Mittwoch, 25. April 2012
Mittwoch, 25. April 2012
kuehnesmallworld, 09:38h
Stoppt den Zertifizierungswahn
Das private Pendant zur Zeugnis-Bürokratie ist der Zertifizierungswahn. Wäre doch gelacht, wenn sich am Nachweisterror nicht noch ordentlich verdienen liesse. Und an die ewige Prüferei sind die Leute ja sowieso gewöhnt.
Über Zertifizierungen aller Art etabliert sich ein ganzer (Weiter-) Bildungsmarkt, und zwar einer gegen Bares. Natürlich gibt es Bereiche in denen Zertifizierung begründet ist, insbesondere wenn sich die Prüfung durch den Konsumenten einer Kontrolle weitgehend entzieht, wie zum Beispiel bei der Kultivierung von Öko-Lebensmitteln. Auch gegen wenige aber klar erkennbare Prüfstempel, die bekunden, dass eine übergeordnete, nicht nur verbandsinterne Sondierung des Angebots stattgefunden hat, ist sinnvoll, Beispiel das Bio-Siegel. Aber wer heute eine Ökomesse besucht, der schleicht hallenweise an Zertifizierungsständen und -institutionen vorbei. In vielen Fällen bedeutet dies eine nachträgliche Privatisierung und Entwertung staatlich kontrollierter und damit primär nicht kommerziell ausgerichteter Zugänge. Diese sind sehr wohl legal, dürfen aber nicht an die Stelle der staatlichen Zeugnisse treten und vor allem dürfen sie eins nicht: neue Monopole begründen.
Der Staat hat hoheitlich das Münzwesen kontrolliert und den, der es ausübt. Früher kontrollierte er durch Zugehörigkeit zu Adel und Macht, heute kontrolliert er durch Prüfung und Ausbildung. Die Münze repräsentierte den Wert, und damit die Bewertung von Waren, Handwerk und Dienstleistungen in einem Hoheitsgebiet zum Ausdruck, definierte den Geltungsbereichh und legte den Masstab für den Handel mit anderen Staaten fest. Genau das ist heute die Funktion von Bildungs- und Ausbildungsstandards. Was ich können muss, ist wichtiger als das, was ich mir an Können zu Gute halte.
Auch wenn man kein Freund staatlicher Einmischung in alles und jedes ist, konkurrierende staatlich und privat betriebene Einrichtungen, bringen die Dinge meist am am besten voran, aber der Nachweis einer grundlegenden Befähigung muss in der Hand des Gemeinwesens bleiben. Hier geht es garnicht in erster Linie um die berühmten Scharlatane, die nisten sich in Grauzonen und Niemandsländern nur ein, es geht um die Währung, die Wert und Bewertung von Qualifikationen justiert. Also: Bildung so bunt wie möglich, Abschlüsse so generell wie möglich.
Alles andere kann ich als aufgeklärter Zeitgenosse und Kunde, der lesen, vergleichen und Gespräche führen kann, selbst erkunden. Da führt kein Weg zurück in die geistige Kleinstaaterei. Vom Absolventen einer Ausbildung, auch eines Studiums, erwarte ich die fachliche und persönliche Kompetenz, prüfen und beurteilen zu können, welche Weiterbildung fach. und sachgerecht ist. Punkt. Lässt es sich nicht vermitteln über den Tellerrand der Anschauung und Überzeugung hinaus, soll es bleiben, wo es ist, im esoterischen, glaubensüberzeugten Zirkel, es besteht den Praxistest nicht. Die Naturheilkunde besteht den Praxistest sehr wohl, nur alle ihrer Begründungen und Anschauungen, mit denen muss ich mich als Kunde schon selbst auseinandersettzen. Die Praxis entscheidet und ich muss als Kunde und Konsument endlich aufhören meine Prüfkompetenz an Zertifizierungsinstanzen zu deligieren. Da helfen auch keine Lebensmittelampeln und andere Mätzchen auf der Ware. Kann ich lesen oder nicht? Ampeln und Symbole gehören auf die Strasse, der schnellen und einfachen Erfassbarkeit halber. Will ich mir ein Bild von den Inhaltsstoffen und Qualifikationen machen, dann muss ich lesen, nachlesen und vergleichen. Wer den denkenden Konsumenten will, darf ihm nicht das Denken abnehmen. Will ich andere mit Namen beeindrucken oder mit meiner Fertigkeit und Fähigkeit überzeugen?
