Dienstag, 8. April 2014
Dienstag, 8. April 2014
Bemerkungen über Spinnennetze. Ständig ist von Netzen, Vernetzung, networking etc. die Rede. Vorbild scheint eher das Fischernetz zu sein, als das Netz der Spinne. Nehmen wir ein paar Bionik-Anleihen am Vorbild der Natur, kommen wir zu folgenden Schlussfolgerungen:

1. Das Netz besteht aus tierischen Sekret und wird ständig recycelt, in dem es von der Spinne wieder aufgefressen wird.

2. Das Recycling findet kurzfristig statt, z.B. alle zwei Tage, so dass von jeweils frischen, Netzen gesprochen werden kann. Keinesfalls wird ein Netz geknüpft und dann in diesem Zustand belassen, allenfalls geflickt und erweitert.

3. Das Netz kann auch ein Lasso sein, also wie eine Angelrute das einzelne Objekt fangen.

4. Das Netz wird abhängig von der Situation und auch vom Ort, immer wieder neu geknüpft und den Bedingungen angepasst.

5. Im Gegensatz zum statischen Netz, das wir ausspannen, um zu sehen, wer uns ins Netz geht, knüpft die Natur ein dynamisches Netz a) in einer bestimmten Situation b) auf ein hauptsächlich erwartetes Zielobjekt hin.

Ein bionisch-dynamisches Netz ist einer Jagdmeute näher als der maschinell (durch Datensammelei) produzierten Masche. Die Verknüpfung von Information und Kommunikation bei der auf der Jagd befindlichen Meute findet zielorientiert, teilnehmerorientiert und in Abhängigkeit vom Gelände statt. Nur genau dies ist in genau dieser Situation zielführende Information. Angesichts der zunehmenden Differenzierung von Produkt und Produzent, dürften dynamischen Netzen sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Ein derartiges dynamisches Netz, die Verständigung untereinander, bezogen auf das Zielobjekt, ist eher Kommunikation als Archiv.

Der Sonderfall der Falltürspinne: Sie gräbt eine Wohnröhre in den Boden, kleidet sie mit Spinnseide aus und verschliesst die Öffnung der Röhre mit einem Deckel aus Spinnseide, der als gut getarnte Falltür dient. Merke: Auch das Knüpfen beinah virtuell anmutender Netze kann der Erzeugung von Heimat dienen.

Der in die Populär-Kultur eingewanderte Spiderman ist ein aktiv handelnder und zupackender Held, der seine Fähigkeit mit Bionik-Anleihen erweitert und optimiert.

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Dienstag, 18. März 2014
Dienstag, 18. März 2014
Der virtuellen Realität folgt die virtuellen Wahrheit. Unmerklich. Künstliche Identitäten sind annehmbar, die nicht überprüft, verifiziert werden müssen. Jedenfalls nicht für den 08/15-Anwender. Damit ist der Kern der Demokratie ausgehebelt: der identifizierbare Souverän.

Statt der überprüfbaren Wahrheit bekommen wir eine hergestellte virtuelle Wahrheit, wie ein doppelter Boden, der eingezogen wird. Daher dies Gefühl der Unwirklichkeit. Die virtuelle Wahrheit bezieht sich als Referenzgrösse auf die ebenfalls "eigenhändig" hergestellte virtuelle Realität. Innerhalb dieser Realität "stimmt" alles. Aber auch nur da. Was soll das Geplärr von der Big-Data-Sicherheit? Big Data ist Unsicherheit. Oder sollen wir Lüge dazu sagen? Was soll das Gerede vom Frieden und globaler Sicherheit. Nimmt die Zahl der Bandherde nicht zu? Was soll das Gerede vom zunehmenden Umwelt-Bewusstsein? Wird der Schaden nicht täglich irreversibler?

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Montag, 17. Februar 2014
Montag, 17. Februar 2014
Vom Lernen zum Sinn führt ein Weg, und dieser führt nicht über die blosse Anhäufung von Wissen.

Wie in einem Interview mit dem Museumsleiter der Camera Obscura in Mülheim/Ruhr, Dr. Tobias Kaufhold, am 26.07.2008 zum Ausdruck kommt, steckt im Guckkasten der Renaissance, das dem Theater nachempfunden ist, und Weltinformationen der damaligen Zeit und ihrer dramatischer Ereignisse (Erdbeben) wiedergab und illustrierte, ein "narratives Element".

