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Dienstag, 10. Juli 2018
Heiteres Berufe-Erfinden
kuehnesmallworld, 11:50h
z.B. Ferran Adrià (Deutschen bekannt durch Wolfram Siebeck)
Ausbildung abgebrochen – Traumjob auf Ibiza: Tellerwäscher – Vom Aushilfskoch zum Hilfskoch – ein Chef gibt ihm ein Grundlagen-Kochbuch – er legt los - er wird empfohlen – er landet eines Tages im Zwei-Sterne-Lokal El Bulli, das er fuer 27 Jahre uebernimmt – er macht daraus seine persönliche Denk-Fabrik für Labor und Kunst.
Wo gibt’s das denn? Kein Stipendium, kein Lehrauftrag, ein Lokal? Bei Adrià gibt’s das. Er nennt das u.a. Kulinarische Physik.
Seine Laufbahn: Recht gewöhnliche Zutaten seines einzigartigen Berufs, den andere Molekularkoch nennen, worauf Adrià antwortet: Gibt’s nicht.
Was sind die Zutaten von Adriàs Geheimrezept?
1. Ungewöhnliche Verarbeitungen z.B. Holzkohleöl, Muscheln eingehüllt in extrem dünnes Schweinefett oder flüssiges Olivenextrakt umhüllt von festem Olivenpüree
2. Ungewoehnliche Aggregatzustände (gasförmig, flüssig, fest) erreicht z.B. durch „Spärisieren“ (Gelieren von Flüssigem, bei dem eine feste Hülle um einen flüssigen Kern entsteht) oder Emulgieren (Mischen zweier normalerweise nicht mischbarer Stoffe), erreicht z.B. durch extremes Erkalten (durch Zugabe von Stickstoff)
3. Ungewoehnliche Kombinationen in der „Menue“folge (bis über 30 pro Essen)
Adrià ist Kommunikator, ich habe eine neue Sprache für Kochen und Zubereitung kreiert, sagt er.
Moleküle sind Module. Der Molekularkoch ist ein Kombinierer von Molekülen. Ich darf an dieser Stelle verweisen (Absatz vorher) auf meinen Blogbeitrag: Bildung im digitalen Zeitalter. Dabei dürfen die Zutaten ganz gewöhnliche sein, die Kombinationen nicht unbedingt. Adrià fängt beim Handwerk an und landet bei der Kunst: Es gibt Kochen, das Handwerk ist und Kochen das Kunst ist. Physik, Chemie, Kunst, das alles fliesst bei Adrià zusammen.
Dieses Emulgieren machen die Berufskundler unserer Tage nicht mit und trennen fein säuberlich das eine vom andern. Liest man aber die begeisterten Rückblicke der Talente auf ihre Arbeit, findet man genau das. Die Mischung von Lust, Zufall, Akribie, Science in unzählige Kombinationen und Zusammensetzungen, wie beim Kochen.
Der Wahrheit halber aber ist zu erwähnen, dass Adrià traditionelle Ingredienzien, nämlich seine Familie im Hintergrund hat. Dazu ist er Spanier, genauer Katalane, denen man einen Vorsprung exentrisch zu sein zubilligt, wie Gaudi, Dali, Picasso, Almodovar (der nicht, Spanier sein reicht also).
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Ausbildung abgebrochen – Traumjob auf Ibiza: Tellerwäscher – Vom Aushilfskoch zum Hilfskoch – ein Chef gibt ihm ein Grundlagen-Kochbuch – er legt los - er wird empfohlen – er landet eines Tages im Zwei-Sterne-Lokal El Bulli, das er fuer 27 Jahre uebernimmt – er macht daraus seine persönliche Denk-Fabrik für Labor und Kunst.
Wo gibt’s das denn? Kein Stipendium, kein Lehrauftrag, ein Lokal? Bei Adrià gibt’s das. Er nennt das u.a. Kulinarische Physik.
Seine Laufbahn: Recht gewöhnliche Zutaten seines einzigartigen Berufs, den andere Molekularkoch nennen, worauf Adrià antwortet: Gibt’s nicht.
Was sind die Zutaten von Adriàs Geheimrezept?
