Donnerstag, 21. April 2011
Donnerstag, 21. April 2011
Resonanz hat es mit Ursache - Wirkung zu tun. Und ist ein Wort, dass ursprünglich die Stimme, den Klang meint. Nicht das nur optisch Nachweisbare.

Das optisch Fassbare unterliegt immer kürzeren Zeitsequenzen. Mein Lebensfilm zerfällt in Einzelbilder. Kommt dann hinzu, dass es nicht mehr nur ein Film, eine Aufnahme ist sondern viele an vielen Orten in vielen Rollen geht das Gefühl für die Selbstverständlichkeit des Kontinuums verloren.

Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, was ich gestern gefühlt und manchmal auch gedacht habe. Wenn schon vorstellen, dann aber kaum nachfühlen. Meine Gefühle sind zu stark an das Jetzt gebunden. Ich fühle jetzt. Jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt. Schon rattert die Zeitmaschine los.

Wir können uns nicht mehr vorstellen, wie es war, als wir gestern irrten, nicht nur anderer Meinung waren, sondern eine derart andere Vorstellung vom Leben hatten, dass dieses Selbst von gestern uns vorkommt wie ein anderer. Wir helfen uns mit „Lernprozess“ und „Bewusstseinsprozess“, aber was passiert ist, ist folgendes: Unser Selbstbild ist derart an die Zeit, die damalige, wie die heutige, gebunden, dass das eine mit dem anderen anscheinend nichts zu tun hat. So nachhaltig und unablässig hat das „jetzt“ die Verbindung unterbrochen.

Die Brücken, über die wir gehen, sind entweder verstandesmässiger Art: Wir erklären uns, was sich alles geändert habe, von dem wir ein Teil seien. Ergebnis ist gerade, dass wir uns nicht erinnern können.

Oder wir klammern uns an ein imaginäres Selbstbild, das keine Verbindung mehr zur Aussenwelt hat. Ergebnis ist, wir können uns nicht irren. Beides läuft auf dasselbe hinaus.

Zurück zur Resonnanz. Der Klang, der Nachklang, den etwas oder ich hinterlasse, unterliegt anderen Bedingungen und Gesetzen als das Bild und das Selbstbild. Sie ist weniger bestimmbar, weniger manipulierbar von mir, sie ist intuitiver und spricht andere Sensoren beim Gegenüber an. Die Resonnanz ist weniger „objektiv“ nachweisbar, aber beständiger und verlässlicher in der Wirkung. Was da wirkt, weiss ich selbst nicht ganz genau, genauer, ich weiss es nur zum kleinsten Teil. Um so sicherer kann ich sein, dass das, was die Resonnanz bewirkt, zum guten Teil ich selbst bin, auch wenn ich kein Bild davon habe. Deswegen macht Resonnanz auch glücklich.

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Mittwoch, 20. April 2011
Mittwoch, 20. April 2011
Die Einzigartigkeit des Augenblicks, empfinde ich als Resonanz auf meine Einzigartigkeit. Ich nehme diesen Moment als einzigartigen wahr.

Was anderes ist es, sich von anderen abzusetzen, auf Unterschiede zu halten. Ich tue das, um Beachtung zu bekommen.

Es ist ein Unterschied, ob ich etwas unternehme, um mir meine Einzigartigkeit vor Augen zu führen, z.B. eine Reise, eine Klettertour etc.. Oder um meinen Status zu befestigen. Dafür reicht kaufen, dafür muss ich nichts erleben. Ausser dem Gefühl, mir etwas kaufen zu können.

Die Angst, auch in seinem Streben nach Individualität nur eine Kopie zu sein, selbst Massenware, wird nicht dadurch abgebaut, dass ich auf Teufel-komm-raus den Cliff-Hanger oder den S-Bahn-Surfer mache oder mich in skurriles Outfit schmeisse. Was mir fehlt ist, das unmittelbare Erleben von Resonanz, jetzt in diesem Augenblick.

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Dienstag, 19. April 2011
Dienstag, 19. April 2011
Alleinstellungsmerkmal. Auch so ein Marketing-Ballon. Wunderbar, wie er vor einem aufsteigt. Dass es das überhaupt gibt, dass man es glaubt, ist das Wunder. Man soll also etwas haben, oder in dieser Kombination haben, was andere nicht haben. Oder an einem Ort, in einer Region nicht haben. Letzteres mag ja noch angehen. Manchmal gibts nur einen Bäcker am Ort. Meist dauert es nicht lange bis der zweite da ist. Unsere Form des Wirtschaftens beruht darauf, sich den Erfolg zum Kompass zu nehmen. In diesem Szenario davon auszugehen, dass mann längere Zeit mit seinem Erfolg allein bleiben könnte, ist systemwidrig. und gerade deswegen ein Wunder.

Der Traum von den gebratenen Tauben. Der Traum, befreit zu werden aus diesem Ghetto von Leistung und Lohn. Sonst bleibt nur, befreit zu werden durch Beziehungen oder durch Vermögen, also etwas, das schon vorher da war.
Nein, man muss auf andere zugehen, mit „allein“ und „Stellung“ hat das nichts zu tun. Manchen fällt das ja auch leicht, diese Orientierung am Bedarf, an der Anwendung. Was wiederum andere daran hassen, ist die Unsicherheit dabei, sogar das Selbstbild ist in vielen Fällen noch nicht fertig. Nicht umsonst hatte man sich schon im Mittelalter mit Zünften abgesichert. Alleinstellung ist ein „zünftiger“ Begriff. Etwas zu sein, jemand zu sein, und das im Zusammenhang mit dem was er tut, dem Beruf also, nicht minder. Wir sind IT-Fachmann, Psychologe, Goldschmied. Wir sinds auch, wenn wir schon lange nicht mehr im dem Beruf arbeiten.

Wenn sich unser Selbstbild nicht letztlich am Tun festmacht, bleibt nicht viel mehr als Weltanschauliches zur Ortung: Kreatur oder Revolutionär. Ersterer leitet sich ab vom Gesamtbild der Welt. Letzterer akzeptiert nicht, was ihm an Welt- und Selbstbild vorgegeben wird.
Natürlich sind das nur Grundraster, das weite Feld der Mauerblümchen bleibt dabei unbestellt. Die Frage, was ich werden soll, beruflich gemeint natürlich, hat in mir lange Jahre nur Ratlosigkeit ausgelöst. Ich war doch schon was.
Das ganze Szenario verdeutlicht, warum sich auch der Traum vom Alleinstellungsmerkmal so unausrottbar hält. Auch wenn er sich kapitalistisch und marktwirtschaftlich gibt. Marktwirtschaftlich ist, seine Angebote zu vergleichen. Der Raum dafür nennen wir Markt. Wenn wir ihn nicht haben, schaffen wir ihn uns. Und sei es in Form von Konkurrenz. Mit „allein“ hat das wenig zu tun.

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