Samstag, 16. April 2011
Samstag, 16. April 2011
Wie haben Sie mich gefunden? Das ist die erste Frage, wenn ich unvermutet vor einer Homepage auftauche. Da investiert so ziemlich jeder in seine Homepage, um im Netz unübersehbar zu sein und ist bass erstaunt, wenn er gefunden wird.

Suchmasken, Suchroutinen, Suchmaschinen. Metasuchmaschinen, Suchmaschinen für Suchmaschinen. Ich suche, aber was? Vor allem wo?. Das Wort „Informationsflut“ trifft es schon. Denn die Strukturen fehlen, die mir darüber Auskunft geben, wo ich suchen soll. Meist komme ich gerade mal bis zum nächsten Begriff. Hab ich den, kann ich recht zuverlässig etwas finden. Aber viel weiter komme ich nicht, wenn ich nicht Glück habe und in der Fundstelle findet sich auch ein weiterführender Hinweis oder Begriff. Denn: Innovationszyklen für neue Begriffe haben sich nun mal erheblich verkürzt.

Einerseits mehr des Gleichen und oft das Gleiche, und abgeschrieben gleich auch noch: Content zuhauf, Listen, Sammlungen, Portale, Diskussionsforen. Immer noch fehlt mir das Stich- und Schlagwort um das, wonach ich suche in den Lichtkegel meiner Bewusstseinsfunzel zu rücken. Beispiel: „Elektronisches Türschloss“, „elektronischer Türöffner“, „Sicherheitssystem“, kein Begriff hilft wirklich weiter. Der eine zu speziell, der andere anderweitig belegt. Irgendwo im Lichtschein der Begriffslaterne fand sich dann das eher unscheinbare „Zugangskontrollsysteme“, nach meinem Geschmack viel zu abstrakt, aber gerade das eröffnete dann in der Tat den Zugang dazu, wonach ich suchte. Genau genommen musste ich noch einen Begriff weiter zu „Hotelzugangskontrollsysteme“ (geht nicht einfacher, ist ein deutscher Begriff). Da fand ich dann auch die Sorte elektronischer Türöffner nach denen ich suchte (beileibe nicht nur für Hotels).

Früher hat man den Begriff harpuniert, aufgegespiesst. Ein Blick in ein Lexikon oder Fachlexikon und ich hätte ihn gehabt. Das ist vorbei. Es gibt zu viele, zu viele neue an zu vielen neuen Orten. Nein, es sind keine simplen Orte, es sind Begriffsbiotope. In diesen fristen noch weitgehend unbekannte Arten ein Eigenleben im Kreise anderer Biotopbewohner.

Aufhäufen, Anhäufen, Auflisten bringt nichts, macht aber Eindruck. Nichts findet man im Internet so oft wie Sammlungen und Auflistungen. Da hilft keine Harpune, das Verfahren der Wahl ist ein „Netz“, nicht zu breit, aber breit genug, um auch das, was links und rechts vom Begriff existiert aufzuwühlen. Schwarmfischen. Der Beifang geht zurück über Bord und ist mir was Neues und Interessantes ins Netz gegangen, gucke ich mir das näher an. Dann werde ich ja sehen, ob man sich des Begriffes schon von anderer Seite angenommen hat oder ob er für meine Zwecke geeignet ist. So gerate ich in neue Biotope und Gefilde. Das ist mehr „Sumpfpaddeln“ als Surfen. Im Ernst: Jetzt erfinde ich selbst noch einen Begriff: Ökologisches Suchen. Gemeint ist umweltbezogenes Suchen. Hat gerade noch gefehlt. Tja, das Begriffsdesign ist vom Feinsten.

Jedenfalls weiss ich jetzt genauer, wonach ich gesucht habe. Und das ist doch auch etwas. Entweder bin ich auf einen Trend gestossen oder auf ein Thema für Spezialisten oder auf die Nische exotischer Biotopsektierer. Ich bekomme das Umfeld, die Strukturen in den Blick. Kein Quatsch: So gehts! Vielleicht gibts dafür noch keine Suchmaschine, ich könnte eine erfinden. Namens QUATSCH. Begriffe mit Q gehen zur Zeit sehr gut.