Mittwoch, 14. Oktober 2015
Mittwoch, 14. Oktober 2015
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. lautet ein philosophisches Verdikt.

Oh doch, es gibt ihn, den Richtigen im Falschen:

Da ist der Richtige, der es an nichts politisch Korrektem fehlen lässt, sich keines Rassismus schuldig macht, nirgends, aber unablässig die Welt einteilt in Pfaffen, Banker, Sozen, Pinneberger usw. und sich darob mitten im Falschen wiederfindet.

Oh doch, es gibt sie, die Falsche im Richtigen:

Da ist die Falsche, die eifrig und bemüht, immer und überall dem Richtigen das Wort redet, deren Mund aber voll ist von Verfehlungen, Abweichungen und Unwahrheiten anderer, wobei ihr von falscher Seite (natürlich) heftig Beifall gezollt wird.

Wer etwas ausschliessen will, macht sich zu dessen Teil.
Wer etwas ausschliesslich sein will, macht sich zu dessen Gegenteil.

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Freitag, 9. Oktober 2015
Freitag, 9. Oktober 2015
Europa? Ach nee!
Dem Fragezeichen folgt das (t)rotzige Ausrufezeichen auf dem Fuss: „Ach nee, wär ja noch schöner!“

Die demonstrative Vor- und Selbsteingenommenheit gegen die die Zweifler verzweifelt anrennen, kommt nicht von Ungefähr: Europa wird nicht von einem Zentrum regiert, noch nie, wenn man die Kaiserpfalzen nimmt, heute weniger denn je, wenn einem die Kakophonie der Stimmen und Meinungen im Ohr klingen.

Europa, das ist der Kontinent, der von den Rändern, von den Provinzen und dem Provinziellen aus regiert wird. Europa, das ist der Raum, in dem der Zweifel hoffähig ist und kultiviert wird: Der Zweifel an der Zentrale und zentralen Doktrinen.

Der Zweifel, das Infragestellen, wird kultiviert im philosophischen Diskurs, wird kultiviert im religiösen Zweifel, im meinungsfreien Meinungsstreit. Der Schutzpatron der Zweifler, Thomas, hat es bis in den inneren Zirkel des Religionsstifters geschafft.

Europa? Von der Währung über den Datenschutz bis zur Gerechtigkeit, ist es überhaupt noch zu retten? Darauf tönt es spöttisch, überheblich wie eh und je:
„Was wollt ihr denn? Seit Jahrtausenden ging hier jeder jedem an die Gurgel, ist doch ein schöner Fortschritt, dass wir das jetzt so tun, dass noch etwas, wenn auch leicht gequetscht, herauskommt aus dieser Gurgel."

„Gequetscht“ ist vornehm übertrieben. Gar nicht pauschal, überzogen und extremistisch genug kann sein, was da als Kritik von sich gegeben wird.
Und: Stimmts etwa nicht? Kamen aus diesem Europa etwa nicht immer wieder Fanfarenstösse für Demokratie und Freiheit? Stärkte die Heterogenität etwa nicht den Druck, Lösungen zu finden?

Im Gegenteil: Zeigen die mit Direktiven zentral regierten Territorien nicht täglich ihre Schwächen, wenn es an die Umsetzung geht? Was eben noch vollmundig hochgejubelt wurde, öffnet im nächsten Moment der Ausrede, dem Wegmogeln und Wegmaulen soviel Türen und Tore, dass der gewohnte Schlendrian und die bemängelte Praxis äusserst kompfortablen Unterschlupf finden. Stimmts etwa nicht? Je klarer die Richtungsweisung, desto miserabler die Praxis.

Ich formuliere das als Frage. Das mit Sicherheit einsetzende Schauspiel des Meinungs-HickHacks mit verteilten Rollen und bekannten Argumenten soll mir nicht entgehen. Die Erschöpfung, die dann einsetzt, nennt man Katharsis, Konsens oder Frieden.

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Dienstag, 6. Oktober 2015
Dienstag, 6. Oktober 2015
Der Bildungsbiografie zweiter Teil: Bildung ist ein Land.

Unerreichbare Bildung und Schule als Druckmittel machte mich renitent und dickfellig, verstärkte auch ungewollt das Gefühl der Überlegenheit. Die Bildung meines Vaters dagegen war Einwanderungsland. Aus einer Familie der Aus- und Einwanderer kam er,
Verheissung und Orientierungslosigkeit hielten sich die Waage. Um die Bildung herum kein Land nirgends oder: vermint, kleinkariert, ablehnend.

Bildung dagegen positives Erwartungsland. Ich las in einem seiner Briefe als Antwort auf Klagen über mich, dass ich es schwer habe, so allein, in der ersten Klasse des Gymnasiums, er war krank, Der Ton war verständnisvoll, aber blieb auf Bildung beschränkt.

In seinen Krankenhaus- und Sanatoriumsurlauben bekam ich mit seinem verbliebenen Arm bei jeder falschen Lateinvokabel einen Knuff, bis mir der ganze Oberarm wehtat und ich eine Note besser wurde. Nachhilfe war Lebenshilfe.

Bildung ist für mich Raum zum Leben, Spielraum, Konflikt, Entfaltung. Mir fiel partout nicht ein, was ich werden sollte, weil ich es schon hatte: Leben, begreifen, vermitteln. Nicht das Ziel, sondern Weg war Bildung für mich. Deshalb taucht auch Pädagogik und Pädagogisches immer wieder in unterschiedlichen oft "unprofessionellen" Formen bei mir auf.

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