Verehrung, Erinnerung oder auch des Sponsoring wegen. Warum „hartzen“ wir, warum „riestern“ wir? An was erinnern wir uns, damit wir uns nicht erinnern müssen? Wir wissen nur zu gut: Von Zeit zu Zeit wird umbenannt.
Den „Asylanten“ hatte ich früher schon mal in der Mangel. Auch ein Schlüsselwort, aber nicht mehr brandaktuell. Energisch wurde im öffentlichen Sprachgebrauch ein anderes Wort durchgesetzt: Menschen mit „Migrationshintergrund“. Migrant hätte näher gelegen aber lautmalerisch zu sehr an Asylant erinnert. Und an Simulant. Oder an Praktikant. Mit dieser Endung haben wir keine gute Erfahrung. Sie entpersonalisiert. Endungen für Menschen enden meist geschlechtsspezifisch. Sie lauten z.B. auf „e“, „in“, „er“ „innen“. Da kommt es auf jeden Buchstaben an, „...ant“ wirkt entpersönlicht und damit negativ.
Das sind nur einige Beispiele, an denen wir unsere Lebenswirklichkeit durchbuchstabieren können. Entgegen oberflächlichen Bedeutungszuschreibungen, wie sie auch in der Politik gang und gäbe sind. Auf denen Politik nur allzugerne surft, wie den „Peacekeeper“ - Raketen von einst oder der „Lebensleistungsrente“ von heute. Für das Auseinandernehmen der Sprache in ihre Bestandteile (Gebrauch, Gefühl, Wortbedeutung, Wortschöpfung) empfiehlt sich das Wort „Dekonstruktion“, ein Wort aus der Begriffswelt der Technik und des Konstruierens. Und ein Wort auch aus der Philosophie, der Philosophie Jacques Derridas (1930 - 2004), dessen Philosophie oft am einzelnen Wort ansetzt und es fragwürdig macht. Hierzulande aber wird zuerst die Systemfrage gestellt, mit der Folge der Kapitulation vor demselben. Wer dagegen am Wort ansetzt, spricht ein Gegenüber an.
Auch hier wird mit Hilfe des Wortes eine Grenze überschritten, und zwar die zwischen Philosophie und Technik. Statt „Konstruktion“ läge uns im Grunde das Wort „Rekonstruktion“ näher. Es wirkt auch philosophischer, ihm läge aber die Vorstellung einer ursprünglichen Wortbedeutung zu Grunde. Die aber ändert sich mit der Zeit. Und genau diese Erkenntnis mobilisiert Gegenwehr gegen Verdummung und Manipulation.
Von verschiedenen Seiten landen wir beim Wort. Von der Seite der digitalen Entwicklung, von der Veränderung der Lebenswelt, von der Veränderung der Sprache her.
Wir landen beim Wort, weil uns buchstäblich die Verramschung und Verhunzung des Wortes in der Werbung, der Poltik und andernorts zum Halse heraushängt. Mit dem Wort ist ein Instrument zur Hand, Bedeutung und Sinn abzugleichen.
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Dienstag, 22. Januar 2013
Dienstag, 22. Januar 2013
kuehnesmallworld, 10:00h
Der amerikanische Autor Jonathan Franzen (Korrekturen, Freiheit) lässt sich in der Samstagsausgabe der Welt, und zwar in der „Literarischen Welt“ doch tatsächlich aus über das Verhältnis zwischen Literatur und Ökonomie. Das Thema, bei dem dem deutschen Literaturkritiker eher der Griffel abbricht als das er etwas zustande bringt, was über die Gemeinplätze Kultur versus Kommerz hinausgeht. Ein Gemeinplatz ist ein Platz, auf dem sich möglichst viele treffen können, von dem man annimmt, dass dort alles mehr oder weniger widerspruchslos hingenommen wird. Anders gesagt: Man ist sich allgemeiner Empörung, Ablehnung oder Zustimmung sicher.
