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Dienstag, 17. März 2015
Dienstag, 17. März 2015
kuehnesmallworld, 19:01h
Wer vom Wachstum, der Plastizität des Gehirns im 2. Kapitels des Buchs von Jonah Lehrer (Prousts Madeleine) gelesen hat, dessen Kapitel über Schmecken, Hören, Sehen vor einigen Tagen Gegenstand meiner Blog-Notizen waren, der wird nicht allen Ernstes annehmen können, dass das Gehirn nachgebaut, künstliche Intelligenz wirklich Intelligenz werden kann.
Das Gehirn bildet sich neu im Prozess seiner Denk-Operationen, die sich dadurch ausbildende Individualität des Menschen ist "unerschöpflich", nicht nur Variation oder Reservoir, sondern Ergebnis einer in den neuronalen Zellen stattfindenen "atomaren Rempelei", eines Chaos nach dem Zufallsprinzip auch Unordnung oder Diversität genannt.
Unsere DNA ist ein Code, der vielfältige Bedeutungen hervorbringt aber dies in Abhängigkeit vom Kontext. Unsere Zellen leben in ständiger Rückkoppelung mit der Umgebung: "Unser Leben ist dialektisch." Dieser Wachstums und Veränderungsprozess ist nichts anderes als Lernen. Und damit unauflöslich verbunden mit dem, was uns Freiheit bedeutet.
Was wir aber nachbauen erzeugen können ist ein hohes Mass an Automatisierung, so hoch dass - und das ist die Hoffnung bzw. Angst - dass die einprogrammierten Bestandteile des Automats miteinander zu kommunizieren beginnen. Vielleicht tun sie das ja einmal, dass sie das so tun, wie das Gehirn es tut, erscheint nach der Lektüre von Jonah Lehrer über das neuronale Zellenwachstum doch eher unwahrscheinlich.
Dabei kommt es nicht darauf an ob, und wieweit das möglich ist, wo also die Grenze zwischen Intelligenz und künstlicher Intelligenz liegt, sondern darauf, wer den Prozess steuert. Unserem Gehirn obliegt auch weiterhin die Steuerung, wenn es das Steuer nicht aus der Hand gibt. An keinem anderen Ort ist die Verschaltung so vielgestaltig und komplex, alle Aspekte menschlichen Seins umfassend. Nirgendwo anders kann sich das Selbstbewusstsein derart in seiner Komplexität erschaffen als hier.
Ein kleines Beispiel für diese Komplexität:
Der Unterschied zwischen Suchen und Surfen.
Surfen bleibt erklärtermassen an der Oberfläche, muss Wort oder Begriff nur anklicken und werde zum nächsten geleitet. Öfter finde ich etwas, was ich nicht gesucht habe, aber Suchen ist das nicht. Zum Suchen muss ich schon etwas gefunden haben, eine Idee, Assoziation, ein Gefühl, dem ich nachgehe. Suchen hat schon eine Vorstellung, Idee von dem, wonach es sucht, auch wenn der Suchscheinwerfer noch sehr breit ist. Eine ungenügende Vorstellung, eine falsche Vorstellung vielleicht. Vergleichsweise selten lassen einen die Suchprogramme heute noch suchen. Man findet bevor man gesucht hat, weil, die Fast-Food-Begriffe im Ranking schon ganz oben stehen.
Die Phantasie geht verloren, Begriffe zu zerlegen, zu variieren oder neue Suchbegriffe zu bilden, warum nicht auch abwegige? Das ist weiterführendes Suchen und von einem inneren Prozess der Klärung begleitet, dem Gesuchten näher zu kommen.
Das Gehirn bildet sich neu im Prozess seiner Denk-Operationen, die sich dadurch ausbildende Individualität des Menschen ist "unerschöpflich", nicht nur Variation oder Reservoir, sondern Ergebnis einer in den neuronalen Zellen stattfindenen "atomaren Rempelei", eines Chaos nach dem Zufallsprinzip auch Unordnung oder Diversität genannt.
