Montag, 31. Dezember 2012
Dienstag, 18.September 2012
Im Jahr 2000 implodierte der Neue Markt, die Internetblase platzte. Danach platzte 2008 die Immobilienblase in Amerika, die in Spanien 2012. Im Augenblick deutet sich das Platzen der Social Media Blase an, neu daran ist, dass diese Blase aus einer einzigen Firma besteht: Facebook. Vielleicht das erste schwarze Loch, das aus einem einzigen Unternehmen am Firmenfirmament implodiert. Nach der Spekulation gehts dann weiter "as usual" und statt des ambitionierten Himmelsstürmers breitet sich ein Barackenlager konkurrierender Teilanbieter in der Ebene aus.

Blasen kommen von der Spekulation. Spekulation ist das Rückrat des Kapitalismus. Auf diese Weise kann unvergleichlich viel Geld in kürzester Zeit organisiert werden. Lustig: Mit dem gleichen Fernrohr, durch das die Ankunft der spekulativ erwarteten Fracht aus den Kolonien erwartet wird, gerät auch die Erdkrümmung in den Blick. Die ganze Welt wird zur Blase, zum Erdball, zum Gegenstand der Spekulation. Das hat der Philosoph Sloterdijk fein beobachtet. Aber im sehnsüchtigen Blick in die Ferne steckt auch elementare, um nicht zu sagen verzweifelte Hoffnung. Eine Verzweiflung, in die wir uns selbst gebracht haben.

Sie erklärt, mit welcher Ausschliesslichkeit man der Spekulation folgte, derart unbedingt an den Erfolg glauben konnte. So unbedingt, dass es hinterher kaum oder garnicht erklärbar ist. Der Weg zum Erfolg war sonnenklar. Kein Zweifel. Ein Klima, in dem jedes Anzeichen zum Zeichen wurde, jeder Vogel die nahende Küste anzeigt. Ein Klima, in dem Information Teil der Spekulation wird und daraus seine Attraktivität bezieht. Das Zeitalter der ideologischen und wirtschaftlichen Blasen zieht auf. Es ist nicht die Hoffnung, die Kurs hält, sondern die Spekulation will Bestätigung, den Erfolg, das Wunder. Lustig: Kaum ist der ungeheuerbewachte Rand der Welt, über den die Wasser von der Scheibe stürzen, überschritten, wird das mittelalterliche Rad des Lebens vom ziel- und erfolgsorientierten Hamsterrad abgelöst. Das dreht sich endlos, wird von unserer Eigenbewegung am Laufen gehalten, speist auch die diversen Blasen, auch unseren Fortschrittsglauben und bringt uns der Verzweiflung näher. Glauben und Hoffnung gewinnen einen fanatischen Charakter, der durch die Unbedingtheit und „Alternativlosigkeit“ seines Handelns den Erfolg herbeizwingen will. In der Tat: Es geht immer rundherum, immer weiter, immer besser. So stürzen wir fortan nicht mehr vom Rand der Scheibe sondern werden in der Zentrifuge des eigenen Hamsterrades ermattet herumgeschleudert. Burn out.

Unter dem Eindruck der Spekulation nimmt nicht nur die Wirtschaft sondern das Leben und Erleben spekulativen Charakter an. Warten auf die Goldgrube. Das enervierende Alles-ist-möglich schlägt um in ein immer hektisches Auftürmen von Abraumhalden. Manisch-depressiv, heisst das Loch, in das man abwechselnd fällt und aus dem man eruptiv immer wieder herausgeschleudert wird. Das Unten- sein und Oben-auf-sein, wird zur zeitgenössischen Psycho-Symptomatik.Ausweg: Runter vom spekulativen Feldherrnhügel, dann kannst du deine larmoyante, pessimismusverliebte Kulturkritik, oder was das sein soll, ruhig stecken lassen.

Von den rutschigen Höhen der ideologischen Abraumhalden geht der Blick weit ins Land aber die Hoffnung bleibt auch dem, der auf der Erde bleibt. Aufbrechen, Veränderung, Fortschritt, Schritt für Schritt, ist auch in der Ebene beschränkter Horizonte möglich.