Montag, 21. März 2011
Montag, 21. März 2011
Lass die Texte Revue passieren,
lass die Worte tanzen,
schau dir die Choreografie an.

Den Rhythmus, die Bewegung der Worte:
annähernde, zustimmende,
ablehnende, abrupt abwehrende
Bewegung und Gegenbewegung.

Welches Wort führst du im Mund?
Wo hast du es gefunden?
Was hast du gesehen?
Mit wem hast du geredet?

Ja, ja: Moral, Verantwortung, Wahrheit.
Nein, nein: du kannst den Worten nicht trauen.
Aber hören, ganz allein, wenns sein muss, was sie dir zu sagen haben, was sie zu schleimen,
zu lügen, zu verführen haben, solltest du schon.
Was denkst du dir dabei, auch wenn du sie dir verbieten musst?
Ja, ja: Die Mörder lassen das Terrain durch Worte erkunden.
Nein, nein: Die Wortverbieter haben die Welt noch nie gerettet.

Nur ein Wort, das aus der Reihe tanzt, sorgt noch für Aufmerksamkeit. Denn die Erkenntnisse sind uns mittlerweile so weit vorausgeeilt, dass die Verbindung zum Hauptfeld abgerissen ist.

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Sonntag, 20. März 2011
Sonntag, 20. März 2011
Krieg in Libyen, Atomkatastrophe in Japan: Wieder Krieg, wieder Atomkatastrophe oder schon das Ende? Oder der Anfang vom Ende? In jedem Ende steckt ein „Wieder“. Es sei wieder da, wieder soweit. Nein, es werde schlimmer, unvorstellbar schlimmer. Es steigere sich bis zum Unvorstellbaren, bis zur Unumkehrbarkeit.
Eine Steigerung des Schreckens, die nicht möglich wäre, steckte in ihm nicht ein „Wieder“, eine Wiederkehr des Bekannten. Sonst wäre es ja nicht vorstellbar. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, hat Hermann Hesse gesagt und es liesse sich fortfahren: ... in jedem Ende ein Schrecken.
Das macht das Ende, jedes Ende, uns ja so vertraut, trügerisch vertraut, so vertraut, dass einige immer wieder darauf zurückkommen und andere gar nicht von ihm lassen können.

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Freitag, 18. März 2011
Freitag, 18. März 2011
Ich bin gerne Marketer. Bringe gerne Menschen dazu etwas neues zu probieren. Das Erleben des Unvergleichlichen, schwingt bei mir immer mit, meist merke ich es garnicht mehr. Etwas Neues jetzt erleben zu können. Andere teilnehmen lassen. Mit anderen etwas teilen, und sei es die Neugier und der Spass. Die Beschreibung passt auf viele Professionen. Dass ich verkaufen kann, habe ich daran gemerkt, dass mir etwas abgekauft wird. Die Sprache macht tatsächlich keinen Unterschied, ob Geld über die Theke geschoben wird oder nicht. Meine Gesprächspartner haben mich tatsächlich gefragt, was sie jetzt machen müssen, um das zu kriegen, über das wir geredet haben.

Ich bin gern Marketer. Direkt, offen, Face to face. Wo Wahrheit auf Lüge trifft. Wo man die Wahl hat zwischen Worten, die beschreiben oder verschweigen. Wo die Dinge oft genug auf Messers Schneide stehen. Ein Wort mehr, eine Betonung anders, und die Grenze ist überschritten. Wo mit Überzeugungen gearbeitet wird, und sei es die banale Überzeugung, dass Produkt und die Dienstleistung um die es geht, gut und vertretbar sind. Wer erlebt hat, dass es Arbeitsplätze kostet, auch den eigenen, wenn lustlose Marketer ohne Schwung und Ziele die Preis-Leistungs-Spirale nach unten treiben, weiss, was ich meine. Natürlich weiss ich, das Illusionen, die vornehm Postiv-Erwartungen genannt werden, immer im Spiel sind. Das diese Erwartungen meist überzogen und aufgeladen sind mit Emotionen, die uns in Bewegung setzen.

Aber gerade weil ich weiss, dass Überzeugungen, positive Erwartungen, auch Illusionen im Spiel sind, und sie sind immer im Spiel, wenn nicht einseitig über den Preis gegangen wird, mache ich Halt vor der anderen Meinung, der anderen Überzeugung, dem Zweifel, wenn er nicht durch Abwägung und Vernunft auszuräumen ist. Halt machen in Worten, im Verhalten, in emotionalen Signalen, die dem Gegenüber Raum lassen. Sonst wird aus einem Angebot eine „unwiderbringliche Chance“, der „absolute Traum“, das „Riesen-Schnäppchen“. Da liegt die Grenze, eine Grenze, die letztlich in mir liegt. In meinem eigenen Freiheits-Radius, den ich mir zubillige. In der Freiheit „nein“ zu sagen, die ich lasse und vielleicht gerade mein Angebot interessant macht. Messers Schneide hält lebendig.

Natürlich können wir auch anders. Wir können alles zur Methode machen, selbst die Entscheidungsfreiheit. Selbst die Selbstlosigkeit. Der selbstlose Helfer, meist bis zur Unsichtbarkeit verschüttet unter seinem vollen Terminkalender, von dem alle was wollen, verfügt über eine besonders wirksame Form des Selbst-Marketing, indem er das kostbare Gut seiner Anwesenheit konsequent verknappt. Allein die Verknappung ist vielen schon das Erkennungsmerkmal der Auserwähltheit. Kein einziges Wort des Verkaufs und Kommerzes fällt in seiner Nähe aber leben kann er davon gut. Nicht wenige folgen ihm nach auf dem Weg aus der Banalität in den Mythos. Ja, auch im Marketing und Selbst-Marketing gibts angenehmere und weniger angenehme Zeitgenossen. Im Wesentlichen sind die Angenehmeren, die nicht gleich alles verknappen. Sie haben mehr im Angebot. Auch sind sie öfters mal in schlechter Gesellschaft. Nämlich in der eigenen.

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