Sonntag, 3. April 2011
Sonntag, 3. April 2011
Wer ich nicht bin, was mit mir nicht geht, mit wem ich keine gemeinsame Sache mache, sagt mehr über mich als die Summe aller Beschreibungen, wer ich sei.

Wenn ich mir klarmache, was ich noch nicht gemacht habe, wo ich noch nicht war, fällt der Blick auf unbekanntes, weites Land.

Ziehe ich mich aber zurück auf den, der ich meine zu sein, wird alles zum Déjà-vu: Alle Vorsätze gefasst, alle Vorwürfe gehört, alles schon mal dagewesen. Und draussen im Unbekannten lauert die Angst vor dem Verlust.

Keine Angst! Alles wird gut! Alles?

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Freitag, 1. April 2011
Freitag, 1. April 2011
Ja, sieht denn das niemand: Der Trend geht zur Familendiktatur. Sadats und Gadafis Söhne, Indiras Söhne, Indira Gandhis Schwiegertochter, Asads Sohn, Le Pens Tochter, das Ehepaar Clinton, und in Korea hat sich gar eine kommunistische Erbdiktatur entwickelt. Alles Familienunternehmen. Die Struktur von Familien, die Abhängigkeiten, die Macht-Konstellationen eignen sich für Familienbetriebe nicht weniger als für Familiendiktaturen. Die dürften allein schon von der Dauer familiärer Herrschaft fasziniert sein. Nix Feudalismus, nein: hier setzt sich die gesellschaftliche Avantgarde an die Spitze und kopiert erfolgreiche Geschäftsmodelle für den Einsatz in der Politik. Wenn man aber die weihevolle Aura, die Lobhudelei, der Familie durchlöchern will, muss man die fragen, die nicht von Dynasty profitieren. Wie in in der Politik.

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Donnerstag, 31. März 2011
Donnerstag, 31. März 2011
Die Sprache ist ein Ort. Ist vielmehr Bestimmung als Beschreibung. Lässt Standort und Perspektive erkennen, die den Sprechenden bei seiner Wortwahl bestimmen. Auch wer den Ort gewechselt hat, behält doch die Sprache. Sie ist vielmehr ist als nur Laut und Signal. Sie bewahrt seine Herkunft, seine Geschichte auf.

Sprache ist ein Ort. Auch deswegen halten wir am Dialekt fest. Weil wir mit ihm gelernt haben, die Welt zu sehen. Und deswegen nehmen wir auch den Dialekt mit. Wie Gepäck und Ausweis. Sprache soll Auskunft geben über Herkunft und Ort und ist deshalb vielmehr als ein abstraktes Signalsystem. Selbst dann, wenn ich keine Dialekt spreche: ich spreche meine Sprache. Jeder spricht die Sprache anders. Das kann man hören. Auch Schweigen kann man hören. Schweigen gehört zur Sprache. Höre ich jemand, versuche ich ihn zu verstehen, Höre ich nichts von ihm, versuche ich zu verstehen, warum ich nichts von ihm höre.

Ist von Sprache die Rede, kullern jede Menge Worthülsen in der Gegend rum. Man balanciert eine Weile mit ihnen und auf ihnen herum, kommt dann ins Rollen und ins Rutschen und verliert irgendwann den Halt. „Sprachverlust“ wird beklagt. Aha, hier wurde grosses Kaliber eingesetzt. Oder „Sprachverweigerung“. Das wäre sozusagen Handfeuerwaffe, eingesetzt im persönlichen Nahkampf. Bevor man Verlust und Verweigerung beklagt sollte man sich vielleicht etwas mehr Mühe machen hinzuhören und herauszuhören, was gesagt oder nicht gesagt wird. Ich höre jedenfalls heraus, dass in beiden Fällen die Rede von dem ist, was fehlt, was nicht da ist. Nicht uncharakteristisch für Sprache, sie benennt was, was nicht da ist. Aber etwas mehr Mühe, als mit den Worthülsen zu spielen, sollte man sich schon machen. Möglicherweise ist der Sprachverlust gar keiner, die Sprache hat sich nur geändert. Und die Verweigerung ist gar keine, sondern ich krieg neue Signale und Kommunikationsnetze nicht mit, die sich entwickelt haben.

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