Montag, 31. Dezember 2012
Montag, 22. Oktober 2012
Die Informationsgesellschaft (ich übernehme den Begriff hier einmal) schlägt um in die Fama-Gesellschaft. Wir hocken zu dicht aufeinander im digitalen Netz, kriegen alles mit, wie in einer mittelalterlichen Stadt, in der die Verleumdung, der Klatsch eine Todsünde war, für die man an den Pranger kam. Uns dagegen fehlt nicht nur der Datenschutz auch der Moralkodex fehlt. Ganz oben auf der Hitliste steht das Ab-hören, das in Zeiten der Digitalisierung ein Ab-Saugen des digitalen Datenverkehrs ist. Selbstverständlich ohne den geringsten Zweifel. Man bedient sich ja „nur“ der Technik. Und was beim Content gang und gäbe ist, kann das denn bei andern Daten Sünde sein? Der Ab-Hörer bleibt in der Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit des Raumes. Aus Hören wird Ab-Hören. Das Angstpotential ist ungebändigt. Wir werden eine paranoide Gesellschaft. Fühlen uns permanent belauscht, organisieren vom Schreibtisch aus Firewalls. Die Firewalls reflektieren auch unsere Aktivität, werfen sie zurück auf uns, lähmen sie. Meine Beobachtung, dass immer weniger geantwortet und kommuniziert wird, ist, denke ich, kein Zufall. Das macht ja schon die Technik für uns.

Die Tatsache, dass wir aus der totalen Spitzelgesellschaft der Nazi-Diktatur und der kommunistischen Diktatur kommen (an dieser Stelle durchaus vergleichbar) kann sich als Erfahrung auch positiv bemerkbar machen. Der Spitzel und der informelle Mitarbeiter steckt den Angehörigen der Generation 40plus noch in den Knochen. Das Wissen darum war kommunikatives Basiswissen. Schon damals war die Frage: Richte ich mich bis ins Unterbewusste daran aus oder ignoriere ich die ideologische Lauscher und den mithörenden Feind um meiner Freiheit willen. Wer sich damals geweigert hat, sich in das paranoide Angstgefängnis einsperren zu lassen, hat auch heute noch gute Karten.