Freitag, 18. Januar 2013
Donnerstag, 17. Januar 2013
kuehnesmallworld, 09:37h
Die Schlecker-Frau hats nicht geschafft. Weder als Wort noch als Unwort des Jahres. Aber sie hats weit gebracht. Ist weit gekommen. Das Personal der Ex-Firmenkette Schlecker hat eine der vorderen Plätze unserer Aufmerksamkeit errungen. In den Wettbewerben ums Wort, die sich zumehmender Beliebtheit erfreuen: Ein Wort für das vergangene Jahr. Oder ein Unwort. Ein Wort, das das vergangene Jahr, nach Meinung und Erfahrung der in den Wettbewerben angehörten Menschen, charakterisiert. Sieh mal einer an: Das Wort.
Immerhin, die Schlecker-Frau hats in unsere Aufmerksamkeit geschafft. War einfach zu präsent, die Schlecker-Frau. Anders als die Quelle-Frau, beispielsweise, welche hinter den Mauern von Fabrikhallen und Bürogebäuden gearbeitet hat. Dagegen: Die Schlecker-Frau war im Laden anzutreffen, mitten im Ort. Wir haben sie beim Bestücken der Regale, an der Kasse, beim Bestellen von Waren, beim Disponieren gesehen. Oft als Einzige.
Warum sie so weit kam, aber es doch nicht geschafft hat auf Platz 1, beides lag an der Lust mit der man das Wort Schlecker ausspricht. Da muss man noch garnicht an Ed von Schleck denken, das verblichene Werbe-Männchen von Langnese-Eis. Die Lust am Doppeldeutigen, auch am sexistischen Unterton, der das Aussprechen lustvoll macht. Beim Firmenchef Anton hats nicht gestört, bei den Schlecker-Kindern auch nicht, aber in Zusammenhang mit Frau, spricht man "Schlecker" eher einmal zuviel oder einmal zuwenig aus. Je nachdem ob es um das Unwort geht oder um das Wort. Deswegen hat sie es nicht geschafft, die Schlecker-Frau, weder zum Wort noch zum Unwort des Jahres. Es sind ja fast alles Frauen, die nun den Namen ihres Chefs tragen. Seitdem er nicht mehr ihr Chef ist. Für mich ist das Wort „Schlecker-Frau“ näher am Unwort des Jahres 2011 „Döner-Mord“ dran, als uns lieb sein kann, genauso verdruckst, heimlichtuerisch chauvinistisch.
„Nach Angaben der Bundesagentur erschweren derzeit vor allem gesetzgeberische Hürden den Ausbildungsstart arbeitsloser Schlecker-Frauen. Die Fachschulausbildungen zur Erzieherin und zur Altenpflegerin dauerten drei Jahre. "Nach dem Sozialgesetzbuch III dürfen Arbeitsagenturen aber nur maximal zweijährige Ausbildungen fördern", erläuterte ein BA-Sprecher. Ausbildungswillige ehemalige Schlecker-Beschäftigte müssten also das dritte Jahr ihrer Ausbildung aus der eigenen Taschen bezahlen, wozu anscheinend nur wenige Frauen bereit seien.
Derzeit werde geklärt, ob unter Umständen die Bundesländer die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr übernähmen. Dazu hätten sich bislang bereits drei Bundesländer - Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz - bereiterklärt. Zudem gibt es nach Angaben des BA-Sprechers Überlegungen, die von Fachschulen angebotenen dreijährigen Ausbildungen für bestimmte Bewerber auf zwei Jahre zu verkürzen. Diese neuen Ausbildungsgänge müssten aber erst noch von den Länder zertifiziert werden, bevor sie angeboten werden könnten“. Soweit die Financial Times Deutschland vom 2.10.2012.
Vielseitig, selbständig, belastbar war die Schlecker-Frau. Vor unser aller Augen. Hat ihr alles nichts genützt, entgegen der offiziellen Leistungsideologie. Hats nicht geschafft. Fiel dem Programm der Vernichtung von Qualifikation durch Bürokratie zum Opfer. Wird, wie bei uns üblich, so oft gesiebt, geprüft und beurteilt bis sich ihre Qualifikationen, die ja sichtbar waren vor aller Augen, in Luft aufgelöst haben. Der Akt der Vernichtung beginnt wie fogt: Wir gehen nicht davon aus, was gesehen, was bewiesen ist, sondern machen uns anheischig, die entscheidende Bewertungsinstanz zu sein, durch die das, was man kann, erst zur anerkannten Qualifikation wird. Wir schütteln sie so lange durch Prüfungen, Bewerbungen und Anerkennungsverfahren bis noch der letzte durch Raster fällt. Dabei haben sie längst bewiesen was sie können. Wie soll einer besser beweisen als durch seine (langjährige) Berufstätigkeit? Genau so machen wirs auch in der Pisa verdächtigten Schule. Wir selektieren, verwalten, setzen zurück oder lassen sitzenbleiben statt den einzelnen zu fördern. In Finnland ging das. Bei uns ist bei Pisa-Studien das einzige, was an Bildung erinnert, das Wort Pisa. Bildungs-Ranking klänge ja nicht so gut und hätte am Ende noch das Zeug zum Unwort des Jahres.
