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Sonntag, 27. März 2011
Sonntag, 27. März 2011
kuehnesmallworld, 18:43h
Entweder man bemüht sich um die Wahrheit oder verstummt. Muss sich zufrieden geben mit Standard-Einsichten im Kopf und Standard-Floskeln im Mund. Wahrheit dagegen ist eine individuell zu handhabende Waffe. Objektiv ist das Wahrheits-Material meinetwegen der Stahl, heutzutage wirds andere Materialien und Legierungen geben, Keramik zum Beispiel. Um beim Stahl zu bleiben: Auch Stahl wird gewonnen, den gibts nicht einfach so in der Natur. Dann wird er geformt, geschmiedet und gehärtet dem Verwendungszweck angepasst. Die objektive Wahrheit kennen wir nicht, wir kennen nur die Bestandteile, aus denen sie gemacht wird: Tatsachen, Ehrlichkeit, Zielstellungen um einige zu nennen. Und wir kennen ihre subjektive Ausformung, wenn sie zur Waffe wird, und zum Beispiel als Formulierung aus meinem Mund kommt. Und da verhält sich die Wahrheit zu den Standard-Einsichten, wie die Spezialklinge zum Besteck-Sortiment. Wichtigstes Kriterium für die Qualität ist der Verwendungszweck. Wahrheit wird nicht als „objektiver“ Vorrat auf die „hohe Kante“ gelegt, sondern existiert überhaupt nur in der Aktion, in der Bewegung. Wenn ich beurteilen will, was Wahrheit ist, muss ich auf jeden Fall zunächst die Frage klären, in welcher Absicht man sich mir oder anderen nähert (siehe 25. März: das Märchen vom Wolf). Die Lüge beginnt stets und immer in der Verschleierung der Absicht.
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Freitag, 25. März 2011
Freitag, 25. März 2011
kuehnesmallworld, 13:08h
Zurück zum Marketing und zur Sprache im Marketing (vgl. 10. März ff.), die ja in einem Punkt vergleichsweise ehrlich ist, meistens jedenfalls: Vom Marketing geht die Aktion aus, das Marketing klopft an, will was von uns. Auch wenn es unendlich viele Versuche gibt, so zu tun als sei das anders. Da wird ein Hype ohnegleichen organisiert, Trends losgetreten, Events ohne Ende werden drumherum gruppiert: das Produkt soll in aller Munde sein. Alle sollen das Produkt haben wollen. Der Anstoss geht aber allzu offensichtlich vom Marketing aus. Das ist auch deshalb so schwer verschleiern, weil es ja selbst seine Ziele der Umsatzsteigerung lauthals kundtut. Und so viele Möglichkeiten zum Mimikry-Theater hat der Wolf, der vor der Tür steht und es auf die sieben Geisslein abgesehen hat, auch nicht: Er kann Kreide auflegen, sein Wolfs-Outfit verstecken und partiell sein Fell, nämlich an der Pfote, die sich dem Kunden entgegenstreckt, einfärben. Man muss schon glauben wollen, dass es nicht der Wolf ist, sonst würde man ihn nie hineinlassen. Lässt man Angst und Moral an Grimms Märchen vom Wolf und den sieben Geisslein einmal beiseite, bleibt noch sein Angebot übrig. Schliesslich hat der Wolf noch garnicht seine Schmuckkollektion ausgebreitet oder die Speisekarten von Call-a-Pizza verteilt. Obwohl er sein Angebot also noch gar nicht gemacht hat, lassen sich die Wenigsten davon beruhigen. Zu zielgerichtet ist die Attacke aufs Portemonnaie, zu unüberhörbar das Klopfen an der Tür. Das Begehr um Eintritt, in nicht gewünschter Deutlichkeit, bietet in der Tat Anlass zu Kritik und Fragen, die nicht gestellt würden, stünde schiere Not oder unabweisbare Notwendigkeit vor der Tür.
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Donnerstag, 24. März 2011
Donnerstag, 24. März 2011
kuehnesmallworld, 10:25h
Wenn die Situation unumkehrbar geworden, die Lüge nicht mehr aus der Welt zu bekommen ist, hilft auch keine Ironie mehr, die durch Übertreibung warnt, dann ist Sarkasmus das Mittel der Wahl. Sarkasmus ist die Antwort auf die Auswegslosigkeit. Hohn und Spott über die eigene Dummheit und Naivität.
Die zweite Katastrophe dieser Tage, der GAU in Japan, lässt Sarkasmus als einzig angemessene sprachliche Gegenwehr zu. Sie ist die einzige Reaktion, die die Unumkehrbarkeit wiederspiegelt. Wenn man sich das starre TV-Bild auf die 6 an der Küste aufgereihten Atomkraftwerke mit der Riege der Ingenieure davor lange genug angesehen hat, sich lange genug hat schildern lassen, was in Block 1, Block 6, Block 4 , Block 2, Block 3, nochmal Block 3 und wieder Block 4 gerade in die Luft fliegt, schmilzt, explodiert und repariert wird, fällt mir nur noch ein:
Hütchenspiel auf japanisch.
Das ist ein schiefes Bild, ungerecht, aber angesichts der Drückebergerei, dem Versteckspiel, der Scharade, der einzig mögliche Vergleich. jedenfalls für mich.
Jeder kennt die Lüge, jeder weiss, der GAU ist längst eingetreten, man weiss nur noch nicht in welchem Block.
Aber selbst in der sarkastischen Ausweglosigkeit steckt noch die Alternative, es ganz anders machen zu können. Es ganz anders machen zu müssen, weil ein wenig anders ja nicht mehr hilft.
Die zweite Katastrophe dieser Tage, der GAU in Japan, lässt Sarkasmus als einzig angemessene sprachliche Gegenwehr zu. Sie ist die einzige Reaktion, die die Unumkehrbarkeit wiederspiegelt. Wenn man sich das starre TV-Bild auf die 6 an der Küste aufgereihten Atomkraftwerke mit der Riege der Ingenieure davor lange genug angesehen hat, sich lange genug hat schildern lassen, was in Block 1, Block 6, Block 4 , Block 2, Block 3, nochmal Block 3 und wieder Block 4 gerade in die Luft fliegt, schmilzt, explodiert und repariert wird, fällt mir nur noch ein:
Hütchenspiel auf japanisch.
Das ist ein schiefes Bild, ungerecht, aber angesichts der Drückebergerei, dem Versteckspiel, der Scharade, der einzig mögliche Vergleich. jedenfalls für mich.
Jeder kennt die Lüge, jeder weiss, der GAU ist längst eingetreten, man weiss nur noch nicht in welchem Block.
Aber selbst in der sarkastischen Ausweglosigkeit steckt noch die Alternative, es ganz anders machen zu können. Es ganz anders machen zu müssen, weil ein wenig anders ja nicht mehr hilft.
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