Es ist derselbe Staat, der die einen wegen fehlender Abschlüsse an der Grenze zu Hilfsarbeitern degradiert und die anderen an den Mautstellen zahlungspflichtiger Zusatzausbildungen abkassieren lässt. Der lieber selbst die Hand aufhält und von Gebühren und Abgaben profitiert, anstatt die Kontrollinstanz aufrechtzuerhalten, in Information und Aufklärung zu investieren und Zweitwährungen zu verhindern.
Noch eins: Zertifizierungsmanien verhindern, dass der Praxis der ihr zukommende Wert eingeräumt wird. Mit andern Worten: Zertifizierung trägt ihr Teil bei zum Veralten, so wie der TÜV fürs Verschrotten des Autos, nur dass wir keine Sachen und der Mensch keine schlichte Ressource ist auch keine Human Ressources. Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen sind Mindestlohnregelungen unterworfen denn durch die nach oben offene Skala der (Zusatz-) ausbildungen, machen sich die Bewerber selbst Konkurrenz. Noch nie waren so viele Ausgebildete im nationalen wie internationalen Masstab in so grosser Zahl arbeitslos wie heute. Wir müssen endlich aufwachen: Was den Arbeitsmarkt bestimmt ist der Markt, er nimmt auch Blinde und Lahme, wenn ihn die (Arbeits-) Kräfte verlassen, vorzugsweise aber die billigsten und dann ist plötzlich Qualifikation gar kein Argument mehr. Deswegen importieren wir Arbeitskräfte bei hoher interner Arbeitslosgkeit.
Auf dem Markt zählt vor allem die Praxis und der sollten wir das Feld überlassen. Wer ist am besten, wer kanns am besten, nicht: wer hat die besten Papiere. Die Differenzierung kommt von der Kombination des Wissens mit der Erfahrung. Hier entstehen unendlich viele Bedarfe und unendlich viele Qualifikationen. Das ist die Ressource, aus der eine Arbeitsgesellschaft schöpft.
Das private Pendant zur Zeugnis-Bürokratie ist der Zertifizierungswahn. Wäre doch gelacht, wenn sich am Nachweisterror nicht noch ordentlich verdienen liesse. Und an die ewige Prüferei sind die Leute ja sowieso gewöhnt.
Über Zertifizierungen aller Art etabliert sich ein ganzer (Weiter-) Bildungsmarkt, und zwar einer gegen Bares. Natürlich gibt es Bereiche in denen Zertifizierung begründet ist, insbesondere wenn sich die Prüfung durch den Konsumenten einer Kontrolle weitgehend entzieht, wie zum Beispiel bei der Kultivierung von Öko-Lebensmitteln. Auch gegen wenige aber klar erkennbare Prüfstempel, die bekunden, dass eine übergeordnete, nicht nur verbandsinterne Sondierung des Angebots stattgefunden hat, ist sinnvoll, Beispiel das Bio-Siegel. Aber wer heute eine Ökomesse besucht, der schleicht hallenweise an Zertifizierungsständen und -institutionen vorbei. In vielen Fällen bedeutet dies eine nachträgliche Privatisierung und Entwertung staatlich kontrollierter und damit primär nicht kommerziell ausgerichteter Zugänge. Diese sind sehr wohl legal, dürfen aber nicht an die Stelle der staatlichen Zeugnisse treten und vor allem dürfen sie eins nicht: neue Monopole begründen.
Der Staat hat hoheitlich das Münzwesen kontrolliert und den, der es ausübt. Früher kontrollierte er durch Zugehörigkeit zu Adel und Macht, heute kontrolliert er durch Prüfung und Ausbildung. Die Münze repräsentierte den Wert, und damit die Bewertung von Waren, Handwerk und Dienstleistungen in einem Hoheitsgebiet zum Ausdruck, definierte den Geltungsbereichh und legte den Masstab für den Handel mit anderen Staaten fest. Genau das ist heute die Funktion von Bildungs- und Ausbildungsstandards. Was ich können muss, ist wichtiger als das, was ich mir an Können zu Gute halte.