Unsere DNA ist ein Code, der vielfältige Bedeutungen hervorbringt aber dies in Abhängigkeit vom Kontext. Unsere Zellen leben in ständiger Rückkoppelung mit der Umgebung: "Unser Leben ist dialektisch." Dieser Wachstums und Veränderungsprozess ist nichts anderes als Lernen. Und damit unauflöslich verbunden mit dem, was uns Freiheit bedeutet.
Was wir aber nachbauen erzeugen können ist ein hohes Mass an Automatisierung, so hoch dass - und das ist die Hoffnung bzw. Angst - dass die einprogrammierten Bestandteile des Automats miteinander zu kommunizieren beginnen. Vielleicht tun sie das ja einmal, dass sie das so tun, wie das Gehirn es tut, erscheint nach der Lektüre von Jonah Lehrer über das neuronale Zellenwachstum doch eher unwahrscheinlich.
Dabei kommt es nicht darauf an ob, und wieweit das möglich ist, wo also die Grenze zwischen Intelligenz und künstlicher Intelligenz liegt, sondern darauf, wer den Prozess steuert. Unserem Gehirn obliegt auch weiterhin die Steuerung, wenn es das Steuer nicht aus der Hand gibt. An keinem anderen Ort ist die Verschaltung so vielgestaltig und komplex, alle Aspekte menschlichen Seins umfassend. Nirgendwo anders kann sich das Selbstbewusstsein derart in seiner Komplexität erschaffen als hier.
Ein kleines Beispiel für diese Komplexität:
Der Unterschied zwischen Suchen und Surfen.
Surfen bleibt erklärtermassen an der Oberfläche, muss Wort oder Begriff nur anklicken und werde zum nächsten geleitet. Öfter finde ich etwas, was ich nicht gesucht habe, aber Suchen ist das nicht. Zum Suchen muss ich schon etwas gefunden haben, eine Idee, Assoziation, ein Gefühl, dem ich nachgehe. Suchen hat schon eine Vorstellung, Idee von dem, wonach es sucht, auch wenn der Suchscheinwerfer noch sehr breit ist. Eine ungenügende Vorstellung, eine falsche Vorstellung vielleicht. Vergleichsweise selten lassen einen die Suchprogramme heute noch suchen. Man findet bevor man gesucht hat, weil, die Fast-Food-Begriffe im Ranking schon ganz oben stehen.
Die Phantasie geht verloren, Begriffe zu zerlegen, zu variieren oder neue Suchbegriffe zu bilden, warum nicht auch abwegige? Das ist weiterführendes Suchen und von einem inneren Prozess der Klärung begleitet, dem Gesuchten näher zu kommen.
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Donnerstag, 26. Februar 2015
Donnerstag, 26. Februar 2015
kuehnesmallworld, 10:05h
Abstandhalter.
In der Nacht hat der Mensch manchmal nur die Weite des Sternenhimmels über sich, fühlt sich klein und denkt unwillkürlich an das Grosse, das ihn umgibt, egal wie er es nennt. Oder:
In einem Keller, eingesperrt, seinen Feinden ausgeliefert, in aussichtsloser Lage, macht seine Verlorenheit, dass sich der Mensch das Allesumfassende zum Gegenüber nimmt.
Der Mensch adressiert sich gerade in seiner Unerheblichkeit an das Grosse. Der Mensch: schon ein merkwürdiges Wesen. Er hat Begriff und Empfinden für das Weite, Ferne, Unfassbare und er hat Begriff und Empfinden dafür, dass ihm das Grosse nahe kommt. Eine Nähe, nach der Mensch strebt und die ihm selbst etwas Unnahbares gibt.
Eine Nähe, die ihn der Nähe anderer Menschen, oft eigenmächtig hergestellt, zu entfremden und zu entziehen vermag. Es braucht nicht unbedingt einen Gott dazu, das Nicht-Nachvollziehbare, das im Menschen wurzelt, tut es auch.
