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Dienstag, 22. Oktober 2013
Dienstag, 22. Oktober 2013
Die Liebe lieben. Wir lieben die Liebe, weil sie das Ende der Widersprüche verheisst. Weil sie ein alles Überwältigendes, nicht in Frage zu Stellendes sei.

Die Widersprüche werden nach aussen verbannt und begegnen uns als unglückliche, verzehrende Liebe, in der Extremform als Liebe, die uns als Unglück lebenslang verfolgt.

Nicht nur die menschliche auch die mystische Liebe funktioniert so. Ich hatte einen Mitschüler, der sich, wir waren beide 13, 14 darüber lustig machte, dass ich hinsichtlich selbst auszudenkender Aufsatzthemen für die Schule, immer wieder auf Überschriften verfiel, in denen das Wort "unfreiwillig" steckte. Quintessenz war jeweils, dass man nicht da rauskam, wo man hinwollte. Manchmal wurde es besser als man wollte. Meist sogar. 2,3 Jahre vorher hatte ich einen Aufsatz geschrieben, auch so einen freiwilligen Aufsatz, einen Aufsatz über die Ferien, in dem ein Dieb die geklauten Sachen heimlich wieder zurückbrachte. Er war gut, aber er war es im Verborgenen. In einer Welt, die niemand sah. Unfreiwillig war er in dieses Gutsein geraten, weil er eben nicht nur gut war, sondern ein diebischer, widersprüchlicher Mensch war.

Mein Mitschüler war ein fröhlicher Mensch, sprach schon damals fliessend Latein und sollte was in der Kirche werden. Wurde er auch. Ich hab nach ihm gegoogelt, er ist jetzt Weihbischof und sieht aus seinen bunten Kleidern fröhlich in die Kamera. Farbbild. Er nannte mich Stoppel, weil meine Igelfrisur nicht einheitlich aufrecht stand sondern wegen meiner weichen Haare, kreuz und quer mal stand, mal lag. Er lebte in einer Welt, ich mindestens in zwei. Das Aussen der Welt existierte in Form seines Vaters, der beim Soldatensender AFN arbeitete und von Bill Ramsey schwärmte. Souvenir, Souvenir ... . Normalerweise wären wir uns nie begegnet. Er wäre in eine Klosterschule gekommen und ich wäre vielleicht Apotheker geworden, weil mein Vater Apotheker war. Oder Arzt, weil mein Vater Arzt war. Oder Feldscheer, oder Friseur oder Koch. Papst wird er wohl nicht mehr werden, der Thomas, aber wenn Tebi so weiter moogelt, ist vielleicht noch der Bischof drin.

Irgendwas Zerbrechliches spürte ich an ihm. Wie ein Kind, dessen Immunsystem von Allergien, überschwemmt werden kann, weil es immer um es herum clean war. Und das darauf angewiesen ist, dass es clean bleibt und nicht etwa alles überschwemmt wird.

Mal mal eine Insel! Entweder nur Meer, nur Weite. Insel ist dann der Kontrast dazu.
Oder: Nur Insel, dann kann man sich die Insel im Grunde auch sparen. Es bleibt bei der Andeutung: Dieses Land liegt im Meer.

Will man beides, Insel und Meer, wirds schnell zu Karikatur, weil beides nicht auf ein Bild passt. Schnell wachsen dann zwei Palmen empor, und damit der Inselbewohner auch was zu tun hat, eine Hängematte zwischen ihnen. Am Horizont der Schornstein eines Schiffes. Von der Insel bleibt nur Umriss. Sempé lässt grüssen.

Oder man machts naiv, wie im Mittelalter: Johannes auf Patmos. Eine Insel wie Burg, das Meer wird zum Wassergraben, allein für sich der Eremit. Um ihn herum auf dem Festland tobt das brüllende Leben. Ein Wunder, dass er nichts hört.

Das, was eine Insel ist, lebt vom Kontrast. Wir begreifen sie nur im Kontrast. Liebe ist nicht nur ein Wort.

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