Freitag, 15. März 2013
Freitag, 15. März 2013
Kreation (zum Geschmack vgl. 18.02.2013).
In Rezepten ist viel von Creation die Rede, weniger von Kreativität, denn es geht um das neue Produkt: das neue Geschmackserlebnis.

Sie wissen, wie Rosenkohl schmeckt? Sie wissen wie Parmesankäse schmeckt? Sie haben den Geschmack auf der Zunge, wenn Sie das lesen, den von Rosenkohl und den von Parmesan. Jedenfalls, wenn Sie erwägen, eins von beiden anzurichten. Wie schmeckt denn Blumenkohl mit Parmesankäse? Keine Ahnung? Was sagen denn Ihre Geschmacksnerven? Die sagen tatsächlich was. Die kombinieren Blumenkohl mit Parmesankäse, ohne dass sie einen Löffel angefasst haben. Aus zwei Geschmackseindrücken wird ein dritter. Völlig virtuell.

Man nehme: Den Geschmack von Rosenkohl. Man nehme: Den Geschmack von Parmesan. Man nehme andere Kocherfahrungen. Zum Beispiel: Rosenkohl mit Butter, da hat man das Sämige oder Tomatensauce mit Parmesan, da hat man das Gemüsige. Oder was Ihnen sonst so auf der Zunge ihrer Koch- und Kulturerfahrungen zergeht.

Das ist aber noch nicht alles. Ihr virtuelles Geschmackserlebnis Rosenkohl mit Parmesankäse beschäftigt sich - ebenfalls virtuell - mit Ihrer Anregung, zum Beispiel Schinkenwürfel dazu zu tun, angebratene Schinkenwürfel. Alles ins Gehirn geben, gut umrühren, etwas verfeinern und siehe da, fertig ist die neue Creation. Völlig virtuell.

Geschmacksnerven an Grosshirn: Könnte schmecken. Und sie machen sich ans Werk.
Ihre Kreation ist eine Gehirnfunktion, bevor sie in der Praxis verändert, weiterentwickelt wird, was sie wiederum auf neue Ideen bringt. Sie finden Geschmack. An Ideen, an Substanzen, an Gerüchen, an Atmosphäre. Liegt ja auch alles nah beieinander. Im Hirn.