Auch wenn man kein Freund staatlicher Einmischung in alles und jedes ist, konkurrierende staatlich und privat betriebene Einrichtungen, bringen die Dinge meist am am besten voran, aber der Nachweis einer grundlegenden Befähigung muss in der Hand des Gemeinwesens bleiben. Hier geht es garnicht in erster Linie um die berühmten Scharlatane, die nisten sich in Grauzonen und Niemandsländern nur ein, es geht um die Währung, die Wert und Bewertung von Qualifikationen justiert. Also: Bildung so bunt wie möglich, Abschlüsse so generell wie möglich.
Alles andere kann ich als aufgeklärter Zeitgenosse und Kunde, der lesen, vergleichen und Gespräche führen kann, selbst erkunden. Da führt kein Weg zurück in die geistige Kleinstaaterei. Vom Absolventen einer Ausbildung, auch eines Studiums, erwarte ich die fachliche und persönliche Kompetenz, prüfen und beurteilen zu können, welche Weiterbildung fach. und sachgerecht ist. Punkt. Lässt es sich nicht vermitteln über den Tellerrand der Anschauung und Überzeugung hinaus, soll es bleiben, wo es ist, im esoterischen, glaubensüberzeugten Zirkel, es besteht den Praxistest nicht. Die Naturheilkunde besteht den Praxistest sehr wohl, nur alle ihrer Begründungen und Anschauungen, mit denen muss ich mich als Kunde schon selbst auseinandersettzen. Die Praxis entscheidet und ich muss als Kunde und Konsument endlich aufhören meine Prüfkompetenz an Zertifizierungsinstanzen zu deligieren. Da helfen auch keine Lebensmittelampeln und andere Mätzchen auf der Ware. Kann ich lesen oder nicht? Ampeln und Symbole gehören auf die Strasse, der schnellen und einfachen Erfassbarkeit halber. Will ich mir ein Bild von den Inhaltsstoffen und Qualifikationen machen, dann muss ich lesen, nachlesen und vergleichen. Wer den denkenden Konsumenten will, darf ihm nicht das Denken abnehmen. Will ich andere mit Namen beeindrucken oder mit meiner Fertigkeit und Fähigkeit überzeugen?
Es ist derselbe Staat, der die einen wegen fehlender Abschlüsse an der Grenze zu Hilfsarbeitern degradiert und die anderen an den Mautstellen zahlungspflichtiger Zusatzausbildungen abkassieren lässt. Der lieber selbst die Hand aufhält und von Gebühren und Abgaben profitiert, anstatt die Kontrollinstanz aufrechtzuerhalten, in Information und Aufklärung zu investieren und Zweitwährungen zu verhindern.
Noch eins: Zertifizierungsmanien verhindern, dass der Praxis der ihr zukommende Wert eingeräumt wird. Mit andern Worten: Zertifizierung trägt ihr Teil bei zum Veralten, so wie der TÜV fürs Verschrotten des Autos, nur dass wir keine Sachen und der Mensch keine schlichte Ressource ist auch keine Human Ressources. Mitarbeiter in Bildungseinrichtungen sind Mindestlohnregelungen unterworfen denn durch die nach oben offene Skala der (Zusatz-) ausbildungen, machen sich die Bewerber selbst Konkurrenz. Noch nie waren so viele Ausgebildete im nationalen wie internationalen Masstab in so grosser Zahl arbeitslos wie heute. Wir müssen endlich aufwachen: Was den Arbeitsmarkt bestimmt ist der Markt, er nimmt auch Blinde und Lahme, wenn ihn die (Arbeits-) Kräfte verlassen, vorzugsweise aber die billigsten und dann ist plötzlich Qualifikation gar kein Argument mehr. Deswegen importieren wir Arbeitskräfte bei hoher interner Arbeitslosgkeit.
Auf dem Markt zählt vor allem die Praxis und der sollten wir das Feld überlassen. Wer ist am besten, wer kanns am besten, nicht: wer hat die besten Papiere. Die Differenzierung kommt von der Kombination des Wissens mit der Erfahrung. Hier entstehen unendlich viele Bedarfe und unendlich viele Qualifikationen. Das ist die Ressource, aus der eine Arbeitsgesellschaft schöpft.