In dieser Situation schlägt die Stunde des Spitzels. Spitzel in fremdem oder eigenen Auftrag, die dem sich Entziehenden auf den Leib rücken. Oft in business-liker, offizieller Pose. Hacking, Geheimdienst, heissen die Tarnanstriche, die erst notwendig geworden sind, weil deine Nähe-Sphäre als Bedrohung oder Ressource gesehen wird. Das Neue sind nicht die Fakten sondern das geschäftsmässige Auftreten in quasi amtlicher Funktion. Spitzel-sein ist bürgerlich und Beruf geworden, das unanständige Eckenstehen und Lauschen gegen Bares ist von gestern.
Unvermittelt tauchen sie vor einem auf, können alles, was sich ihnen entzieht einfach nicht aushalten. Je verfügbarer und geregelter ihr Weltbild, umso weniger. Tratsch nennt man es, wenn Gemeinsamkeiten unter den Lästernden im Vordergrund stehen. Denunziation nennt man es, wenn es die vermeintlichen Verursacher und Schuldigen sind. Der allein oder für sich stehende Mensch ruft eine Art fürsorglich spitzelnde Sozialarbeit auf den Plan, der ihn beschützt oder vor ihm schützt. Der Spitzel taucht unvermutet auf, stellt Nähe her, dient sich an, macht sich nützlich, wird dein Lebens-Assistent. Vor allem aber sieht er in dir eine unkalkulierbare Unsicherheitsquelle und das aus einem Grund: Der Grund heisst Macht. Oder:
Auf deinem Lebensweg, legt sich Station für Station, Etappe für Etappe, ein Netz von Begleit-Beziehungen um dich wie eine zweite Haut oder das Datenkleid eines Avatars. Es ist nicht mehr du, der den Schatten wirft, sie sind dein Schatten, auch wenn du dabei gut vorangekommen bist. Du kannst dich deiner beharrlichen Begleiter fast nicht erwehren, wie eine zweite Biografie sind sie dir geworden. Sie recruitieren sich aus der Gruppe, dem Lager, auf dessen Seite du dich rechtzeitig gestellt hast, um bei Entscheidungen an den Weggabelungen nicht ganz auf dich allein gestellt zu sein. Fortan lebst du in ihrer ehrenwerten Gesellschaft, sie bürgen für dich, bieten durch ihre Anwesenheit die Gewähr, dass es bei dir immer "mit rechten Dingen" zugegangen ist, verleihen deinem Auftritt das Honorige und Unzweifelhafte. Das macht die Kompromisse, die du eingegangen bist, um ihre Rückendeckung zu bekommen vergessen. Ab und zu erinnerst du dich noch an die Weite des Sternenhimmels über dir oder daran wieviel Mühe es dich kostet, wenigstens dann und wann die Schwarmnähe durch heftiges Drehen und Wenden auf DIstanz zu bringen, um dir klar zu machen, wieviel Ferne und Fremdheit dem Mensch-sein innewohnt. Eine Fremdheit, eine Ferne, die dich verdächtig macht und sei es aus einem Grund: Der Grund heisst Abhängigkeit.
Der Macht wie der Abhängigkeit zu entrinnen, geht nur durch Raum für die Person und Raum für persönliche Beziehungen, die Macht und Abhängigkeit ausbalancieren. Eine reicht schon.
In der Nacht hat der Mensch manchmal nur die Weite des Sternenhimmels über sich, fühlt sich klein und denkt unwillkürlich an das Grosse, das ihn umgibt, egal wie er es nennt. Oder:
In einem Keller, eingesperrt, seinen Feinden ausgeliefert, in aussichtsloser Lage, macht seine Verlorenheit, dass sich der Mensch das Allesumfassende zum Gegenüber nimmt.
Der Mensch adressiert sich gerade in seiner Unerheblichkeit an das Grosse. Der Mensch: schon ein merkwürdiges Wesen. Er hat Begriff und Empfinden für das Weite, Ferne, Unfassbare und er hat Begriff und Empfinden dafür, dass ihm das Grosse nahe kommt. Eine Nähe, nach der Mensch strebt und die ihm selbst etwas Unnahbares gibt.
Eine Nähe, die ihn der Nähe anderer Menschen, oft eigenmächtig hergestellt, zu entfremden und zu entziehen vermag. Es braucht nicht unbedingt einen Gott dazu, das Nicht-Nachvollziehbare, das im Menschen wurzelt, tut es auch.
