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Mittwoch, 30. März 2011
Mittwoch, 30. März 2011
kuehnesmallworld, 19:21h
„Romantisch“ ist auch so ein Begriff (s. 29. 03. 11) von dem jeder glaubt ihn zu kennen.
Pustet die Kerzen ruhig wieder aus, die zur Feier des Begriffs entzündet wurden. Denn er hat was sehr Alltägliches, Nüchternes, ohne romantische Sichtweisen ist schlicht nicht auszukommen. Es lohnt sich also den Begriff aus seiner Versenkung zu holen.
„Romanhaft“-schildernd", so kann man am ehesten seine anfängliche Bedeutung vor Augen führen. Gefühls- und Wissensanleihen aufzunehmen über das hinaus, was ich als Person wissen und fühlen kann, um anderes und andere zu verstehen. Es bedeutet, mein Vorstellungsvermögen „anzuwerfen“. Besonders oft findet man derartige Anleihen derzeit im Wissenschaftsjournalismus. Da geht es besonders und abstrakt und unanschaulich her, also müssen die Anleihen besonders hoch sein.
Was passiert? Mit Hilfe der Anleihen, der Vorstellungen aus allen möglichen Bereichen - die Sprache bietet mir Bilder en masse dafür an - entsteht ein Gesamtbild.
So sehe ich mich schliesslich als Teil der Natur, glaube Angehöriger einer aussterbenden Spezies zu sein oder fühle mich als Weltbürger. So wird die Welt verständlich und bewohnbar. Nicht nur im Urlaub. Aber wenn ich fremde Ziele und Kulturen kennenlernen und entdecken will, dann steuert mich genau diese Vorstellung von der eigenen Zugehörigkeit und dem, was ich als fremd empfinde. Das Leben sei ein Abenteuer, der Weg das Ziel? Willkommen in der Welt der Romantik!
Hierzulande gibt es auch etwas, was man die negative Romantik nennen könnte. Nichts lohne die Mühe und die Reise. Alles, wirklich alles, ist verdorben, mies und kriminell. Gefühle seien immer und überall Illusion. Alle Menschen sind missgünstig, bestenfalls käuflich. Das nennt sich dann gern kritisch, ist aber eher misstrauisch und will sich auf keinen Fall dem Verdacht aussetzen, man gehe Gefühlen auf den Leim. Gefühle hegt man durchaus, nur eben negative. Nicht ein Deut weniger romantisch ist so einer. Sich die Welt schlecht zu machen, ist schliesslich auch eine Möglichkeit sich auszukennen.
Sind alle Menschen so? Auf der ganzen Welt? Aber nein! Ganz tief in unserem Innern, wo wir selbst nur ab und zu hinkommen, ruht sich unser Ich aus von grossen Taten und Feldzügen. Bei den vielen Festen und Feierlichkeiten ist der Catering-Service schon lang ausgewichen auf Wildschweinbraten. Und in der Ecke stapeln sich die Römerhelme, die wir auf unseren heroischen Desillousionierungsexpeditionen eingesammelt haben.
Wer dieses Netz aus Gefühlen, Vorstellungen und Sichtweisen, kennt, kann es mit nur einer Silbe, einem Wort, einem Fragezeichen zum Rauschen bringen. Braucht keine grossen Geschütze auffahren. Das Dauerbombardement aus blauen Lagunen, Palmen im Wind und fröhlichen Menschen, löst nur Kitsch- und Klischeealarm aus. Die ganze Vorstellung wird abgeblasen. Nein, das geht besser: Ein Teller mit einer Haxn, ein Weinglas, von der Kamera wie zufällig gestreift, ein beiläufiges Erwähnen, dass gutes Schuhwerk unerlässlich sei, schon schwingen ganze Gefühlswelten mit.
Pustet die Kerzen ruhig wieder aus, die zur Feier des Begriffs entzündet wurden. Denn er hat was sehr Alltägliches, Nüchternes, ohne romantische Sichtweisen ist schlicht nicht auszukommen. Es lohnt sich also den Begriff aus seiner Versenkung zu holen.
„Romanhaft“-schildernd", so kann man am ehesten seine anfängliche Bedeutung vor Augen führen. Gefühls- und Wissensanleihen aufzunehmen über das hinaus, was ich als Person wissen und fühlen kann, um anderes und andere zu verstehen. Es bedeutet, mein Vorstellungsvermögen „anzuwerfen“. Besonders oft findet man derartige Anleihen derzeit im Wissenschaftsjournalismus. Da geht es besonders und abstrakt und unanschaulich her, also müssen die Anleihen besonders hoch sein.
Was passiert? Mit Hilfe der Anleihen, der Vorstellungen aus allen möglichen Bereichen - die Sprache bietet mir Bilder en masse dafür an - entsteht ein Gesamtbild.
So sehe ich mich schliesslich als Teil der Natur, glaube Angehöriger einer aussterbenden Spezies zu sein oder fühle mich als Weltbürger. So wird die Welt verständlich und bewohnbar. Nicht nur im Urlaub. Aber wenn ich fremde Ziele und Kulturen kennenlernen und entdecken will, dann steuert mich genau diese Vorstellung von der eigenen Zugehörigkeit und dem, was ich als fremd empfinde. Das Leben sei ein Abenteuer, der Weg das Ziel? Willkommen in der Welt der Romantik!
Hierzulande gibt es auch etwas, was man die negative Romantik nennen könnte. Nichts lohne die Mühe und die Reise. Alles, wirklich alles, ist verdorben, mies und kriminell. Gefühle seien immer und überall Illusion. Alle Menschen sind missgünstig, bestenfalls käuflich. Das nennt sich dann gern kritisch, ist aber eher misstrauisch und will sich auf keinen Fall dem Verdacht aussetzen, man gehe Gefühlen auf den Leim. Gefühle hegt man durchaus, nur eben negative. Nicht ein Deut weniger romantisch ist so einer. Sich die Welt schlecht zu machen, ist schliesslich auch eine Möglichkeit sich auszukennen.
Sind alle Menschen so? Auf der ganzen Welt? Aber nein! Ganz tief in unserem Innern, wo wir selbst nur ab und zu hinkommen, ruht sich unser Ich aus von grossen Taten und Feldzügen. Bei den vielen Festen und Feierlichkeiten ist der Catering-Service schon lang ausgewichen auf Wildschweinbraten. Und in der Ecke stapeln sich die Römerhelme, die wir auf unseren heroischen Desillousionierungsexpeditionen eingesammelt haben.
Wer dieses Netz aus Gefühlen, Vorstellungen und Sichtweisen, kennt, kann es mit nur einer Silbe, einem Wort, einem Fragezeichen zum Rauschen bringen. Braucht keine grossen Geschütze auffahren. Das Dauerbombardement aus blauen Lagunen, Palmen im Wind und fröhlichen Menschen, löst nur Kitsch- und Klischeealarm aus. Die ganze Vorstellung wird abgeblasen. Nein, das geht besser: Ein Teller mit einer Haxn, ein Weinglas, von der Kamera wie zufällig gestreift, ein beiläufiges Erwähnen, dass gutes Schuhwerk unerlässlich sei, schon schwingen ganze Gefühlswelten mit.
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