Sonntag, 15. Mai 2011
Sonntag, 15. Mai 2011
Philosophische Betrachtungen im Radio, unterbrochen von Chormusik. Heute muss Sonntag sein. Ich hörs zwar nur mit einem Ohr, das andere liegt noch auf den Kissen, aber das reicht auch. Ruhe und Reflexion entrücken mich dem Alltag und bringen mich in die Nähe des Kulturprogramms. Letzteres färbt auf mein Gemüt ab und verleiht mir eine leicht weihevolle Hingabe.

Jedenfalls bis zum Einsetzen der Chormusik. Jetzt ist die weihevolle Hingabe an meinem Hund, der bei Konzerten und Opern hingebungsvoll mitjault. Und, frage ich einmal allgemein und ganz grundsätzlich in dieser Mussestunde, ist nicht der Chor, jeder vielstimmige Vokalvortrag, von der biologischen Natur her, im Grunde ein Rudeljaulen?

„Ja, aber was ist mit dem Geistigen, der kulturellen Leistung, dem gesungenen Text?“
„Weiss ich, was mein Hund singt?“
„Aber er jault doch auch bei Kate Bush oder den Swingle Singers.“
Dieser philosophische Diskurs kam nun nicht mehr aus dem Radio. Aber mein Hund sieht mich verständnissinnig an.

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