In dieser Situation schlägt die Stunde des Spitzels. Spitzel in fremdem oder eigenen Auftrag, die dem sich Entziehenden auf den Leib rücken. Oft in business-liker, offizieller Pose. Hacking, Geheimdienst, heissen die Tarnanstriche, die erst notwendig geworden sind, weil deine Nähe-Sphäre als Bedrohung oder Ressource gesehen wird. Das Neue sind nicht die Fakten sondern das geschäftsmässige Auftreten in quasi amtlicher Funktion. Spitzel-sein ist bürgerlich und Beruf geworden, das unanständige Eckenstehen und Lauschen gegen Bares ist von gestern.
Unvermittelt tauchen sie vor einem auf, können alles, was sich ihnen entzieht einfach nicht aushalten. Je verfügbarer und geregelter ihr Weltbild, umso weniger. Tratsch nennt man es, wenn Gemeinsamkeiten unter den Lästernden im Vordergrund stehen. Denunziation nennt man es, wenn es die vermeintlichen Verursacher und Schuldigen sind. Der allein oder für sich stehende Mensch ruft eine Art fürsorglich spitzelnde Sozialarbeit auf den Plan, der ihn beschützt oder vor ihm schützt. Der Spitzel taucht unvermutet auf, stellt Nähe her, dient sich an, macht sich nützlich, wird dein Lebens-Assistent. Vor allem aber sieht er in dir eine unkalkulierbare Unsicherheitsquelle und das aus einem Grund: Der Grund heisst Macht. Oder:
Auf deinem Lebensweg, legt sich Station für Station, Etappe für Etappe, ein Netz von Begleit-Beziehungen um dich wie eine zweite Haut oder das Datenkleid eines Avatars. Es ist nicht mehr du, der den Schatten wirft, sie sind dein Schatten, auch wenn du dabei gut vorangekommen bist. Du kannst dich deiner beharrlichen Begleiter fast nicht erwehren, wie eine zweite Biografie sind sie dir geworden. Sie recruitieren sich aus der Gruppe, dem Lager, auf dessen Seite du dich rechtzeitig gestellt hast, um bei Entscheidungen an den Weggabelungen nicht ganz auf dich allein gestellt zu sein. Fortan lebst du in ihrer ehrenwerten Gesellschaft, sie bürgen für dich, bieten durch ihre Anwesenheit die Gewähr, dass es bei dir immer "mit rechten Dingen" zugegangen ist, verleihen deinem Auftritt das Honorige und Unzweifelhafte. Das macht die Kompromisse, die du eingegangen bist, um ihre Rückendeckung zu bekommen vergessen. Ab und zu erinnerst du dich noch an die Weite des Sternenhimmels über dir oder daran wieviel Mühe es dich kostet, wenigstens dann und wann die Schwarmnähe durch heftiges Drehen und Wenden auf DIstanz zu bringen, um dir klar zu machen, wieviel Ferne und Fremdheit dem Mensch-sein innewohnt. Eine Fremdheit, eine Ferne, die dich verdächtig macht und sei es aus einem Grund: Der Grund heisst Abhängigkeit.
Der Macht wie der Abhängigkeit zu entrinnen, geht nur durch Raum für die Person und Raum für persönliche Beziehungen, die Macht und Abhängigkeit ausbalancieren. Eine reicht schon.
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Montag, 23. Februar 2015
Montag, 23. Februar 2015
kuehnesmallworld, 09:11h
Alles Lernen oder was?
Das muss man wohl annehmen, wenn man sich die Erkenntnisse der Neuropsychologie anschaut. Ob wir schmecken, uns erinnern, hören, sehen, schreiben oder sonst was tun: Wir lernen. Besser: Unser Nervensystem lernt. Sogar der religiöse Begriff der Vergebung erscheint psychoneurologisch aus grosser Ferne wunderbar nah gerückt und zwar nicht etwa als Vergessen, sondern als Erinnerung an die letzte oder vorletzte oder vorvorletzte Erinnerung, im Fall der Vergebung an eine Sicht der Dinge, die nicht aufrechnet. Eine Art positiver Vorgang der Überschreibung. Nicht verstandesgesteuert sonden psychoneurologisch vernetzt. Und damit die stärkste Figur in Kultur und Geschichte. Denn im Überschreibungsvorgang, den das neuronale Netz von morgens bis abends und auch nachts noch ins Werk setzt, wird nicht vergessen, sondern neu und anders eingeordnet.
