Donnerstag, 14. Februar 2013
Donnerstag, 14. Februar 2013
Es gibt kein verstehen ohne missverstehen. Nur wer missverstanden werden kann, kann auch verstanden werden.

Verstehen ist eine komplexe Leistung, manchmal eine Anstrengung. Es bedeutet, nicht nur die Äusserung selbst, sondern die Absicht das Ziel zu erfassen. Andererseits darf man an der Form einer Äusserung auch manches über das Ziel ablesen.

Wer niemals falsch verstanden werden will, wird nie über Allgemeinplätze hinauskommen, wird seine Meinung ausschliesslich in sicherer Entfernung von Grenzen formulieren, an denen Missverständnisse möglich sind, wo man nicht mehr die gleiche Sprache spricht.

Wer dagegen das Risiko geht, missverstanden zu werden, formuliert in Grenznähe, bemüht sich um Abgrenzung, will besser genauer verstanden werden. Erst die Abgrenzung macht Begriffe scharf: Der Missverständliche ist kein Provokateur. Der Provokateur will die Grenztruppen mobilisieren. Via Feindbild, mittels Reizwort.

Wieder der Blick zum Marketing, das es ja mit Interessen, Eigeninteressen und wohl verstandenen Interessen anderer zu tun hat. Fühlt ein anderer sich nicht wohl verstanden, wird er den Interessensgegensatz formulieren. Und damit einen Beitrag zum Verständnis liefern. Will ich mein und sein Interesse vertreten, muss ich den Kerngedanken verstanden haben und so klar formuliert haben, dass man ihn mir "abkauft". Es muss einleuchtend sein. In sich schlüssig. Es kann garnicht genau das sein, was der andere denkt. Und trotzdem kann er sich in diesem oder jenem Moment genau verstanden sehen und fühlen.

Das ist die Crux vieler Meinungsäusserungen im Internet. Sie formulieren „gegen“ oder „für“. Ist dies Votum einmal erklärt und abgegeben, passiert nicht mehr viel, als dass man sich im Kreise der Befürworter oder Ablehner befindet. Ein Erkenntnisgewinn liegt ausserhalb der Reichweite. Der Apellcharakter der Äusserung übertönt alles andere.

Klappe. Marketing, die zweite: Ich muss das Angebot zunächst mit den Augen des möglichen Kunden sehen. Mit diesen Augen entdecke ich sofort die Ungereimtheiten und Widersprüche. Dazu gehören auch Missverständnisse. Widersprüche und Missverständnisse sind die Grenzsteine entlang derer ich das Angebot erklären und verklaren kann. Für diesen Interessenten, in dieser Situation muss ich den Kern treffen. Dann weiss und fühlt er sich verstanden. Beides gehört zusammen. Das eine darf das andere nicht toppen. Das macht gute Marketing-Argumentation anspruchsvoll. Aber natürlich auch angreifbar. Angreifbar zu bleiben, Partei zu bleiben ist ein Qualitätsmerkmal.

Gibt es das besondere Verständnis, den Kern, nicht, bleibt nur ein „me too“. Der Vorteil liegt nur im Preis. Wer nur über den Preis kommt, hat im Grunde schon kapituliert.