Dies "narrative Element" erzählt von einem komplexen Ereignis, erzählt zudem eine Geschichte (wie etwas ablief), was die Verarbeitungszeit der Informationen deutlich verlängert. Nicht die kürzeste Verarbeitungszeit ist also das Erstrebenswerte, sondern gerade ihr Gegenteil: Die Verlängerung der Verarbeitungszeit, so dass die übermittelte Information möglichst komplex sein kann.
"Dieser Raum zwischen Betrachter und Guckkasten, dieser kleine Raum, das ist vielleicht der Raum, in dem eigentlich erst das Bild entsteht –aus mitgebrachten Ängsten, aus schockierenden visuellen Erfahrungen, die man macht. Das Bild entsteht eigentlich neu, obwohl es festgelegt und perspektivisch entwickelt ist –es ist eigentlich ein neues Bild, und das macht die Sache faszinierend und rätselhaft."

Und dieser Raum ist ein Lernraum. Dieser Raum entsteht dadurch, dass der Betrachter, der in den Guckkasten späht, in diesem Moment etwas erkennt, aus dem er etwas lernen kann. Ausserdem erzählt der Raum eine Geschichte, indem er die Objekte perspektivisch nach Vor- und Hintergrund usw. anordnet. Jede, der in den Guckkasten eingeschobenen Kulissen hat a) ihre eigene Distanz zum "Augpunkt" des Betrachters b) erzählt durch "Zentralprojektion" (Vor- und Hintergrund) zudem eine (eigene) Geschichte, z.B. die eines Betrachters, dessen Blick an einer Häuserzeile entlang gleitet, wobei das Haus auf der Höhe des Betrachters hervorgehoben ist.

Zentralperspektive und Zentralprojektion haben die Weltwahrnehmung von uns optisch orientierten Bildmenschen entscheidend geprägt. Der Guckkasten ist ein Arrangement, aber eines das auf den Blick- und Betrachtungsgewohnheiten des Menschen aufbaut.

Das ist das Bild von der Welt, das wir uns machen: Ein Bild, in das ein Sinn, eine Richtung eingezogen ist, und das eine Geschichte erzählt.

Dies erklärt, wie leicht wir der Suggestion, etwas habe sich so und nicht anders zugetragen, auf den Leim gehen, es erklärt aber auch, dass wir uns den Stoff, aus dem die Welt ist, zum Lernstoff machen, Stoff aus dem wir etwas lernen. Nicht zuletzt, indem wir ihm eine Richtung, einen Sinn geben.

Vom Lernen (1) aus den unterschiedlichsten Vorgängen rings um uns (14.2.) über die (neuropsychologische) Signalverarbeitung (2) sind wir also zur Anschauung der Welt (3) und wiederum auf das Lernen, als Erkennen des Sinns, der in den Zusammenhängen steckt, gekommen.

Nicht die möglichst einfach zu erkennende Information, die sich "eintrichtern" lässt, sondern die Information, aus der sich Schlüsse ableiten lassen, ist die Information, aus der der Lernstoff ist. Inklusive der Tatsache, dass man daraus zu lernen hat, wie naheliegend falsche Schlussfolgerungen sind und welche Gegenfragen zu stellen sind, um solchen Fehlschlüssen möglichst schon zu Anfang in die Quere zu kommen. Das ist das Wesen der Kritik: das Anwenden der Gesetzmässigkeiten des Denkens und Erkennens auf das eigenen Denken, nicht etwa primär auf das Denken des Anderen. Den Anderen kritisch zu sehen, ist an sich nichts neues.

Zum Schluss ist auch diese Anschauung vom Lernen und der Welt auf den in ihr steckenden Irrtum zu befragen: Kann es nicht sein, dass uns die Welt mit zunehmender Dauer des Betrachtens und des Lernen zunehmend sinnvoller (auch in ihrer Sinnlosigkeit) und schlüssiger erscheint, je mehr sich der Zeitpfeil des Betrachters selbst dem Ende/Anfang zuneigt. D.h. Weil wir Sinn gemacht haben (hoffe ich doch), macht schliesslich unser Leben Sinn. Mach die Gegenprobe durch die Lebensrealität, nicht etwa den messbaren Erfolg: Sind die Niederlagen unseres Lebens, die Kollisionen mit anderen, welche, aus denen sich lernen liess, die eine kreative Botschaft enthalten? Oder drehen wir uns im Kreis. Dann hätten wir nichts gelernt.

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