Immerhin, die Schlecker-Frau hats in unsere Aufmerksamkeit geschafft. War einfach zu präsent, die Schlecker-Frau. Anders als die Quelle-Frau, beispielsweise, welche hinter den Mauern von Fabrikhallen und Bürogebäuden gearbeitet hat. Dagegen: Die Schlecker-Frau war im Laden anzutreffen, mitten im Ort. Wir haben sie beim Bestücken der Regale, an der Kasse, beim Bestellen von Waren, beim Disponieren gesehen. Oft als Einzige.
Warum sie so weit kam, aber es doch nicht geschafft hat auf Platz 1, beides lag an der Lust mit der man das Wort Schlecker ausspricht. Da muss man noch garnicht an Ed von Schleck denken, das verblichene Werbe-Männchen von Langnese-Eis. Die Lust am Doppeldeutigen, auch am sexistischen Unterton, der das Aussprechen lustvoll macht. Beim Firmenchef Anton hats nicht gestört, bei den Schlecker-Kindern auch nicht, aber in Zusammenhang mit Frau, spricht man "Schlecker" eher einmal zuviel oder einmal zuwenig aus. Je nachdem ob es um das Unwort geht oder um das Wort. Deswegen hat sie es nicht geschafft, die Schlecker-Frau, weder zum Wort noch zum Unwort des Jahres. Es sind ja fast alles Frauen, die nun den Namen ihres Chefs tragen. Seitdem er nicht mehr ihr Chef ist. Für mich ist das Wort „Schlecker-Frau“ näher am Unwort des Jahres 2011 „Döner-Mord“ dran, als uns lieb sein kann, genauso verdruckst, heimlichtuerisch chauvinistisch.
„Nach Angaben der Bundesagentur erschweren derzeit vor allem gesetzgeberische Hürden den Ausbildungsstart arbeitsloser Schlecker-Frauen. Die Fachschulausbildungen zur Erzieherin und zur Altenpflegerin dauerten drei Jahre. "Nach dem Sozialgesetzbuch III dürfen Arbeitsagenturen aber nur maximal zweijährige Ausbildungen fördern", erläuterte ein BA-Sprecher. Ausbildungswillige ehemalige Schlecker-Beschäftigte müssten also das dritte Jahr ihrer Ausbildung aus der eigenen Taschen bezahlen, wozu anscheinend nur wenige Frauen bereit seien.
Derzeit werde geklärt, ob unter Umständen die Bundesländer die Kosten für das dritte Ausbildungsjahr übernähmen. Dazu hätten sich bislang bereits drei Bundesländer - Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz - bereiterklärt. Zudem gibt es nach Angaben des BA-Sprechers Überlegungen, die von Fachschulen angebotenen dreijährigen Ausbildungen für bestimmte Bewerber auf zwei Jahre zu verkürzen. Diese neuen Ausbildungsgänge müssten aber erst noch von den Länder zertifiziert werden, bevor sie angeboten werden könnten“. Soweit die Financial Times Deutschland vom 2.10.2012.
Vielseitig, selbständig, belastbar war die Schlecker-Frau. Vor unser aller Augen. Hat ihr alles nichts genützt, entgegen der offiziellen Leistungsideologie. Hats nicht geschafft. Fiel dem Programm der Vernichtung von Qualifikation durch Bürokratie zum Opfer. Wird, wie bei uns üblich, so oft gesiebt, geprüft und beurteilt bis sich ihre Qualifikationen, die ja sichtbar waren vor aller Augen, in Luft aufgelöst haben. Der Akt der Vernichtung beginnt wie fogt: Wir gehen nicht davon aus, was gesehen, was bewiesen ist, sondern machen uns anheischig, die entscheidende Bewertungsinstanz zu sein, durch die das, was man kann, erst zur anerkannten Qualifikation wird. Wir schütteln sie so lange durch Prüfungen, Bewerbungen und Anerkennungsverfahren bis noch der letzte durch Raster fällt. Dabei haben sie längst bewiesen was sie können. Wie soll einer besser beweisen als durch seine (langjährige) Berufstätigkeit? Genau so machen wirs auch in der Pisa verdächtigten Schule. Wir selektieren, verwalten, setzen zurück oder lassen sitzenbleiben statt den einzelnen zu fördern. In Finnland ging das. Bei uns ist bei Pisa-Studien das einzige, was an Bildung erinnert, das Wort Pisa. Bildungs-Ranking klänge ja nicht so gut und hätte am Ende noch das Zeug zum Unwort des Jahres.