Sonntag, 27. März 2011
Sonntag, 27. März 2011
Entweder man bemüht sich um die Wahrheit oder verstummt. Muss sich zufrieden geben mit Standard-Einsichten im Kopf und Standard-Floskeln im Mund. Wahrheit dagegen ist eine individuell zu handhabende Waffe. Objektiv ist das Wahrheits-Material meinetwegen der Stahl, heutzutage wirds andere Materialien und Legierungen geben, Keramik zum Beispiel. Um beim Stahl zu bleiben: Auch Stahl wird gewonnen, den gibts nicht einfach so in der Natur. Dann wird er geformt, geschmiedet und gehärtet dem Verwendungszweck angepasst. Die objektive Wahrheit kennen wir nicht, wir kennen nur die Bestandteile, aus denen sie gemacht wird: Tatsachen, Ehrlichkeit, Zielstellungen um einige zu nennen. Und wir kennen ihre subjektive Ausformung, wenn sie zur Waffe wird, und zum Beispiel als Formulierung aus meinem Mund kommt. Und da verhält sich die Wahrheit zu den Standard-Einsichten, wie die Spezialklinge zum Besteck-Sortiment. Wichtigstes Kriterium für die Qualität ist der Verwendungszweck. Wahrheit wird nicht als „objektiver“ Vorrat auf die „hohe Kante“ gelegt, sondern existiert überhaupt nur in der Aktion, in der Bewegung. Wenn ich beurteilen will, was Wahrheit ist, muss ich auf jeden Fall zunächst die Frage klären, in welcher Absicht man sich mir oder anderen nähert (siehe 25. März: das Märchen vom Wolf). Die Lüge beginnt stets und immer in der Verschleierung der Absicht.