Ausgehend vom bekanntesten Protagonisten, dem Robinson-Autor Daniel Defoe, weist Franzen darauf hin, dass der Schriftsteller und auch der Journalist zunächst einen Anlass fürs Erzählen und Berichten schafft. So bspw. durch den Besuch einer Örtlichkeit, idealtypisch dafür ist die Insel, auf der (im Gegensatz zum alltäglichen Festland) das ganz andere, das Besondere lokalisiert ist. Somit ist Ökonomie im Spiel, mit der Frage nämlich, wer bezahlt die Reise? So also hört sich das an, wenn man Tacheles redet. Die Amerikaner nennen das „stunt jounalism“. Franzen geht dann noch weiter und deutet an, dass das Spannungsverhältnis zwischen Erzählanlass und sich entwickelnder (Roman-) Form
schliesslich auch Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Schriftsteller und Gesellschaft zeitigt. Im klassischen Robinson-Muster sieht das so aus: Hier Festland, da Insel.
Insel - Festland sind Gegensätze, aber keine ausschliesslichen, eher schon eine Laborsituation, eine zeitgebundene obendrein. „Stunt jounalism“, so also hört sich das an, wenn man keine Dichotomie, hie Geist - da Geld, zelebriert, sondern die Art der Beziehung definiert und Fakten nennt. Fakten, die sofort eines nach sich ziehen: Transparenz (Zahlen, Reisekosten). Transparenz, die dann die offene Diskussion um Einfluss und Meinung erst ermöglicht.
Währenddessen die epochale Schlacht um Geist und Geld eher der Verschleierung dient. Verschleierung, dass z.B. mit Mieteinnahmen die Verlagsbilanz aufgepeppt wird, dass Quoten- und Auflagenbringer das literarische Programm finanzieren, dass man beim Personalabbau meist keine Skrupel hat, auf die ökonomische Zwangslage zu verweisen.
Die Lust, mit der ich Marketing mache, wenn ich kommende Kunden und kommerzielle Beweggründe anspreche, ist für mich mein Beitrag zur Pulverisierung des Status quo, der Doppelmoral, die jeweils der Verschleierung auf dem Fusse folgt. Wovon wir leben, meistens schlechter als die Geistesgrössen, nämlich von Geld, Gold, Grund oder andern Pfründen, das ist noch lang kein Grund, nicht auch völlig anderen Beweggründen zu folgen, z.B. der Verlockung des Besonderen, des ganz Anderen. Was bei Bundestagsabgeordneten recht ist, ist bei andern, die an unsere Moral, Wahrheitsliebe, ehrliche Auseinandersetzung, meist auch an unseren Geldbeutel appellieren, billig. Es zu verschleiern aber nährt nur den Verdacht, man möge nicht zu so genau hingucken, das Bezahl- und Verdienstmodell nicht so detailliert durchschauen.
Doppelmoral heisst: Aufbau imposanter potemkinscher Argumentationsdörfer, hinter denen man dann sein Schäfchen ungestört ins Trockene bringen kann.
Ausgehend vom bekanntesten Protagonisten, dem Robinson-Autor Daniel Defoe, weist Franzen darauf hin, dass der Schriftsteller und auch der Journalist zunächst einen Anlass fürs Erzählen und Berichten schafft. So bspw. durch den Besuch einer Örtlichkeit, idealtypisch dafür ist die Insel, auf der (im Gegensatz zum alltäglichen Festland) das ganz andere, das Besondere lokalisiert ist. Somit ist Ökonomie im Spiel, mit der Frage nämlich, wer bezahlt die Reise? So also hört sich das an, wenn man Tacheles redet. Die Amerikaner nennen das „stunt jounalism“. Franzen geht dann noch weiter und deutet an, dass das Spannungsverhältnis zwischen Erzählanlass und sich entwickelnder (Roman-) Form
schliesslich auch Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Schriftsteller und Gesellschaft zeitigt. Im klassischen Robinson-Muster sieht das so aus: Hier Festland, da Insel.
Insel - Festland sind Gegensätze, aber keine ausschliesslichen, eher schon eine Laborsituation, eine zeitgebundene obendrein. „Stunt jounalism“, so also hört sich das an, wenn man keine Dichotomie, hie Geist - da Geld, zelebriert, sondern die Art der Beziehung definiert und Fakten nennt. Fakten, die sofort eines nach sich ziehen: Transparenz (Zahlen, Reisekosten). Transparenz, die dann die offene Diskussion um Einfluss und Meinung erst ermöglicht.
