Donnerstag, 24. März 2011
Donnerstag, 24. März 2011
Wenn die Situation unumkehrbar geworden, die Lüge nicht mehr aus der Welt zu bekommen ist, hilft auch keine Ironie mehr, die durch Übertreibung warnt, dann ist Sarkasmus das Mittel der Wahl. Sarkasmus ist die Antwort auf die Auswegslosigkeit. Hohn und Spott über die eigene Dummheit und Naivität.

Die zweite Katastrophe dieser Tage, der GAU in Japan, lässt Sarkasmus als einzig angemessene sprachliche Gegenwehr zu. Sie ist die einzige Reaktion, die die Unumkehrbarkeit wiederspiegelt. Wenn man sich das starre TV-Bild auf die 6 an der Küste aufgereihten Atomkraftwerke mit der Riege der Ingenieure davor lange genug angesehen hat, sich lange genug hat schildern lassen, was in Block 1, Block 6, Block 4 , Block 2, Block 3, nochmal Block 3 und wieder Block 4 gerade in die Luft fliegt, schmilzt, explodiert und repariert wird, fällt mir nur noch ein:

Hütchenspiel auf japanisch.

Das ist ein schiefes Bild, ungerecht, aber angesichts der Drückebergerei, dem Versteckspiel, der Scharade, der einzig mögliche Vergleich. jedenfalls für mich.
Jeder kennt die Lüge, jeder weiss, der GAU ist längst eingetreten, man weiss nur noch nicht in welchem Block.

Aber selbst in der sarkastischen Ausweglosigkeit steckt noch die Alternative, es ganz anders machen zu können. Es ganz anders machen zu müssen, weil ein wenig anders ja nicht mehr hilft.