Donnerstag, 12. Mai 2011
Donnerstag, 12. Mai 2011
Geld stinkt doch. Altruismus wirkt als Geruchsentferner. Entfernt einen unverzüglich aus der Sphäre des Käuflichen, des Geldes und funktioniert daher auch im Marketing. Natürlich nicht bei jedem. Muss schon zum Gesamteindruck passen. Nicht zu fröhlich, zu unbeschwert, bitte. Sonst könnte die Frage auftauchen, was man davon habe. Man muss die Last sehen. Für die anderen da zu sein, kaum Zeit zu haben, weil man ja ständig helfen muss. Das muss man sehen. Dann funktioniert es auch als Marketingstrategie. Macht dich unentbehrlich, deine Anwesenheit zur knappen Ware. Und ist gut fürs Ego.

Ist dem Marketer denn nichts heilig? Ja, besonders das nicht, was besonders heilig sein soll. Denn der Marketer fragt nach der Wirkung, so wie einige Jahrzehnte vorher der marxistisch-ideologisch aufgeheizte Kollege nur einen Masstab kannte: Wem nützt das?

Das haben beide gemein: Erstens, die Reduzierung auf einen einzigen Massstab, zweitens das Geld, das Materielle als Massstab. Beides lässt beide ähnlicher aussehen, als ihnen lieb ist. Man könnte es auch so sagen: Ein Marketer, der seinen Verstand nicht ausgeschaltet hat, ist kritischer als es vielen lieb ist. Denn: Das Geld ist zwar für die „Unberührbaren“ erstmal ausser Reichweite aber immer irgendwie in der Nähe. Und das Eigeninteresse auch. Eine mitleidslose Untersuchung zeigt: zum Schaden der Unantastbaren ist das meist nicht. Böse ist der, der der darauf verweist.

Unantastbarkeit mag der echte Marketer nicht, er fragt lieber: Wo ist das Interesse? Wer bin ich und wie entscheide ich mich jetzt? Und wenn mir nicht passt, solche Fragen gestellt zu bekommen, kann ich mich ja immer noch von mir distanzieren. Weit genug, dass man auch das Geld nicht mehr riecht.

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Dienstag, 10. Mai 2011
Dienstag, 10. Mai 2011
Das also ist meine Methode. Betrachten, einen Schritt zurücktreten, aber nicht als Reflexion sondern als Teil der Arbeit. Wie ein Maler. Keine Trennung. Das eine im andern. Die Gegensätze nicht erklären. Das Auflösen der Gegensätze muss aus der Situation, dem Moment, kommen, der die neue Sicht vorausnimmt, bevor ich sie mir ausdenken kann. Nicht zu fassen: viele Worte finden sich erst dort. Oder besser: Finden erst dort zusammen. Unvorhersehbar, überraschend, Neues entsteht.

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Montag, 9. Mai 2011
Montag, 9. Mai 2011
Auf Hexer und Quacksalber beschränkt sich das Phänomen der visuellen quasi magischen Überzeugung aber nun keinesfalls. Jene, nämlich, die uns nach mittelalterlichen Ritus ihrer magischen Vorstellungswelt einverleiben wollen: Sein junger Kollege, Dr. med. Holly Wood, eine Mischung aus Sascha Hehn und Kaptain Kirk steuert Sie derweil, sicher vor jedem Rückschritt, durch unendliche Wissenschaftsgalaxien und allmachtsphantastische Feuchtbiotope.

Um kein Bild weniger als das ihrer mittelalterlichen Kollegen wird ihr Tun luxurös illustriert. Sprache und Auftritt machen jede Untersuchung zum Gesundheitscheck der Bordsysteme. Fit-sein = Gut-Fühlen = Gut-Aussehen, so lautet ihre Formel für Gesundheit und Karriere, gegen die jedes Hexen-Einmaleins eine Wissenschaft für sich ist.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so schreiben die Wellness-Astronomen ihre Botschaft von Fortschritt und Wellness auch noch morgen ans Firmament unentdeckter Welten. Wenn die das überleben, was wir heute mit ihnen anstellen, haben wir Glück: Dann gibts ja doch noch ein Happy End.

Nachwort: Nur der Arzt, den wir (auch) antreffen, wo die Not auswegslos ist, ist Arzt.

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