Dass alles Lernen ist und zunehmend wird, darauf deuten verschiedene Anzeichen hin: Die Vielzahl der Lernorte, die wir heute auch "Dritte Arbeitsorte" nennen, die All-Gegenwart des digitalen Zugreifen-könnens, die abnehmende Bedeutung des Gebundenseins des Lernens an die einzelne Lern-Institution, in der es stattfindet. Mittels dieser Anzeichen setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es nicht nur eine sondern viele Lernarten gibt (vgl. Benedict Carey: Wie wir lernen Rowohlt 2014). Ob das Lernen wie einst durch Memorieren oder wie meist jetzt noch durch schrittweises jahrgangsweises Vorrücken in der Gruppe oder Klasse erfolgt, ob es durch Bestrafen ungewünschter und Verstärken gewünschter Verhaltensweisen geschieht, immer ist es nur eine von vielen aus der grossen Zahl der Lernweisen und -arten.
Gemeinsam ist der hier genannten Auswahl die Einschränkung des Wahrnehmungsspektrums, die Konzentration auf den Lernstoff. Das sind Umstände, die die Kontrolle des Verhaltens, nun Lernfortschritte genannt, nahelegen und erforderlich machen. Kontrolle und Konzentration begleiten diese Pädagogik. Die zynische Übernahme des Begriffs für die Lagereinrichtungen durch die Nazis ist nicht zufällig. Aber auch beim Begriff der Umerziehung handelt es sich um mittels staatlicher Gewalt umgesetzte Zwangsmassnahmen. Entschulungs- und antiautoritäre Ansätze nehmen sich dagegen harmlos aus. Zu tief stecken Lebenswelt-Reduzierung und Aufrichtung interner Hierarchien bereits in unserem Bild vom Lernen und lernenden Menschen.
Ihm auch noch abzusprechen, was er schon längst gelernt hat, wenn auch woanders und auf andere Weise, ist der traurige Gipfel einer reduzierenden Lern-Umwelt und eines reduzierten Lernbegriffs. Dass die Kindheit von Hänschen mehr zähle als das Leben von Hans, dass der Mensch ein Gewohnheitstier sei, sind in "Fleisch und Blut" übergegangene Gewissheiten. Aber Lernen ist Leben und je mehr sich unser Begriff von menschlichem Leben bspw. durch die Neurowissenschaften erweitert (Beobachtung hätts auch getan), weitet sich unsere Vorstellung von dem, was Lernen ist: Längst keine blosse Optimierung und Anpassung sondern Verarbeitung, Übertragung und Kombination zu neuen Einsichten und Verhaltensweisen. Ein Lernen, das Freiheit, mindestens Bewegungsfreiheit, voraussetzt. Ein komplexes Nervensysten, neben dem sich die Computerisierung ausnimmt, wie eine Spielzeugeisenbahn, wartet nur darauf, Anregungen und Vor-Bilder aufzunehmen um sie auf ganz eigene Art zu verknüpfen und zu entwickeln. Und wenn wir der Summe unserer Erfahrungen und Einsichten Glauben schenken dürfen, dann war genau dies das Erfolgsrezept, dass die Entwicklung des Menschen beflügelte.
Nachwort: Im Blog steckt das Bre4, also auch hier: Das Kreative und das Religiöse ist natürlich auch im lernenden Gesamtsystem Mensch inbegriffen. Das Lernen und Verändern so zum Schlüsselbegriff wird, hab ich nicht gewusst, als ich Lernen unabhängig vom pädagogischen System zu meinem Lebensthema gemacht hab. Warum? Weil es das wohl schon war. Bis in die letzten Jahre aber hing man letztlich der Vorstellung an, dass das Hirn Steuerungsfunktion hat, aber dass wir das Hirn sind, dämmert uns jetzt. Ersteinmal bleibt unsere Vorstellung von uns davon unberührt. Auch die Vorstellung vom Fahren um ein Beispiel zu nennen, hält halt so lange an einem Steuer fest, bis andere Mechanismen entwickelt sind, die das Steuer ersetzen oder kompensieren.