1. Ungewöhnliche Verarbeitungen z.B. Holzkohleöl, Muscheln eingehüllt in extrem dünnes Schweinefett oder flüssiges Olivenextrakt umhüllt von festem Olivenpüree
2. Ungewoehnliche Aggregatzustände (gasförmig, flüssig, fest) erreicht z.B. durch „Spärisieren“ (Gelieren von Flüssigem, bei dem eine feste Hülle um einen flüssigen Kern entsteht) oder Emulgieren (Mischen zweier normalerweise nicht mischbarer Stoffe), erreicht z.B. durch extremes Erkalten (durch Zugabe von Stickstoff)
3. Ungewoehnliche Kombinationen in der „Menue“folge (bis über 30 pro Essen)
Adrià ist Kommunikator, ich habe eine neue Sprache für Kochen und Zubereitung kreiert, sagt er.
Moleküle sind Module. Der Molekularkoch ist ein Kombinierer von Molekülen. Ich darf an dieser Stelle verweisen (Absatz vorher) auf meinen Blogbeitrag: Bildung im digitalen Zeitalter. Dabei dürfen die Zutaten ganz gewöhnliche sein, die Kombinationen nicht unbedingt. Adrià fängt beim Handwerk an und landet bei der Kunst: Es gibt Kochen, das Handwerk ist und Kochen das Kunst ist. Physik, Chemie, Kunst, das alles fliesst bei Adrià zusammen.
Dieses Emulgieren machen die Berufskundler unserer Tage nicht mit und trennen fein säuberlich das eine vom andern. Liest man aber die begeisterten Rückblicke der Talente auf ihre Arbeit, findet man genau das. Die Mischung von Lust, Zufall, Akribie, Science in unzählige Kombinationen und Zusammensetzungen, wie beim Kochen.
Der Wahrheit halber aber ist zu erwähnen, dass Adrià traditionelle Ingredienzien, nämlich seine Familie im Hintergrund hat. Dazu ist er Spanier, genauer Katalane, denen man einen Vorsprung exentrisch zu sein zubilligt, wie Gaudi, Dali, Picasso, Almodovar (der nicht, Spanier sein reicht also).
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Donnerstag, 5. Juli 2018
Bildung im digitalen „Zeitalter“
kuehnesmallworld, 20:12h
Nach der Rede zum Verhältnis zwischen analog und digital hier das Statement zur Bildung.
Von Bildung ist viel die Rede, gemeint ist aber meist Wissen. Dabei sind die Grundlagen der Bildung dieselben wie die Grundlagen des Menschseins. Bilden heisst Formen. Der Mensch, dieser oder jener, sieht und hört dieses oder jenes mit seinen eigenen Augen und Ohren. Er macht sich sein Bild, bildet sich sein Urteil. Er verhält sich zu seiner Sicht, seinem Urteil, korrigiert , überdenkt, reflektiert. Das ist Bildung. Das erklärt, warum trotz dünner Wissensbasis ein Mensch ein gebildeter sein kann.
Der Mensch ist aber auch einer, der sich zu den Mitteln verhält,
zu den Instrumenten, mit denen ich mir Wissen zuführe, den Stoff, aus dem dann Bildung wird. Mit diesen Instrumenten arbeitet er, er arbeitet daran, sie zu optimieren. Wissen zu perfektionieren. Das erklärt, warum manche Menschen, obwohl sie viel wissen, ungebildet sind und bleiben.
Was ist für die Bildung und den Wissenserwerb abzuleiten ?
a) Das zweite (Weltaneignung) tun und das erste (Arbeit an sich) nicht lassen.
b) 1 exemplarischen Bildungsgang, vielleicht sogar Fragmente einer Berufslaufbahn sollte man sich schon gönnen, wenns geht. Aber das muss dann auch reichen, jedenfalls den meisten, um grundsätzlich zu wissen, wie Bildung und Beruf funktionieren.
Wichtiger aber ist zu wissen, dass Wissen in Modulen geschieht und erworben wird. Ja, es gibt Grundlagen, aber die kommen in unterschiedlichen Zusammenhängen vor und werden ganz verschieden zusammengesetzt. Deshalb gibt es verschiedene Wissens-Architekturen. D i e Bildungsgrundlagen gibt es nicht.