Währenddessen die epochale Schlacht um Geist und Geld eher der Verschleierung dient. Verschleierung, dass z.B. mit Mieteinnahmen die Verlagsbilanz aufgepeppt wird, dass Quoten- und Auflagenbringer das literarische Programm finanzieren, dass man beim Personalabbau meist keine Skrupel hat, auf die ökonomische Zwangslage zu verweisen.
Die Lust, mit der ich Marketing mache, wenn ich kommende Kunden und kommerzielle Beweggründe anspreche, ist für mich mein Beitrag zur Pulverisierung des Status quo, der Doppelmoral, die jeweils der Verschleierung auf dem Fusse folgt. Wovon wir leben, meistens schlechter als die Geistesgrössen, nämlich von Geld, Gold, Grund oder andern Pfründen, das ist noch lang kein Grund, nicht auch völlig anderen Beweggründen zu folgen, z.B. der Verlockung des Besonderen, des ganz Anderen. Was bei Bundestagsabgeordneten recht ist, ist bei andern, die an unsere Moral, Wahrheitsliebe, ehrliche Auseinandersetzung, meist auch an unseren Geldbeutel appellieren, billig. Es zu verschleiern aber nährt nur den Verdacht, man möge nicht zu so genau hingucken, das Bezahl- und Verdienstmodell nicht so detailliert durchschauen.
Doppelmoral heisst: Aufbau imposanter potemkinscher Argumentationsdörfer, hinter denen man dann sein Schäfchen ungestört ins Trockene bringen kann.
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Montag, 21. Januar 2013
kuehnesmallworld, 09:48h
Nachtrag zu Freitag, 18.01.: Guter Cop - schlechter Cop/Burn out
Umwelt ist es nicht allein, wo es scheint, uns habe Agonie, oder vielleicht nur ein Patt befallen:
Ethnisch, religiös motivierte Gewalt hier - längst anerkanntes Menschenrecht dort;
Wirtschaftliche Prosperität hier - persönliche Auswegslosigkeit dort;
Europaweite, globale Polit-Masterpläne hier - längst überwunden geglaubte Egoismen dort
Das scheinen mir nicht mehr bloss die alten Widersprüche zu sein, verbunden seit je mit der Aufforderung noch mehr zur Verbesserung der Lage zu tun. Mir scheint, wir glauben nicht mehr an die Masterpläne, die grossen Entwicklungsvorhaben, die uns ständig begleitenden Statistiken, mit denen wir uns den Puls fühlen. Auch der Reflex, es sei halt alles viel schlimmer, wie angenommen, greift nicht mehr.
Positive Zielbestimmung und negative Entwicklung halten sich gegenseitig in Schach, paralysieren uns. Das ist mein subjektives Gefühl, sicher. Würde mich nicht wundern, wenn seriöse Umfragen ergeben würden, das Ende des Fortschrittsmythos sei erreicht.
Umwelt ist es nicht allein, wo es scheint, uns habe Agonie, oder vielleicht nur ein Patt befallen:
Ethnisch, religiös motivierte Gewalt hier - längst anerkanntes Menschenrecht dort;
Wirtschaftliche Prosperität hier - persönliche Auswegslosigkeit dort;
Europaweite, globale Polit-Masterpläne hier - längst überwunden geglaubte Egoismen dort
Das scheinen mir nicht mehr bloss die alten Widersprüche zu sein, verbunden seit je mit der Aufforderung noch mehr zur Verbesserung der Lage zu tun. Mir scheint, wir glauben nicht mehr an die Masterpläne, die grossen Entwicklungsvorhaben, die uns ständig begleitenden Statistiken, mit denen wir uns den Puls fühlen. Auch der Reflex, es sei halt alles viel schlimmer, wie angenommen, greift nicht mehr.
Positive Zielbestimmung und negative Entwicklung halten sich gegenseitig in Schach, paralysieren uns. Das ist mein subjektives Gefühl, sicher. Würde mich nicht wundern, wenn seriöse Umfragen ergeben würden, das Ende des Fortschrittsmythos sei erreicht.
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