Jedenfalls erscheint dem lernenden Gesamtsystem Mensch eine umittelbare Reaktion wie Rache oder Hass oder Auge um Auge hauptsächlich geeignet zu sein, um das Gefühl der Kontrolle, um die Oberhand zu behalten. Viel angemessener kann es aber sein, seine Reaktion nicht direkt an den (Aggressions-) Auslöser zu binden. Weitergehende Verschaltungen und Vernetzung können das Erlebte ganz anders einbinden und darstellen, als wir uns das heute noch träumen lassen. Einer der Kerngedanken der Kreativität und einer der Kerngedanken der Religion. Genauso unangemessen und falsch wäre es aber diesen Gedanken auf hergebrachte Art zum Instrument, sagen wir einer neuen Weltsicht oder Konfliktlösungsstrategie zu machen. Wir sässen, um das Bild zu gebrauchen, sozusagen wieder am Steuer. Wir haben den Gedanken und das reicht, um das Wirklichkeitsspektrum, das wir im Visir haben, zu erweitern. Eine vom Tremolo der Überzeugung durchdrungene Meditation über das Gesamtsystem Mensch braucht es nicht. Aber es braucht das Denken und das ist ohne die Freiheit auch etwas anderes zu denken, es denkbar zu machen, schlechterdings nicht möglich. Alles andere ist Dummheit.
Das muss man wohl annehmen, wenn man sich die Erkenntnisse der Neuropsychologie anschaut. Ob wir schmecken, uns erinnern, hören, sehen, schreiben oder sonst was tun: Wir lernen. Besser: Unser Nervensystem lernt. Sogar der religiöse Begriff der Vergebung erscheint psychoneurologisch aus grosser Ferne wunderbar nah gerückt und zwar nicht etwa als Vergessen, sondern als Erinnerung an die letzte oder vorletzte oder vorvorletzte Erinnerung, im Fall der Vergebung an eine Sicht der Dinge, die nicht aufrechnet. Eine Art positiver Vorgang der Überschreibung. Nicht verstandesgesteuert sonden psychoneurologisch vernetzt. Und damit die stärkste Figur in Kultur und Geschichte. Denn im Überschreibungsvorgang, den das neuronale Netz von morgens bis abends und auch nachts noch ins Werk setzt, wird nicht vergessen, sondern neu und anders eingeordnet.
Dass alles Lernen ist und zunehmend wird, darauf deuten verschiedene Anzeichen hin: Die Vielzahl der Lernorte, die wir heute auch "Dritte Arbeitsorte" nennen, die All-Gegenwart des digitalen Zugreifen-könnens, die abnehmende Bedeutung des Gebundenseins des Lernens an die einzelne Lern-Institution, in der es stattfindet. Mittels dieser Anzeichen setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass es nicht nur eine sondern viele Lernarten gibt (vgl. Benedict Carey: Wie wir lernen Rowohlt 2014). Ob das Lernen wie einst durch Memorieren oder wie meist jetzt noch durch schrittweises jahrgangsweises Vorrücken in der Gruppe oder Klasse erfolgt, ob es durch Bestrafen ungewünschter und Verstärken gewünschter Verhaltensweisen geschieht, immer ist es nur eine von vielen aus der grossen Zahl der Lernweisen und -arten.