Beispiel:
Ein flottes Startup mit dem Präfix NEURO, bekannt von Neuro-Dermitis, Neurologie, Neuro-Psychologie, Neuro-Chemie, Neuro-Wissenschaft kombiniert frisch & unbekümmert NEURO mit dem Postfix SPIRIT und „verkloppt“ damit eine App, die den User
- „in Kontakt mit ... Gefühlen und inneren Bedürfnissen“ bringen
- ihm hilft, sich in eine „positive Gemütslage zu manövrieren“
- durch so banale Mittel wie „individualisierte Sprachaufnahmen“
- Musikbausteinen
- „humoriger Info-Videos ergänzt durch
- On-/Offline-Offers (Video-Chat, One-on-One-Coaching, Seminare)
Man sieht: Innen (Bildung) und Aussen (Wissen) gehen hier bunt durcheinander. Ungeachtet des fröhlichen Durcheinanders sollte klar werden, besser klar bleiben, was passiert: Zunächst einmal nichts neues. Denn wir wissen: Man kann uns aufheitern durch Anregungen von aussen.
Aber: Dass eine APP, und zwar diese APP einen „in Kontakt mit seinen Gefühlen und inneren Bedürfnissen“ bringt und bringen soll, das ist allerhand. Es kann ja alles sein, aber vor allem der Anspruch ist sensationell: Eine App, diese App? (Hört, hört!)
Da wird man schon mal dazwischen funken dürfen, nicht um das Angebot „madig“ zu machen, sondern um sich darüber klar zu werden, was da passiert bzw. vermischt wird:
Bildung, ok, das ist das eine, die „One and only“- APP das andere. Das Chaos ist beabsichtigt. Unser Oberstübchen sei auch schon durchlässig, sagen die IT-Propheten, der Chip sei schon so gut wie im Gehirn implementiert.
Der Zauberlehrling - Bildungsgut, das dank Walt Disneys Mickey Mouse jedes Kind kennt- bugsiert die Besen, also die Werkzeuge nach der Flut in die Ecke mit der Einsicht, nur ein Lernender zu sein, nicht der Meister, dem die Werkzeuge nicht mehr gehorchen.
Von Bildung ist viel die Rede, gemeint ist aber meist Wissen. Dabei sind die Grundlagen der Bildung dieselben wie die Grundlagen des Menschseins. Bilden heisst Formen. Der Mensch, dieser oder jener, sieht und hört dieses oder jenes mit seinen eigenen Augen und Ohren. Er macht sich sein Bild, bildet sich sein Urteil. Er verhält sich zu seiner Sicht, seinem Urteil, korrigiert , überdenkt, reflektiert. Das ist Bildung. Das erklärt, warum trotz dünner Wissensbasis ein Mensch ein gebildeter sein kann.
Der Mensch ist aber auch einer, der sich zu den Mitteln verhält,
zu den Instrumenten, mit denen ich mir Wissen zuführe, den Stoff, aus dem dann Bildung wird. Mit diesen Instrumenten arbeitet er, er arbeitet daran, sie zu optimieren. Wissen zu perfektionieren. Das erklärt, warum manche Menschen, obwohl sie viel wissen, ungebildet sind und bleiben.
Was ist für die Bildung und den Wissenserwerb abzuleiten ?
a) Das zweite (Weltaneignung) tun und das erste (Arbeit an sich) nicht lassen.
b) 1 exemplarischen Bildungsgang, vielleicht sogar Fragmente einer Berufslaufbahn sollte man sich schon gönnen, wenns geht. Aber das muss dann auch reichen, jedenfalls den meisten, um grundsätzlich zu wissen, wie Bildung und Beruf funktionieren.
Wichtiger aber ist zu wissen, dass Wissen in Modulen geschieht und erworben wird. Ja, es gibt Grundlagen, aber die kommen in unterschiedlichen Zusammenhängen vor und werden ganz verschieden zusammengesetzt. Deshalb gibt es verschiedene Wissens-Architekturen. D i e Bildungsgrundlagen gibt es nicht.
Beispiel:
Ein flottes Startup mit dem Präfix NEURO, bekannt von Neuro-Dermitis, Neurologie, Neuro-Psychologie, Neuro-Chemie, Neuro-Wissenschaft kombiniert frisch & unbekümmert NEURO mit dem Postfix SPIRIT und „verkloppt“ damit eine App, die den User
- „in Kontakt mit ... Gefühlen und inneren Bedürfnissen“ bringen
- ihm hilft, sich in eine „positive Gemütslage zu manövrieren“
- durch so banale Mittel wie „individualisierte Sprachaufnahmen“
- Musikbausteinen
- „humoriger Info-Videos ergänzt durch
- On-/Offline-Offers (Video-Chat, One-on-One-Coaching, Seminare)
Man sieht: Innen (Bildung) und Aussen (Wissen) gehen hier bunt durcheinander. Ungeachtet des fröhlichen Durcheinanders sollte klar werden, besser klar bleiben, was passiert: Zunächst einmal nichts neues. Denn wir wissen: Man kann uns aufheitern durch Anregungen von aussen.
