Sonntag, 15. Mai 2011
Sonntag, 15. Mai 2011
Philosophische Betrachtungen im Radio, unterbrochen von Chormusik. Heute muss Sonntag sein. Ich hörs zwar nur mit einem Ohr, das andere liegt noch auf den Kissen, aber das reicht auch. Ruhe und Reflexion entrücken mich dem Alltag und bringen mich in die Nähe des Kulturprogramms. Letzteres färbt auf mein Gemüt ab und verleiht mir eine leicht weihevolle Hingabe.

Jedenfalls bis zum Einsetzen der Chormusik. Jetzt ist die weihevolle Hingabe an meinem Hund, der bei Konzerten und Opern hingebungsvoll mitjault. Und, frage ich einmal allgemein und ganz grundsätzlich in dieser Mussestunde, ist nicht der Chor, jeder vielstimmige Vokalvortrag, von der biologischen Natur her, im Grunde ein Rudeljaulen?

„Ja, aber was ist mit dem Geistigen, der kulturellen Leistung, dem gesungenen Text?“
„Weiss ich, was mein Hund singt?“
„Aber er jault doch auch bei Kate Bush oder den Swingle Singers.“
Dieser philosophische Diskurs kam nun nicht mehr aus dem Radio. Aber mein Hund sieht mich verständnissinnig an.

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Donnerstag, 12. Mai 2011
Donnerstag, 12. Mai 2011
Geld stinkt doch. Altruismus wirkt als Geruchsentferner. Entfernt einen unverzüglich aus der Sphäre des Käuflichen, des Geldes und funktioniert daher auch im Marketing. Natürlich nicht bei jedem. Muss schon zum Gesamteindruck passen. Nicht zu fröhlich, zu unbeschwert, bitte. Sonst könnte die Frage auftauchen, was man davon habe. Man muss die Last sehen. Für die anderen da zu sein, kaum Zeit zu haben, weil man ja ständig helfen muss. Das muss man sehen. Dann funktioniert es auch als Marketingstrategie. Macht dich unentbehrlich, deine Anwesenheit zur knappen Ware. Und ist gut fürs Ego.

Ist dem Marketer denn nichts heilig? Ja, besonders das nicht, was besonders heilig sein soll. Denn der Marketer fragt nach der Wirkung, so wie einige Jahrzehnte vorher der marxistisch-ideologisch aufgeheizte Kollege nur einen Masstab kannte: Wem nützt das?

Das haben beide gemein: Erstens, die Reduzierung auf einen einzigen Massstab, zweitens das Geld, das Materielle als Massstab. Beides lässt beide ähnlicher aussehen, als ihnen lieb ist. Man könnte es auch so sagen: Ein Marketer, der seinen Verstand nicht ausgeschaltet hat, ist kritischer als es vielen lieb ist. Denn: Das Geld ist zwar für die „Unberührbaren“ erstmal ausser Reichweite aber immer irgendwie in der Nähe. Und das Eigeninteresse auch. Eine mitleidslose Untersuchung zeigt: zum Schaden der Unantastbaren ist das meist nicht. Böse ist der, der der darauf verweist.

Unantastbarkeit mag der echte Marketer nicht, er fragt lieber: Wo ist das Interesse? Wer bin ich und wie entscheide ich mich jetzt? Und wenn mir nicht passt, solche Fragen gestellt zu bekommen, kann ich mich ja immer noch von mir distanzieren. Weit genug, dass man auch das Geld nicht mehr riecht.

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Dienstag, 10. Mai 2011
Dienstag, 10. Mai 2011
Das also ist meine Methode. Betrachten, einen Schritt zurücktreten, aber nicht als Reflexion sondern als Teil der Arbeit. Wie ein Maler. Keine Trennung. Das eine im andern. Die Gegensätze nicht erklären. Das Auflösen der Gegensätze muss aus der Situation, dem Moment, kommen, der die neue Sicht vorausnimmt, bevor ich sie mir ausdenken kann. Nicht zu fassen: viele Worte finden sich erst dort. Oder besser: Finden erst dort zusammen. Unvorhersehbar, überraschend, Neues entsteht.

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