Gemeinsam ist der hier genannten Auswahl die Einschränkung des Wahrnehmungsspektrums, die Konzentration auf den Lernstoff. Das sind Umstände, die die Kontrolle des Verhaltens, nun Lernfortschritte genannt, nahelegen und erforderlich machen. Kontrolle und Konzentration begleiten diese Pädagogik. Die zynische Übernahme des Begriffs für die Lagereinrichtungen durch die Nazis ist nicht zufällig. Aber auch beim Begriff der Umerziehung handelt es sich um mittels staatlicher Gewalt umgesetzte Zwangsmassnahmen. Entschulungs- und antiautoritäre Ansätze nehmen sich dagegen harmlos aus. Zu tief stecken Lebenswelt-Reduzierung und Aufrichtung interner Hierarchien bereits in unserem Bild vom Lernen und lernenden Menschen.
Ihm auch noch abzusprechen, was er schon längst gelernt hat, wenn auch woanders und auf andere Weise, ist der traurige Gipfel einer reduzierenden Lern-Umwelt und eines reduzierten Lernbegriffs. Dass die Kindheit von Hänschen mehr zähle als das Leben von Hans, dass der Mensch ein Gewohnheitstier sei, sind in "Fleisch und Blut" übergegangene Gewissheiten. Aber Lernen ist Leben und je mehr sich unser Begriff von menschlichem Leben bspw. durch die Neurowissenschaften erweitert (Beobachtung hätts auch getan), weitet sich unsere Vorstellung von dem, was Lernen ist: Längst keine blosse Optimierung und Anpassung sondern Verarbeitung, Übertragung und Kombination zu neuen Einsichten und Verhaltensweisen. Ein Lernen, das Freiheit, mindestens Bewegungsfreiheit, voraussetzt. Ein komplexes Nervensysten, neben dem sich die Computerisierung ausnimmt, wie eine Spielzeugeisenbahn, wartet nur darauf, Anregungen und Vor-Bilder aufzunehmen um sie auf ganz eigene Art zu verknüpfen und zu entwickeln. Und wenn wir der Summe unserer Erfahrungen und Einsichten Glauben schenken dürfen, dann war genau dies das Erfolgsrezept, dass die Entwicklung des Menschen beflügelte.
Nachwort: Im Blog steckt das Bre4, also auch hier: Das Kreative und das Religiöse ist natürlich auch im lernenden Gesamtsystem Mensch inbegriffen. Das Lernen und Verändern so zum Schlüsselbegriff wird, hab ich nicht gewusst, als ich Lernen unabhängig vom pädagogischen System zu meinem Lebensthema gemacht hab. Warum? Weil es das wohl schon war. Bis in die letzten Jahre aber hing man letztlich der Vorstellung an, dass das Hirn Steuerungsfunktion hat, aber dass wir das Hirn sind, dämmert uns jetzt. Ersteinmal bleibt unsere Vorstellung von uns davon unberührt. Auch die Vorstellung vom Fahren um ein Beispiel zu nennen, hält halt so lange an einem Steuer fest, bis andere Mechanismen entwickelt sind, die das Steuer ersetzen oder kompensieren.
Jedenfalls erscheint dem lernenden Gesamtsystem Mensch eine umittelbare Reaktion wie Rache oder Hass oder Auge um Auge hauptsächlich geeignet zu sein, um das Gefühl der Kontrolle, um die Oberhand zu behalten. Viel angemessener kann es aber sein, seine Reaktion nicht direkt an den (Aggressions-) Auslöser zu binden. Weitergehende Verschaltungen und Vernetzung können das Erlebte ganz anders einbinden und darstellen, als wir uns das heute noch träumen lassen. Einer der Kerngedanken der Kreativität und einer der Kerngedanken der Religion. Genauso unangemessen und falsch wäre es aber diesen Gedanken auf hergebrachte Art zum Instrument, sagen wir einer neuen Weltsicht oder Konfliktlösungsstrategie zu machen. Wir sässen, um das Bild zu gebrauchen, sozusagen wieder am Steuer. Wir haben den Gedanken und das reicht, um das Wirklichkeitsspektrum, das wir im Visir haben, zu erweitern. Eine vom Tremolo der Überzeugung durchdrungene Meditation über das Gesamtsystem Mensch braucht es nicht. Aber es braucht das Denken und das ist ohne die Freiheit auch etwas anderes zu denken, es denkbar zu machen, schlechterdings nicht möglich. Alles andere ist Dummheit.
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