Donnerstag, 10. Mai 2012
Donnerstag, 10. Mai 2012
„Kreislauf“

Wenn Dogmen fallen, wie das vom Wachstum, heisst das noch lange nicht, dass wir immun sind gegen neue. Zum Beispiel das Dogma vom Kreislauf. Natürlich ist Wiederverwertung gut. Noch besser sind Produkte, bei denen sich so viel wie möglich wiederverwerten lässt. Dass dies zu 100% möglich sei, nähert sich einem Glaubenssatz.

Besonders vital sind Dogmen, wenn sie von älteren gespeist werden. Das Dogma vom Kreislauf verträgt sich einfach so gut mit dem von der Regionalisierung, so gut dass es als Nationalisierung verstanden und gehört wird. Schon wird aus „Produkte aus der Region“ unversehens „Produkte aus Deutschland“. Dass der Apfel aus Deutschland ist, das Ei aus Deutschland ist dürfen wir immer öfter auf der Packung lesen.

Auch ökologisch ist das falsch, denn Hamburg ist von München viel weiter entfernt als Innsbruck. Und um den „Kreislauf“ und die „Transportkosten“ sollte es ja einmal ursprünglich gehen. Jetzt zeigt sich, dass „Kreislauf“ und „Region“ keinesfalls so eindeutig sind, wie sie scheinen. Statt der Wiederholung der Dogmen müsste also Aufklärung einsetzen. Was ist „Region“ und wenn ja für welche für welche Produkte? Die Region für Seide ist eine andere als die für Baumwolle. Die Region für Äpfel ist eine andere als die für Kaffee. Spätestens beim Kaffee biegen die weniger Glaubensfesten schon ab in Richtung Welthandel und maulen was vom Prinzip, um das es ginge. Die Glaubensfesten erzählen dir, was du brauchst und was nicht. Der Kreislauf ist nur nach innen ein Kreislauf, nach aussen ist er eine Grenze.

Es kommt noch dicker: Im ökologischen Denken ist garnicht „Kreislauf“ die oberste Maxime, sondern dass alles mit allem zusammenhängt. Ein Denken, das bisherige Grenzen übersteigt. Da schliesst Kreisläufe nicht aus, sondern begründet sie abhängig von Produkt und Erkenntnisstand.

Ökologisches Denken ist ein Denken in grösseren Überschaubarkeiten als vordem. So eine Ökologie macht Sinn, der gar nicht von der Kanzel der Glaubenssätze gepredigt werden muss. Ökologie macht Sinn weil sie fragt: Was ging dem Zustand voraus, den wir heute haben. Und was folgt aus dem, was wir heute tun?

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