Freitag, 29. April 2011
Freitag, 29. April 2011
Hat sich der Gestank der Pferdeäpfel-Theorie, wonach vorn hineingeschoben wird, damit hinten was rauskommt, endlich verzogen, entdecken wir das Gegenbeispiel zum Diamant im Rinnstein: Wir suchen den geschliffenen Wert und finden einen Misthaufen.

Da suchen Firmen Mitarbeiter, die statt nur „Werte“ zu leben, gleich eine ganze „gelebte Wertestruktur“ mitbringen sollen.

„Und an welche hätten Sie da gedacht?“
„An unsere, an welche denn sonst?“
„Glauben Sie nicht, dass jeder Wert seine eigene Hierarchie in sich trägt?“
„Nee, hätte ja sonst kein Wert mit dem Wert. Muss ja zu uns passen.“
„Der Wert?“
„Der Mitarbeiter!“
„Und da tuts ein schlichter Wert nicht? Ich mein, ist ja immerhin auch schon etwas, Werte zu leben. Meistens kommt so ein Wert ja auch nicht allein ... .“
„Nein tuts nicht! Wir möchten an dem Wort „Wertestruktur“ in der Stellenausschreibung ausdrücklich festhalten. Das ist mit unserem Personalberater so vereinbart. Falls abgelehnte Bewerber wegen Diskriminierung den Rechtsweg beschreiten. Ich wiederhole also ausdrücklich: „Struktur“ Sehen Sie: Es hängt doch alles miteinander zusammen. Das ist doch gar nicht voneinander zu trennen.“
„Also doch, ein Haufen!“

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Donnerstag, 28. April 2011
Donnerstag, 28. April 2011
Marketing für so etwas Individuelles, wie Design und Schmuck, kann es das überhaupt geben? Bei Diskountern und Ketten ja, aber bei Einzelunternehmen?

Zum Marketing lässt sich der Verkaufstrainer Michael Hohmann in der Goldschmiede Zeitung 2011 wie folgt zitieren:
„Goldschmiede und Juweliere können von anderen Branchen lernen, wie man durch neues Denken und Handeln auch sehr schwierige Zeiten mit Erfolg meistert. Das belegt das Beispiel Touristik: In vergangenen Zeiten war der Umsatz in Reisebüros nicht zu vermeiden. Die Kunden kamen von selbst, und die Reisebüros brauchten nur ihre Dienstleistung zu „verteilen“. Dann kam das Internet und damit die Direktansprache der Kunden durch den Veranstalter. Die Folge: Kunden blieben aus. Umsätze gingen zurück. Erfolgreiche Reisebüros entschlossen sich, umzudenken und sich von der Reiseberatung hin zum fachlich versierten Reiseverkauf zu entwickeln. Dazu gehörte es, Kunden aktiv anzusprechen, auch über das Internet, über (erlaubtes) Telefonmarketing, attraktive Kundenevents und Zusatzverkäufe.“ (http://gz-online.de)

Man könnte achselzuckend denken: Ein Juwelier mehr oder weniger für die Betuchteren wird den Wirtschaftskohl auch nicht fett machen. Aber auch das sind Arbeitsplätze. Es sind Arbeitsplätze sogar im Handwerk. Mit jeder dieser Pretiosen fällt einem etwas viel Wertvolleres in die Hände: Ein einzigartiger und unersetzbarer Arbeitsplatz. Was für ein Fund! Das freut sich der Marketer gleich mit.

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Dienstag, 26. April 2011
Dienstag, 26. April 2011
Zum 25. Jahrestag von Tschernobyl und zum 2. Monatstag von Fukushima:

Kein gigantischer Knall, mit dem die Erde auseinander fliegt. Die Vorstellung vom mehrfachen Overkill hat uns in die Irre geführt. Eine geradezu heitere Vorstellung, verglichen mit der Wirklichkeit. Denn von der Atomkraft verstrahlt, sterben die meisten von uns um so langsamer: sie siechen dahin, sie zerfallen, von aussen von innen. Auch der Tod stirbt.

Die Sprache entspricht dem seltsamerweise. Es gibt keine Zeitpunkte mehr. Es gibt keine klaren Aussagen mehr. Man weiss nichts mehr genaues. Und das bei einer Technologie. bei der man es ganz genau wissen müsste. Erst 4 Wochen nach der Katastrophe fängt man an von Kernschmelze zu sprechen. Vier Wochen nach unserem Tod werden sie uns den Totenschein ausstellen, frühestens.

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Dienstag, 26. April 2011
Und was hat das alles mit Marketing zu tun? Alles und nichts. Alles lief bisher auf ein Flächenbomdardement hinaus. Dabei gibt es unzählige Wege, angesprochen, berührt zu werden. Aber es sind Wege. Gegenüber dem was war, hat sich der TV-Beschuss und die Hochglanzattacken schon deutlich reduziert. Die klassischen Werbe-Agenturen haben teuer genug bezahlt. Und die andern, die übrig sind, werden oft nicht genug bezahlt. Das tut keinem leid, wenn ein Grossmaul, das nur Penetranz, Lautstärke und Superlative konnte, auf die Fresse fliegt, aber es stimmt doch. Die Kanäle haben sich differenziert und sie werden es noch weiter tun. Überall werden wir Werbefetzen begegnen und wegklicken müssen aber nichts wird mehr sein wie früher.

Die Muster haben sich geändert. Wo Menschen hingehen. Wo sie anzutreffen sind. Die Anzahl der Orte hat sich geändert. Die Sätze haben sich geändert. Es ist nicht besser oder schlechter geworden sondern anders. Es ist dezentraler geworden. Heisst nicht, dass die Strippenzieher verschwunden sind. Gesehen hat man sie ja sowieso kaum. Heisst, dass jemand der an vielen Orten sein will und muss, notgedrungen mehr variieren muss. Und deswegen auch leiser. Megabeschallung bringt so nicht mehr viel.

Auf das Nachrichtenbombardement, entstanden mit den Privatsendern (alle fünf Minuten nicht Neues, dafür das Gleiche) folgte Wikileaks und you tube.
Das wirklich Neue ist aber das andere Muster. Das andere Muster der Wahrnehmungen, das andere Muster der Anwesenheiten, des Anzutreffen-seins.

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