Dienstag, 19. April 2011
Dienstag, 19. April 2011
Alleinstellungsmerkmal. Auch so ein Marketing-Ballon. Wunderbar, wie er vor einem aufsteigt. Dass es das überhaupt gibt, dass man es glaubt, ist das Wunder. Man soll also etwas haben, oder in dieser Kombination haben, was andere nicht haben. Oder an einem Ort, in einer Region nicht haben. Letzteres mag ja noch angehen. Manchmal gibts nur einen Bäcker am Ort. Meist dauert es nicht lange bis der zweite da ist. Unsere Form des Wirtschaftens beruht darauf, sich den Erfolg zum Kompass zu nehmen. In diesem Szenario davon auszugehen, dass mann längere Zeit mit seinem Erfolg allein bleiben könnte, ist systemwidrig. und gerade deswegen ein Wunder.

Der Traum von den gebratenen Tauben. Der Traum, befreit zu werden aus diesem Ghetto von Leistung und Lohn. Sonst bleibt nur, befreit zu werden durch Beziehungen oder durch Vermögen, also etwas, das schon vorher da war.
Nein, man muss auf andere zugehen, mit „allein“ und „Stellung“ hat das nichts zu tun. Manchen fällt das ja auch leicht, diese Orientierung am Bedarf, an der Anwendung. Was wiederum andere daran hassen, ist die Unsicherheit dabei, sogar das Selbstbild ist in vielen Fällen noch nicht fertig. Nicht umsonst hatte man sich schon im Mittelalter mit Zünften abgesichert. Alleinstellung ist ein „zünftiger“ Begriff. Etwas zu sein, jemand zu sein, und das im Zusammenhang mit dem was er tut, dem Beruf also, nicht minder. Wir sind IT-Fachmann, Psychologe, Goldschmied. Wir sinds auch, wenn wir schon lange nicht mehr im dem Beruf arbeiten.

Wenn sich unser Selbstbild nicht letztlich am Tun festmacht, bleibt nicht viel mehr als Weltanschauliches zur Ortung: Kreatur oder Revolutionär. Ersterer leitet sich ab vom Gesamtbild der Welt. Letzterer akzeptiert nicht, was ihm an Welt- und Selbstbild vorgegeben wird.
Natürlich sind das nur Grundraster, das weite Feld der Mauerblümchen bleibt dabei unbestellt. Die Frage, was ich werden soll, beruflich gemeint natürlich, hat in mir lange Jahre nur Ratlosigkeit ausgelöst. Ich war doch schon was.
Das ganze Szenario verdeutlicht, warum sich auch der Traum vom Alleinstellungsmerkmal so unausrottbar hält. Auch wenn er sich kapitalistisch und marktwirtschaftlich gibt. Marktwirtschaftlich ist, seine Angebote zu vergleichen. Der Raum dafür nennen wir Markt. Wenn wir ihn nicht haben, schaffen wir ihn uns. Und sei es in Form von Konkurrenz. Mit „allein“ hat das wenig zu tun.