Montag, 1. Oktober 2018
Vom analogen Beziehungs- und digitalen Inhaltsaspekt
Vom Analogen und Digititalen war die Rede auf diesem Blog, vom Verhältnis der Absicht in Gedanken zum Instrument des Handelns und der Umsetzung. Soweit so gut, da kommt der Psychologe Paul Watzlawik zu Hilfe, der vom analogen Beziehungsaspekt und vom digitalen Inhaltsaspekt spricht. Die Beziehung zwischen Menschen dominiert den Inhalt, so die Schlussfolgerung.

“Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen hingegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die, für die eindeutige Kommunikation erforderliche, logische Syntax” [1]

… „Die analoge Kommunikation besteht aus allen nicht-sprachlichen Elementen. Die in Teil 2 genannten paralinguistischen Phänomene sind eine Teilmenge der analogen Kommunikation. Durch unter anderem der Definition der paralin-guistischen Phänomene, verleiht es der analogen Kommunikation eine starke Ausprägung in der syntaktischen Ebene, da z.B. der Wertevorrat von Gestiken und Mimiken begrenzt ist. Auf der anderen Seite haben wir hier das Problem der Mehrdeutigkeit. Zu der analogen Kommunikation gehören auch Emotionen wie Weinen und Lachen.“

Da ist es schon, das Weinen und Lachen, das den künstlichen intelligenten Computer zum Weinen bringt, weil es für seinen künstlichen IQ zu hoch ist. Aber auch das ist noch nicht alles, der Autor greift dankenswerterweise die schon leicht angestaubten kommunikationstheoretischen Axiome Watzlawiks nicht nur auf, sondern bezieht sie explizit auf die digitale Technik:

… „Es wird klar, dass bei der analogen Kommunikation der Beziehungsaspekt der Nachricht transportiert werden kann. Weiterhin können wir der digitalen Kommunikation auch den Inhaltsaspekt der Nachricht zuordnen.“ (Johannes Joachim Lyda: Kommunikationstheoroie nach Watzlawik und ihre Anwendung in Softwareprojekten, S.5; Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Fakultät für Elektrotechnik und Informatik, Institut für Praktische Informatik, Fachgebiet Software Engineering jlyda@stud.uni-hannover.de)

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Mittwoch, 12. September 2018
Datenschutz und Paranoia
Datenschutzerklärungen, die bei Internetauftritten Standard sind, werden mitunter selbst zur Satire. So kann man dort, wo die Datenschutzerklärung nach der DSGVO Datenschutzverordnung, gültig seit 2018, stehen soll, da und dort lesen, dass diese nicht der Datensicherheit sondern dagegen der Einschränkung der Meinungsfreiheit diene!

Die Grossen, wie die Konzerne und die Schnüffel-Staaten, die das Problem erst angerichtet hätten, lasse man davon kommen, während Privatpersonen, Blogger, Kleingewerbetreibende, kleine Firmen eben, kriminalisiert würden, wobei die Rechtsunsicherheit ins Extrem getrieben werde.

Damit endet die Satire, die das Datenschutzgesetz aufspiesst, die Satire, die sich mit den emotionalen Folgen herumschlägt, nimmt jedoch erst Fahrt auf. Das Kind hat einen Namen, sein Name ist Paranoia. Als hätte man nicht schon genug Angst vor den Viren, den Hackern, den Shit Storms, den mannigfachen unsichtbaren Feinden und Angreifern, kommt uns der Datenschutz auch noch mit dem Gesetz. Dabei weiss doch jedes Kind, jedes ängstliche Kind sowieso, dass das Gesetz, die Angst vor Übertretung, das schärfste Schwert ist, das einem gerade noch gefehlt hat. Damit ist der Ofen dann völlig aus, jetzt geht man gar nicht mehr aus seinem digitalen Schneckenhaus, geht gar nicht mehr auf Menschen zu. Das Nötigste macht der Computer selbst und selbst macht man sich die Hände mit der Kontaktarbeit erst gar nicht schmutzig, hat man doch alle Hände voll damit zu tun, seine Angst in Schach zu halten.

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Dienstag, 11. September 2018
Wege lassen einen Raum entstehen
Wenn ich die Wege verfolge, die ich gehe und gegangen bin, entsteht ein Raum. Eine Landkarte entsteht. Touren, Reisen, Routen erzählen eine Geschichte, die allerdings keineswegs chronologisch erzählt wird. Der Zeitreihung ist im Grunde nur ein Gegenprinzip gewachsen: Der Weg. Wie ich mir den Weg erzähle, hängt vom Ziel ab, nicht von einer mehr oder weniger willkürlich gesetzten Chronologie und einem mehr oder weniger willkürlich gesetzten Anfang.

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