Aber: Dass eine APP, und zwar diese APP einen „in Kontakt mit seinen Gefühlen und inneren Bedürfnissen“ bringt und bringen soll, das ist allerhand. Es kann ja alles sein, aber vor allem der Anspruch ist sensationell: Eine App, diese App? (Hört, hört!)
Da wird man schon mal dazwischen funken dürfen, nicht um das Angebot „madig“ zu machen, sondern um sich darüber klar zu werden, was da passiert bzw. vermischt wird:
Bildung, ok, das ist das eine, die „One and only“- APP das andere. Das Chaos ist beabsichtigt. Unser Oberstübchen sei auch schon durchlässig, sagen die IT-Propheten, der Chip sei schon so gut wie im Gehirn implementiert.
Der Zauberlehrling - Bildungsgut, das dank Walt Disneys Mickey Mouse jedes Kind kennt- bugsiert die Besen, also die Werkzeuge nach der Flut in die Ecke mit der Einsicht, nur ein Lernender zu sein, nicht der Meister, dem die Werkzeuge nicht mehr gehorchen.
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Freitag, 22. Juni 2018
Ein neues Kapitel aufschlagen: Analog und Digital
kuehnesmallworld, 12:10h
Es gibt sie nicht, die digitale Welt. Was es gibt, ist Analoges und Digitales in der einen Welt. Analog und digital verhalten sich zueinander wie das Sein / Existenz zum Mittel. Es gab handwerkliche Mittel (Handwerkzeuge], mechanische Mittel (Dampfmaschine) und es gibt digitale Mittel, den Chip, der analoge Signale digital verarbeitet. Mittel kann man daran erkennen, dass der Mensch sie zum Mittel macht. Und zwar dadurch, dass er sich zu ihnen verhält. Das ist das Wesen des Menschen, die Conditio humana.
Der Wunsch, der Gegenstand der Bearbeitung solle sich verhalten wie die Mittel der Bearbeitung, was heute heisst, so digital sein wie die digitalen Mittel, ist die Sehnsucht nach der Auflösung des Widerstands. Gemeint ist der Widerstands des Materials, die Unvollkommenheit der Möglichkeiten, der Widerstands des Menschen gegen das widerstandslose Einverstandensein mit dem, was von einem gewollt, einem zugemutet wird.
Der stumme kraftstrotzende willenlose Golem aus Lehm in der jüdischen Mystik, der Zauberlehrling, der den Dingen befehlen will, Frankenstein, die aus dem Ruder gelaufene Technik, sie alle sind Geschöpfe des Menschen, sie alle leisten endlich Widerstand, lehnen sich auf, erheben sich gegen ihren Schöpfer. Der Traum gebiert den Albtraum. Die gute Nachricht: Mit dem Zerplatzen der Allmachtsphantasien zerplatzt auch der Albtraum. Die Allmachtsphantasie in digitalen Zeiten ist der Glaube an die völlige Manipulierbarkeit des Menschen.
Der Wunsch, der Gegenstand der Bearbeitung solle sich verhalten wie die Mittel der Bearbeitung, was heute heisst, so digital sein wie die digitalen Mittel, ist die Sehnsucht nach der Auflösung des Widerstands. Gemeint ist der Widerstands des Materials, die Unvollkommenheit der Möglichkeiten, der Widerstands des Menschen gegen das widerstandslose Einverstandensein mit dem, was von einem gewollt, einem zugemutet wird.
Der stumme kraftstrotzende willenlose Golem aus Lehm in der jüdischen Mystik, der Zauberlehrling, der den Dingen befehlen will, Frankenstein, die aus dem Ruder gelaufene Technik, sie alle sind Geschöpfe des Menschen, sie alle leisten endlich Widerstand, lehnen sich auf, erheben sich gegen ihren Schöpfer. Der Traum gebiert den Albtraum. Die gute Nachricht: Mit dem Zerplatzen der Allmachtsphantasien zerplatzt auch der Albtraum. Die Allmachtsphantasie in digitalen Zeiten ist der Glaube an die völlige Manipulierbarkeit des Menschen.
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